28.12.2004 · Die Stimmung an den Börsen ist gut, das zeigt sich alleine schon an den tiefen Volatilitäten. Sie könnten zur günstigen Absicherung von Aktiendepots genutzt werden, denn auch an den Börsen ist man vor „Tsunamis“ nie völlig sicher.
Die Absicherung von Aktienbeständen ist derzeit so preiswert wie lange nicht mehr. Die Prämien sind auf Grund der historisch niedrigen impliziten Volatilität am Aktienmarkt vergleichsweise billig. Aktienmarktstrategen empfehlen daher institutionellen Anlegern wie auch vermögenden Privatkunden, für das in Aktien investierte Vermögen eine Versicherung abzuschließen.
Externe Einflüsse, wie Naturkatastrophen oder Terroranschläge, können die Aktienmärkte jederzeit treffen. In der Vergangenheit lösten solche Ereignisse starke Kursturbulenzen an den Kapitalmärkten aus. Die Folge waren in der Regel deutliche Kursrückgänge, die überwiegend mit einem Anstieg in der Volatilität einhergingen.
Komplett- oder ...
Als mögliche Strategie für den Anleger bietet sich die Komplett- oder auch Nominalabsicherung des Aktienbestandes an. Eine weitere Variante ist, die zu zahlende Prämie über die erwartete Dividende zu finanzieren. Grundlage für die Absicherung stellt die jeweilige Zusammensetzung des Depots dar. Bei einem Index-orientierten Depot ist es sinnvoll, dieses mit an der Eurex gelisteten Dax-Optionen abzusichern. Nach Aussage von Oliver Schmidt, Optionsstratege bei der Landesbank Rheinland-Pfalz, müßte zunächst zwischen einer Komplett- oder einer Nominalabsicherung entschieden werden.
Als Basispreis für die Komplett-Absicherung eines Index-orientierten Depots biete sich der Dax-Stand bei 4.200 Punkten an. Der Mid-Market-Preis dieser Put-Option mit einer Laufzeit bis Juni 2005 liege momentan bei rund 145 Euro. Die at-the-Money-Puts weisen ein Delta von 0,5 auf, also müßte für diese Absicherung die doppelte Anzahl von Put-Optionen gekauft werden. Für ein in der Beispielsrechnung zugrunde gelegtes Depotvolumen von 2,1 Millionen Euro müßten 500 Put-Optionen mit einem Gegenwert von 72.500 Euro gekauft werden. Dies Summe ergibt sich aus der Anzahl von 500 Optionen multipliziert mit einem Wert von 145 Euro. In dieser Szenario-Rechnung ist das gesamte Depotvolumen “Delta-Neutral“ ab dem ersten Tag komplett abgesichert. Allerdings müsse darauf hingewiesen werden, daß diese Strategie kostenintensiv sei. Auf Sicht eines halben Jahres, der Laufzeit der Option, kostet die Absicherung 7 Prozent des abgesicherten Kapitals.
... eine Nominalabsicherung
Eine Alternative stelle die sogenannte Nominalabsicherung dar. In diesem Fall werde der Gegenwert des Aktienbestandes als Grundlage für die Absicherung genommen. Dies bedeute in der Praxis, daß nur die Hälfte an Put-Optionen benötigt würde. Ein Nachteil ist dabei, daß das Depot zum Beginn einer Abwärtsbewegung nur teilweise abgesichert ist, wie Schmidt sagt. Allerdings gehe mit einem Rückgang der Aktienkurse die Volatilität nach oben, und damit verteuere sich auch der Kurs der eingegangenen Put-Option. Zudem lege das Delta einer Option zu, je weiter die bestehende Put-Option ins Geld laufe. Da bei dieser Alternative nur die Hälfte der Put-Optionen gekauft werden müsse, verringere sich natürlich auch das eingesetzte Kapital. Diese Art der Absicherung koste unter Berücksichtigung des oben aufgemachten Szenario den Investor rund 3,5 Prozent des zu Depotvolumens.
Eine sehr interessante Konstellation bietet sich momentan, da zum einen die implizite Volatilität sehr niedrig und zum anderen die Dividendenrendite einzelner Aktien vergleichsweise hoch ist. Die Handelsabteilungen der Großbanken nutzen schon seit Wochen die Marktgegebenheit der Prämien auf historisch niedrigen Niveau in Verbindung mit der hohen Dividendenrendite von teilweise über vier Prozent. Die impliziten Volatilitäten der Put-Optionen auf Einzelwerte notieren überwiegend einen Tick über jenen der Dax-Optionen. Eine mögliche Strategie stelle somit dar, ein Depot mit dividendenstarken Aktien wie DaimlerChrysler, Deutsche Telekom, Eon, RWE oder ThyssenKrupp zusammenzustellen und über Put-Optionen abzusichern. Durch die Einnahme der Dividende sei die Prämie schon fast bezahlt. In diesem Falle verdiene der Anleger an der Aufwärtsbewegung durch den Kursgewinn in der Aktie, nach unten wäre die Position durch die eingegangene Eurex-Position nahezu abgesichert.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |