01.06.2006 · Nach einer kurzen Zwischenerholung scheinen die Kurse von Rentenpapieren wieder in die Defensive zu geraten. Kein Wunder, die Wirtschaftsstimmung ist vergleichsweise robust, die Inflation tendiert nach oben und die Geldmenge wächst.
Hatte sich der deutsche Rentenmarkt im Rahmen der allgemeinen Börsenkonsolidierung zunächst von seinen jüngsten Tiefs erholen und von 114,81 Prozent am zwölften Mai bis auf 116,82 Prozent am 25. Mai erholen können, so geht es seitdem mit den Kursen wieder nach unten und mit den Renditen nach oben. Der Bund-Future liegt am Donnerstag mit einem Minus von 36 Stellen bei 115,69 Prozent.
Diese Entwicklung dürfte mit Blick auf die jüngsten Konjunkturdaten und auch auf die Überlegungen der amerikanischen Zentralbank (Fed) vor der jüngsten Leitzinserhöhung kaum überraschen. Denn die Fed scheint sogar mit dem Gedanken gespielt zu haben, den Leitzins statt um 0,25 auf fünf Prozent um 0,5 Prozentpunkte zu erhöhen.
Stimmung ist vergleichsweise robust ...
Hintergrund ist die ökonomische Entwicklung. So ist sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in der Eurozone die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe in Bezug auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung nach wie vor freundlich. Zwar erreichen die Umfragewerte jenseits des Atlantiks derzeit nicht mehr die hohen Werte vom Frühjahr des Jahres 2004. Beim nationalen ISM-Index war zuletzt aber eine Stabilisierung der Indexwerte oberhalb von 55 Punkten festzustellen. Dieses Niveau ist im historischen Vergleich mit einem Wachstum der Produktionstätigkeit von rund vier bis fünf Prozent verbunden gewesen. Nach den bereits veröffentlichten Daten zu den regionalen Einkaufsmanagerindizes rechnen Experten für den Mai mit einer eichten Abschwächung auf 56,0 Punkte.
Dagegen hat die Aktivität im Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands im Mai überraschend zugenommen. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe stieg auf 58,5 und damit auf den höchsten Stand seit sechs Jahren. Experten hatten einen Rückgang prognostiziert. Auftrags- und Produktionszuwächse nur knapp unter den jüngsten Höchstständen hätten die Beschäftigung weiter kräftig ansteigen lassen. Die aktuellen Daten deuten außerdem darauf hin, daß die Binnenkonjunktur immer mehr an Fahrt gewinne, heißt es nun. Dies dürfte die Auswirkungen des stärkeren Euro auf das Exportwachstum ausgleichen.
... steigende Kosten werden zunehmend auf Konsumenten abgewälzt
Gleichzeitig verstärke sich der Inflationsdruck - hohe Energie- und Rohstoffpreise lassen grüßen - zunehmend, da die Einkaufspreise zum Teil „enorm gestiegen“ seien und von den Industriefirmen teilweise an die Kunden weitergegeben würden. Eurostat hatte am Mittwoch berichtet, die Inflation im Euroraum habe den 16. Monat in Folge über der Zielmarke von zwei Prozent gelegen. Die Teuerung stieg im Mai auf 2,5 Prozent, von 2,4 Prozent im April. Auf dieser Basis und auch mit Blick auf die unerwartet starke Expansion der europäischen Geldmenge in der jüngsten Zeit dürften weitere Zinserhöhungen in Europa kaum überraschen. Ein Zinsschritt am achten Juni von 2,5 auf 2,75 Prozent wäre die dritte Straffung der Geldpolitik in der Eurozone seit Anfang Dezember des vergangenen Jahres.
Auf dieser Basis dürfte der Rentenmarkt von Seiten der Zinserwartungen unter Druck stehen bleiben und allenfalls von einer anhaltenden Nervosität an den Börsen profitieren. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, Rentenpapiere - seien es Anleihen, Fonds oder andere - mit einer gewissen Skepsis zu betrachten oder sich gegen Kursverluste abzusichern. Bei einem weiteren Rückgang des Risikoappetits dürften auch riskante Unternehmensanleihen und Schwellenländerpapiere nicht gerade brillieren können. Interessant scheinen lediglich Papiere sein, die von steigenden Zinsen am kurzen Ende profitieren können. Das aber nur dann, wenn der Markt die Zinserhöhungen nicht schon vorweggenommen hat.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |