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Strategie : Erfolgloses Market Timing

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Bild: DALBAR

„Aktien können vermögend machen“, heißt es. Beleg dafür sind eindrucksvolle Beispielrechnungen, die wundervolle Renditen zum Resultat haben. Allerdings gibt es einen Haken: In der Praxis werden Anleger diese Rendite nie erreichen.

          Wunderschön sind sie, die Werbebroschüren von Banken, Fondsgesellschaften, ihren Kooperationspartnern und Interessenvertretern. Sie alle werben um die Gelder potentieller Kunden und nutzen dafür eindrucksvolle Beispielrechnungen und Grafiken.

          Die ertragreichste Methode der Vermögensvermehrung bestehe im Kauf von Aktien. Immerhin böten die Wertpapiere eine Möglichkeit für den Anleger, „Mitunternehmer“ zu werden und an der Gewinnentwicklung der Unternehmen teilhaben zu können. Auf diese Weise ließen sich wenigstens zum Teil die Auswirkungen des gegenwärtig beobachtbare Auseinanderlaufen der „Lohn-Gewinn-Schere“ mildern.

          Theoretische Renditen werden in der Praxis selten erreicht

          Aus diesem Grund dürften sich inzwischen auch manche Politiker überlegt haben, die Entlohnung der Arbeitnehmer wenigstens zum Teil an den Erfolg ihrer Unternehmen zu koppeln. Das ist grundsätzlich vernünftig. Allerdings nur dann, wenn das Prinzip auch konsequent umgesetzt und nicht verwässert wird. Denn wer eine hohe Rendite will, muss auch die damit verbundenen Risiken tragen - alles andere mindert nur die Performance.

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          „Aktien können vermögend machen“, heißt es so schön. Ein Anleger, der Anfang des Jahres 1986 einen Betrag von 100.000 Dollar in die amerikanische Börse investierte, könne sich 20 Jahre später theoretisch über ein Vermögen von etwa einer Million Dollar freuen. Die erzielte Jahresrendite habe bei attraktiven 11,9 Prozent gelegen, zeigen Beispielrechnungen, wie sie von Fondsverkäufern gerne und beharrlich präsentiert werden.

          Allerdings gibt es einen Haken: In der Praxis werden Anleger diese Rendite nie erreichen. So zeigte eine Analyse der Zu- und Abflüsse in amerikanische Aktienfonds, wie sie von Informationsdienst Dalbar ausgeführt wurde, dass die Aktienfondsanleger nach dem betrachteten Zeitraum praktisch nur knapp 200.000 Dollar in ihren Depots hatten. Statt einer überdurchschnittlichen Performance konnten die Anleger damit eine durchschnittliche Jahresrendite von gerade einmal 3,9 Prozent erzielt.

          Privatanleger verhalten sich zu oft prozyklisch

          Wie lässt sich das bescheidene Resultat erklären? Der Grund liegt vor allem im prozyklischen Verhalten der Anleger: Sie kauften zumindest in der Vergangenheit ihre Aktienfondsanteile immer erst dann, wenn die Börsen in den Jahren zuvor besonders gut gelaufen waren und verkauften sie erst spät, nachdem der Markt nach unten gedreht hatte. Das heißt, erfolgloses „Market Timing“ dieser Art führt zu einer deutlich unterdurchschnittlichen und damit faktisch unbefriedigenden Anlagerendite.

          Anleger sollten sich erstens nicht von der „schönen Wertentwicklung“ von Indizes und er darauf abgestellten Werbung vieler Fondsgesellschaften blenden lassen. Denn faktisch ist sie kaum realisierbar - immerhin weichen selbst günstige Indexfonds minimal von der Indexentwicklung ab. Die Annäherung an theoretische „Superrenditen“ ist nur dann möglich, wenn Anleger diszipliniert einer längerfristig orientierten Anlagestrategie folgen.

          Dazu kann die konsequente Auswahl „werthaltiger“ Aktien mit schönen Aufwärtstrends ebenso beitragen, wie konsequent angewandte Verlustbegrenzungsstrategien oder der Kauf von quantitativ verwalteten Fonds. Letztere schalten die Emotionen aus und können auf diese Weise prozxklische Verhaltensweisen ausschalten oder wenigstens dämpfen.

          Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

          Quelle: @cri

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