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Strategie Dax in der „Öl-Baisse“

18.04.2006 ·  Die Stimmung an der Börse ist gut. Kein Wunder: der Dax steigt, steigt und steigt. Allerdings nur gegen Euro. Setzt man ihn ins Verhältnis zum Öl- oder zum Kupferpreis, so befindet sich der Markt eher in einer Baisse denn in einer Hausse.

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Auf den ersten Blick scheinen die Finanzmärkte so einfach zu sein: Steigen die Kurse im Trend, so befindet sich der betrachtete Markt in einer Hausse. Fallen sie dagegen im Trend, so befinden er sich in einer Baissephase. Allerdings sollte man sich als Anleger nicht täuschen lassen. Denn ein näherer Blick kann vieles relativieren.

Zum Beispiel die Bewertung der Kursentwicklung des Dax in den vergangenen Jahren. Ausgehend von einem Zwischentief bei 2.188,75 Punkten im März des Jahres 2003 hat er zwar einen Aufwärtstrend etabliert und inzwischen knapp 170 Prozent zugelegt. Allerdings nur dann, wenn man die Nominalwerte in Euro betrachtet.

Dax kommt gegen Öl, Kupfer und andere nicht auf die Beine

Vergleicht man die Entwicklung dagegen mit der Preisentwicklung bei Öl, Kupfer oder anderen Rohstoffen, so sieht die Wertentwicklung weit weniger eindrucksvoll aus. Nimmt man zum Vergleich sogar wenige, relativ lange Durchschnitte, so ist der Dax bei dieser Betrachtungsweise inzwischen kaum nach oben gelaufen. Denn die Ölpreisentwicklung und Währungseffekte haben einen großen Teil der Kursgewinne der vergangenen Monate überkompensiert.

Und da sagen viele Strategen und die Zentralbanken noch, die Entwicklung der Geldmenge und die der Preise befände sich unter Kontrolle und die Zinsen müßten nicht weiter steigen? Solche Aussagen können doch nur dann ernst genommen werden, wenn dabei relativ eng definierte Preisindizes als Vergleich herangezogen und gleichzeitig andere Werte, zum Beispiel die Häuser-, Rohstoff- und Edelmetallpreise, ignoriert werden. In diesem Sinne dürften entsprechende Argumentationsketten hinterfragt werden müssen.

Investoren sollten folglich nicht nur darauf achten, in steigenden Märkten an sich engagiert zu sein, sondern gleichzeitig auch die relativen Preisverhältnisse im Auge behalten. Denn nicht nur der Ölpreis ist in den vergangenen Monaten deutlich stärker gestiegen als die meisten Börsen, sondern dasselbe gilt auch für viele andere Rohstoffe. Insbesondere die Industrie- und zuletzt auch die Edelmetalle.

Spekulative Dynamik kurzfristig nicht zu übersehen

Viele dieser Märkte mögen zwar im Moment als spekulativ überhitzt erscheinen und geradezu für ausgeprägte Korrekturen prädestiniert zu sein. Zieht man jedoch gleichzeitig die anhaltend hohen Geldmengen in weiten Teilen der Welt, die relativ hohe Bewertung von Rentenpapieren, von vielen Aktien und anderen Vermögenswerten in Betracht, so dürfte die Attraktivität im Sinne einer Risikodiversifizierung auch mit Blick auf die aktuelle geopolitische Entwicklung im Iran relativ hoch bleiben. Nach einer Korrektur, selbstverständlich.

Interessiert man sich überwiegend für Aktien, so sollte sich der Blick nach Ansicht von „alten Hasen“ wie Mark Faber in erster Linie nach Asien richten. Denn dort scheinen die Märkte angesichts des möglichen Wachstums im Vergleich zu anderen Vermögenswerten noch relativ günstig zu sein. Kurzfristig dürfte eine defensive Positionierung nicht schaden. Die spekulative Dynamik zeigt sich nicht unbedingt in einer euphorischen Stimmung der Anleger. Aber unbedingt in der Euphorie vieler Börsenpostillen, in der Inflation neuer, qualitativ oft zweifelhafter Aktien an den gering regulierten Segmenten der Börse und insbesondere auch in Form der wie Pilze aus dem Boden schießenden Börsenbriefen aller Art und Qualität.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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