19.10.2009 · „Window Dressing“ zahlt sich aus, zeigt eine Studie der Société Générale. Das Bemühen von Fondsmanagern, ihre Portfolios auf das Jahresende hin so auszurichten, dass sie möglichst attraktiv aussehen, lässt sich von Anlegern nutzen.
„Window Dressing“ - oder auf deutsch so etwas „Fensterln“ - zahlt sich aus, zeigt eine Kurzstudie der Société Générale. Sie legt offen, dass sich das Bemühen von Fondsmanagern, ihre Portfolios auf das sich nähernde Jahresende hin so auszurichten, dass sie für die Anleger optisch möglichst attraktiv aussehen, am Markt bemerkbar macht.
Das wird zwar niemand offen so zugeben. Eine statistische Analyse deutet jedoch eine Chance von deutlich mehr als 50 Prozent, mit einer auf dem Kursmomentum basierenden Strategie eine überdurchschnittliche Rendite erzielen zu können, indem man sich die im Jahresverlauf gut gelaufenen Werte ins Depot legt und dagegen jene verkauft, die sich schlechter als der Markt entwickelt haben.
Risikoreiche Werte laufen wahrscheinlich bis zum Jahresende gut
Aus diesem Grund sei die Wahrscheinlichkeit ceteris paribus groß, dass in den kommenden Wochen risikoreiche Werte - gleich welcher Vermögensklasse sie auch angehören mögen - gefragt sein werden, heißt es. Besonders konsistent und damit erfolgreich seien die Ergebnisse in Bezug auf den Währungsmarkt. Dort liegt die Wahrscheinlichkeit, eine Rendite von knapp acht Prozent zu erzielen, bei etwa 80 Prozent.
Auch an den Börsen sei die Konsistenz der Ergebnisse beachtlich, die erwartete Rendite liege allerdings bei fünf Prozent oder etwas mehr. Regional betrachtet sei die Erfolgsquote in Europa mit einer Wahrscheinlichkeit von 93 Prozent besonders groß, gefolgt von Aktien in Großbritannien mit einer Wahrscheinlichkeit von 87 Prozent und in den Schwellenländern mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent.
Selbst an den Renten- und Rohstoffmärkten lasse die Strategie mit einiger Wahrscheinlichkeit überdurchschnittliche Erträge erwarten. Allerdings seien die statistisch abgeleiteten Erwartungsrenditen vergleichsweise gering im Vergleich mit den Devisen- und Aktienmärkten.
Im Dezember „gute“ gegen „schlechte“ Werte setzen
Die Strategie wurde anhand von Daten der vergangenen 15 Jahre in Form verschiedener Körbe von Vermögensgütern getestet und dokumentiert. Die durchschnittliche jährliche Überrendite lag bei 4,7 Prozent, wenn man optimalerweise Anfang Dezember eines Jahres die 20 besten Werte des Jahres erwarb und dagegen die 20 schlechtesten Werte verkaufte und die Positionen bis zum letzen Handelstag des Monats hielt.
Die Analyse widerlegt einmal mehr die These von der Effizienz der Finanzmärkte. Sie beweist indirekt, dass die Märkte in weiten Teilen von psychologischen Faktoren - sei es Hoffnungen, Erwartungen oder Herdenverhalten - beeinflusst werden. Aus diesem Grund kann ihre Kurs- und Wertentwicklung lange und deutlich von den Resultaten aller nur denkbaren Bewertungsmodelle abweichen. Manchmal dauert die Abweichung so lange an, dass Marktteilnehmern, die auf eine Korrektur gewettet haben, zwischenzeitlich das Kapital ausgeht. Später mag sich zwar beweisen, dass er im Grundsatz mit seiner Strategie recht hatte. Das nützt ihm dann allerdings nichts mehr.
Was soll die Aufregung?
Hans-J. Sauer (Wertpapierportfolio)
- 19.10.2009, 23:20 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |