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Strategie Erholung bei unterdurchschnittlichem Volumen

27.04.2009 ·  An den Finanzmärkten ist in den vergangenen Wochen der Optimismus zurückgekehrt. Doch die fundamentale Lage ist noch lange nicht rosig. Selbst die technische Lage an den Märkten ist nicht überragend, da die Volumina nicht überzeugen.

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An den Finanzmärkten ist in den vergangenen Wochen der Optimismus zurückgekehrt. Börsen und Rohstoffe haben sich in kurzer Zeit mit deutlichen Kurs- und Preisgewinnen von den Tiefs des vergangenen Jahres erholt und inzwischen eindrucksvolle, mittelfristige Trends etabliert.

Manche reden inzwischen vom Beginn eines neuen Bullenmarktes. Er werde getrieben von tiefen Zinsen, einer sehr guten Liquiditätsversorgung, einer günstigen Bewertung, von der Stabilisierung des amerikanischen Häusermarktes und nicht zuletzt auch von der Normalisierung an den Geld- und Kreditmärkten sowie der Rückkehr der Banken in die Gewinnzone, heißt es.

Lage am amerikanischen Häusermarkt ist noch lange nicht bereinigt

Solche Argumente klingen zwar gut. Allerdings bei genauerer Betrachtung beinahe zu gut, um wahr zu sein. So sind die Zinsen tief und die Zinskurven vergleichsweise steil. Das versetzt solide Banken zwar in die Lage, im Zinsgeschäft hohe Margen zu erzielen. Allerdings haben viele von ihnen noch hoch problematische Bilanzen. Um sie zu bereinigen, müssten sie lange Zeit überdurchschnittlich gut verdienen. Da solche Gewinne nicht aus der Luft gegriffen werden können, müssen sie irgendwo herkommen. Entweder, indem Risiken nicht adäquat verbucht werden, indem die Finanzunternehmen ihren Kunden über Jahre überhöhte Zinsen in Rechnung stellen oder indem öffentliche Mittel eingeschossen werden. Jede dieser Lösungen ist mittel- und längerfristig ein unhaltbarer Zustand.

Auch die Lage am amerikanischen Häusermarkt, dem Ausgangspunkt der Krise, ist noch lange nicht bereinigt. Die Preise der Häuser sind in den vergangenen Monaten zwar zum Teil deutlich von ihren völlig überhöhten Niveaus des Jahres 2007 zurückgekommen. Allerdings haben sie in Städten wie Miami, Los Angeles, New York, San Diego oder selbst in der Hauptstadt Washington D.C. noch einen weiten Weg nach unten vor sich, bevor sie sich einigermaßen normalisiert haben. Das heißt, die Risiken in den Büchern von Banken und Anlegern, die sich aus verbrieften Hypotheken ableiten lassen, werden in der Tendenz eher noch zu als abnehmen.

Immerhin verschlechtert sich die amerikanischen Konjunktur, die Arbeitslosigkeit nimmt deutlich zu, während die Zahlungsfähigkeit bei sich verschlechternden Kreditbedingungen immer weiter abnimmt. Das gilt nicht nur für Kredite für die Finanzierung von Häusern, sondern auch für Autos, Motorräder und nicht zuletzt auch für den Kreditkartensektor. In den vergangenen Tagen hieß es zwar, der Verkauf bestehender Einfamilienhäuser in den Vereinigten Staaten habe sich stabilisiert. Dieser Eindruck kann allerdings täuschen, da viele vorhandene Häuser aufgrund von Zwangsversteigerungen die Besitzer wechseln. Dagegen ging die Anzahl verkaufter neuer Häuser in den vergangenen Monaten im Trend stark zurück. Sie befindet sich auf dem tiefsten Niveau seit Jahren.

Geldmengenmultiplikator ist deutlich zurückgegangen

Selbst die „Liquiditätsargumente“ können hinterfragt werden. Die amerikanische Zentralbank hat die Geldmenge in den vergangenen Monaten zwar massiv ausgeweitet. Allerdings kommt sie nur begrenzt im Markt an. Schließlich ist der Geldmultiplikator massiv zurückgegangen. Das heißt, die Banken horten das Geld, statt es zu verleihen. Mit der Kreditvergabe werden sie sich deutlich zurückhalten, so lange sie Zweifel an der Bonität der potentiellen Klientel haben müssen. Immerhin wird sie sich aufgrund des wirtschaftlichen Umfeldes vorläufig kaum verbessern.

Selbst die technische Lage an den Märkten ist nicht überragend. Denn die Kurse haben sich in den vergangenen Wochen zwar im Durchschnitt deutlich von ihren Tiefs erholt. Allerdings bei einer schwachen Volumenentwicklung. Eine Analyse von William Hester (Hussman Funds) zeigt, dass sie aufgrund der Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte eher auf eine technische Zwischenerholung denn auf einen neuen Bullenmarkt hindeutet. Denn die Mehrheit der längerfristigen Kursaufschwünge der vergangenen Dekaden hat bei deutlich ausgeprägteren Volumenzuwächsen stattgefunden, als gegenwärtig zu verzeichnen sind.

Auf dieser Basis dürften Anleger kritisch auf die weitere Volumenentwicklung achten. Sollte es nicht zunehmen, wäre das ebenso ein kritisches Zeichen wie die Tatsache, dass sich die Volatilität beharrlich auf einem vergleichsweise hohen Niveau hält. Regelmäßig gepflegte Absicherungsstrategien in Form von Stopp-Loss-Aufträgen (oder ähnlichem) drängen sich förmlich auf.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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