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Strategie Fed-Zinseuphorie: Kann sie die Börsen nachhaltig tragen?

22.03.2007 ·  Die amerikanische Zentralbank deutet abnehmenden Wirtschaftsoptimismus an. Aufgrund der ausgelösten Zinsphantasie boomen die Börsen. Der Blick auf die relativ schwache Entwicklung vorlaufender Indikatoren ließe anderes erwarten.

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Mit deutlichen Kursgewinnen reagierten und reagieren die internationalen Börsen weniger auf die Entscheidung der amerikanischen Zentralbank (Fed), den Leitzins unverändert bei 5,25 Prozent zu lassen, als vielmehr auf die Änderung ihrer Lageeinschätzung: Die Notenbank erneuerte ihre Warnung vor Inflationsrisiken, verzichtete diesmal aber auf den Verweis, eine weitere Zinserhöhung könnte nötig sein.

Diese Veränderung führte zusammen mit anderen Formulierungen zur Vermutung, der Leitzins befinde sich auf dem höchsten Stand und der nächste Schritt würde nach unten führen. Das nahmen die Finanzmärkte zunächst positiv auf. Denn tiefere Zinsen würden alleine schon aufgrund des Diskontierungsmechanismus höhere Bewertungen bei den verschiedenen Vermögensklassen möglich machen, sondern auch die Wirtschaft stimulieren, so die Vermutung.

Die jüngsten Indikatoren sind gemischt ausgefallen - sagt selbst die amerikanische Zentralbank

Habe die Fed noch bis vor kurzem erkennen lassen, ihr nächster Schritt könne eine Zinserhöhung sein, so seien die jüngsten Äußerungen „marktfreundlich“, hieß es. Die meisten Analysten an der Wall Streit rechnen zwar damit, dass die Fed die Zinsen im Mai weiter konstant halten wird. Elf von 17 von Reuters befragten Primärhändlern rechnen allerdings mit einer Zinssenkung im Laufe des Jahres. Das ist eine etwas größere Zahl als zwei Wochen zuvor.

„Die jüngsten Indikatoren sind gemischt ausgefallen und die Bereinigung auf dem Immobilienmarkt hält an“, erklärte die Fed. Gleichwohl werde die Wirtschaft in den kommenden Quartalen wahrscheinlich weiter in einem moderaten Tempo wachsen, erläuterte sie weiter. Die Frage ist allerdings, ob sie mit dieser Einschätzung nicht noch viel zu optimistisch ist. Immerhin hat sie lange Zeit die Augen vor den verhalten ausfallenden vorlaufenden Indikatoren und vor allem auch vor der Krise im Immobilienbereich verschlossen.

Dort hat die Anzahl der Insolvenzen in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen und die Leerstände befinden sich ebenso auf Rekordniveau wie die Zahl der angebotenen Objekte, während die Preise unter Druck stehen. Das führt dazu, dass immer weniger Projekte neu begonnen werden, alleine schon deswegen, weil die Finanzinstitute ihre Kreditstandards verschärft haben.

Der Abschwung sei längst da, denn die Preise für Bauholz fielen rasant, heißt es

Das hat nicht nur unmittelbar negative Folgen für die Gewinnentwicklung der Bauunternehmen allein, sondern bei allen, die vom vergangenen Boom profitiert haben. In diesem Bereichen werden die Geschäfte künftig schlechter laufen, mit weiteren Folgewirkungen. Das zeigt sich unter anderem an der Lageeinschätzung eine Sägewerkmanagers. Sein Unternehmen produziere vor allem für die Möbelindustrie und gerate üblicherweise fünf bis sechs Monate vor der restlichen Wirtschaft in einen Abschwung. Dieser sei längst da, berichtet er, denn die Preise für Bauholz fielen gegenwärtig schneller, als das seit dem Jahr 1974 jemals zu beobachten gewesen wäre, erklärte er weiter.

Auf dieser Basis und auch mit Blick auf die Gewinnwarnungen bei den Hausbauern, bei Motorola, bei FedEx und bei Caterpillar vor wenigen Wochen lässt sich nicht nur fragen, wo die Börsianer ihren Optimismus hernehmen, sondern was sie dazu bringt, sogar immer höhere Kredite aufzunehmen, um Wertpapiere zu erwerben. Die so genannte Margin Debt an der New York Stock Exchange hat in den vergangenen Wochen neue absolute Rekordwerte erreicht.

Wie lässt sich das mit der Wahrnehmung vereinbaren, außerhalb des Subprime-Sektors gebe es inzwischen weniger Unterstützung für den Immobilienmarkt, als die Fed angenommen habe? Statt dessen sei die Immobilienkrise möglicherweise bei den amerikanische Verbrauchern angekommen und diese könnten sich mit ihren Konsumausgaben zurückhalten. Das dürfte spätestens dann der Fall sein, wenn sich die Immobilienkrise mit einer gewissen Verzögerung auch auf dem Arbeitsmarkt negativ bemerkbar macht.

In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, die Entwicklung an den Börsen bei allem Optimismus mit einer Portion Skepsis zu betrachten und auch entsprechend zu handeln. Denn die Finanzmärkte werden heutzutage stark von aggressiven, kurzfristig orientierten und möglicherweise auch noch kreditfinanzierten Marktteilnehmern beeinflusst. Wie schnell eine deutliche Eigendynamik nach unten und auch nach oben entstehen kann, konnte man in den vergangenen Wochen deutlich beobachten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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