19.05.2009 · Wer derzeit mit weiter fallenden Aktienkursen rechnet, kann mit Puts darauf setzen. Anleger, die es konservativer mögen, können auch mit einigen Zertifikaten auf Kursrückgänge spekulieren.
Von Kerstin PaponAn den Aktienmärkten ist die Bilanz seit rund anderthalb Wochen negativ, auch wenn sich die Börsen am Montag freundlich präsentierten. Anfang Mai verfehlte der deutsche Leitindex Dax die Marke von 5000 Punkten ganz knapp, nach einem Kursanstieg von mehr als 40 Prozent in zwei Monaten. Nun liegt der Index bei rund 4800 Punkten. Anleger, die mit weiteren Kursverlusten rechnen oder zumindest glauben, dass die Erholung an den Börsen pausiert, können mit verschiedenen Derivaten auf genau diese Marktentwicklung setzen. Liegen sie richtig, dann zahlen sich selbst starke Kursrückgänge für sie aus.
Der traditionelle Weg, um auf fallende Aktienkurse zu setzen, ist der Kauf spekulativer Hebelpapiere - Optionsscheine und Knock-out-Produkte. Mit ihnen können Anleger durch die „eingebauten“ Hebel überdurchschnittlich gewinnen, aber eben auch verlieren. Daher sind sie nur für erfahrene Anleger geeignet, die um die Besonderheiten dieser Wertpapiere und ihrer Risiken wissen. Für die Spekulation auf fallende Aktienkurse sind die „Put-“ oder „Short“-Varianten dieser Hebelpapiere gedacht. Ihr Wert steigt in der Regel überproportional, wenn die Notierungen an den Börsen fallen. Für steigende Aktienkurse sind „Calls“ geeignet.
Optionsscheine dank gesunkener Volatilitäten wieder interessanter
Der Preis vieler derivativer Wertpapiere wird von den Kursschwankungen (Volatilitäten) am Markt beeinflusst. Dies gilt auch für Optionsscheine. Sie werden teurer, wenn die Kurse stärker schwanken. Im Extremfall kann dies dazu führen, dass Anleger, selbst wenn sie auf die richtige Richtung der Kursentwicklung setzen, doch verlieren. Ein Maß für die Volatilität des deutschen Aktienmarktes ist der V-Dax-New. Er bildet die am Markt für die kommenden 30 Tage erwartete Schwankungsbreite des Dax ab. Im Oktober 2008 erreichte der Index noch den Höchstwert von 85 Prozent. Inzwischen ist er gefallen. Am Montag waren es 33 Prozent, was aus historischer Sicht aber immer noch vergleichsweise hoch ist.
„Mit den gesunkenen Volatilitäten werden auch Optionsscheine wieder interessanter und nicht mehr nur der besonders spekulative Weg über Knock-out-Papiere“, sagt Holger Bosse, Derivateexperte der Deutschen Bank. Letztere verfallen von einem Moment auf den anderen wertlos, wenn der Basiswert - eine Aktie oder ein Index - eine festgelegte Kursschwelle erreicht. Der Preis der Knock-outs bleibt zwar von der Volatilität am Markt unberührt, gleichwohl steigt mit höheren Kursschwankungen die Wahrscheinlichkeit, dass diese Derivate wertlos werden.
Scheine, „die im Geld“ liegen, wählen
Bosse rät Anlegern derzeit zu Optionsscheinen, die „im Geld“ liegen, da die Volatilität hier preislich weniger ins Gewicht falle. Sie sind nicht ganz so spekulativ. Diese Scheine haben einen „inneren Wert“, der sich aus der Differenz zwischen dem „Basispreis“ und dem aktuellen Kurs des unterliegenden Produkts ergibt. Ein Beispiel hierfür ist ein Put-Optionsschein der Deutschen Bank auf den Dax (Isin DE000DB89BB6) mit Basispreis 5000 Punkten und Laufzeit bis zum 16. September. Hier liegt der Hebel etwa bei zehn.
Das heißt: Fällt der Dax um ein Prozent, dann steigt das Derivat um rund 10 Prozent. Grundsätzlich sollten Anleger lieber etwas länger laufende Scheine wählen, um eine ausreichende Sicherheitsspanne zu haben, sagt Bosse: „Rechnen sie für die nächsten drei Monate mit Verlusten, sollten sie ruhig zwei, drei Monate mehr an Laufzeit nehmen.“ Zudem sei zum Laufzeitende der Zeitwertverlust höher, sagt Anouch Wilhelms von der Commerzbank. Bei „im Geld liegenden“ Scheinen schlägt dieser Aspekt etwas weniger zu Buche.
Reverse-Zertifikate für Pessimisten
Es gibt aber auch konservativere Möglichkeiten, um auf Kursrückgänge zu setzen. Zwar sind fast alle Zertifikate für steigende oder allenfalls leicht fallende Kurse gedacht, doch es gibt Papiere für Pessimisten wie Reverse-Zertifikate. Sie kehren die Funktionsweise eines herkömmlichen Zertifikates, zum Beispiel eines Bonuspapieres, einfach um. Starke Kursgewinne schaden allerdings dem Anleger. Schlimmstenfalls droht der Totalverlust. Eine weitere Möglichkeit bieten Zertifikate auf den Short-Dax, der sich umgekehrt zum Dax entwickelt. Allerdings sollten Anleger beachten, dass sich beide Indizes nicht identisch entwickeln, sagt Bosse.
Rechnen Anleger mit eher seitwärts tendierenden Märkten, könnten Discount-Zertifikate interessant sein, sagt Wilhelms. Hier erwerben Anleger einen Basiswert mit einem Abschlag (Discount), der um so höher ausfällt, je stärker die Kurse schwanken. Er bildet den Sicherheitspuffer gegen Verluste. Die Gewinnchancen sind durch einen „Cap“ begrenzt. Wie immer gilt: je höher das Risiko, desto höher die mögliche Rendite. Ein Discounter der Commerzbank (Isin DE000CB6FYJ1) mit einem Cap bei 4000 Punkten und Laufzeit bis Juli bietet bei einem Risikopuffer von 16 Prozent eine Rendite von maximal 7 Prozent jährlich. Bei den schwankungsfreudigeren Bankwerten ist das mehr: Ein entsprechender Commerzbank-Discounter auf die Deutsche Bank (Isin DE000CB840A5) kommt auf bis zu 25 Prozent jährlich bei einem Puffer von 20 Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |