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Strategie Bernanke läßt die Börsen durchatmen

19.07.2006 ·  Hatten sich die internationalen Finanzmärkte in den vergangenen Monaten defensiv positioniert, so führt sie Ben Bernanke am Mittwoche zu einer Gegen- oder „Erleichterungsbewegung“. Fragt sich nur, wie lange sie anhalten wird.

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Hatten sich die internationalen Finanzmärkte in den vergangenen Monaten auf unerwartet stark steigende Zinsen in Amerika ausgerichtet und sich auch mit Blick auf restriktivere Notenbanken in anderen Teil der Welt defensiver als zuvor positioniert, so kommt es am Mittwoche zu einer Gegen- oder „Erleichterungsbewegung“.

Die internationalen Börsen und Rentenmärkte legen deutlich zu und der Dollar gibt nach einer kurzfristigen Stärkephase gegen Euro und Yen wieder nach. Hintergrund ist die lange erwartete Einschätzung der amerikanischen Zentralbank über die weitere Inflations- und Wachstumserwartungen.

Optimistischer Inflationsausblick läßt baldige „Zinspause“ erwarten

So hat der amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke einen relativ optimistischen positiven Inflationsausblick präsentiert und die Märkte damit beruhigt. Das Federal Reserve (Fed) erwartet eine Abschwächung des jüngsten Preisauftriebs, sagte Bernanke bei seiner halbjährlichen Anhörung vor Kongreßabgeordneten. Besonders in der Kernrate, also ohne Berücksichtigung von Energie- und Nahrungsmittelpreisen, werde es in den kommenden Quartalen einen Rückgang geben.

Bernanke sieht die amerikanische Wirtschaft in einer Übergangsphase von einer Zeit kräftigen Wachstums zu Jahresbeginn hin zu einer Periode gemäßigteren Zuwachses. Diese Entwicklung werde mit dazu beitragen, den Inflationsdruck im Jahresverlauf zu reduzieren. Gleichwohl bleibe die Notenbank besorgt wegen des Ölpreis-Höhenflugs und anderer Faktoren, die die Inflation und vor allem die Preiserwartungen nach oben treiben könnten. Zudem müsse die Fed bei ihrem Handeln immer auch weniger wahrscheinliche Entwicklungen berücksichtigen. „Wir müssen auch die Risiken für diesen Ausblick sehen und die Kosten, wenn eine dieser Risiken eintreten sollte“, sagte der wichtigste Notenbanker der Welt im Bankenausschuß des Senats.

In den von Bernanke ebenfalls am Mittwoch vorgestellten Konjunkturprognosen geht die Fed für das Jahr 2006 von einer Inflations-Kernrate von 2,25 bis 2,50 Prozent aus. Für das Jahr 2007 erwarten die Notenbanker einen Rückgang auf 2,00 bis 2,25 Prozent. Beim realen Wirtschaftswachstum rechnen sie mit 3,25 bis 3,50 für dieses und 3,00 bis 3,25 Prozent für nächstes Jahr. Bernanke machte erneut deutlich, daß die Fed alles tun werde, um eine anhaltend hohe Inflation zu verhindern. „Ein dauerhaft hoher Preisanstieg würde die Wirtschaftsleistung erodieren, und es wäre kostspielig, dies rückgängig zu machen“, betonte er.

Börsen: Selektion scheint ratsam zu sein

Diese Äußerungen mögen die internationalen Anleger zunächst beruhigen und zu den deutlichen Kursgewinnen an den Aktien- und Rentenmärkten des Tages beigetragen haben. Mit Blick auf die Aktien stellt sich allerdings die Frage, wie stark sich die wirtschaftliche Dynamik abschwächen und damit die Gewinnentwicklung der Unternehmen dämpfen wird. Denn nur bei deutlich steigenden Gewinnen wären die Aktien wirklich günstig. Die Selektion der Einzelwerte scheint ratsam zu sein, zumal die Börsen technisch angeschlagen sind.

Auf der anderen Seite hatten die Rentenmärkte weitere Zinserhöhungen erwartet und dürften nun - sollten sie denn bald nicht mehr weiter steigen - zumindest in Amerika ein gewisses Erholungspotential haben. Mit Blick auf die Währungen könnte dem amerikanischen Dollar bald die Zins- und damit die Kursphantasie ausgehen. Aufgrund der strukturellen Defizite des Landes gibt es einige Gründe, die gegen den Dollar sprechen.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob die amerikanische Zentralbank bei ihrer Geldpolitik auf die richtigen Indikatoren blickt. Denn möglicherweise treibt nicht nur die starke Nachfrage die Preise für Rohstoffe nach oben und erodiert auf diese Weise die verfügbaren Einkommen der Konsumenten und die Gewinne der Unternehmen, sondern möglicherweise spielen auch übergroße Geldmengen dabei eine Rolle. Sie wirken auf diese Weise inflationär. Steigende Vermögenspreise würden für eine restriktivere Geldpolitik weltweit sprechen.

Sollten die Zentralbanken nicht restriktiv genug werden, dürften sie weiter steigen. Diese Entwicklung dürfte sich vor allem an den Edelmetallmärkten zeigen. Denn sie gelten langfristig als zuverlässige Indikatoren für eine verdeckt inflationäre Geldpolitik, da Anleger zunehmend auf Realwerte setzen würden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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