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Strategie Amerikanische Wachstumsschwäche: Koppeln sich Europa und Asien ab?

03.11.2006 ·  Kann sich die Weltkonjunktur von einer amerikanischen Wachstumsschwäche abkoppeln? Manche Strategen gehen davon aus. Es gibt jedoch einige Argumente, die dagegen sprechen. Mit entsprechenden Konsequenzen, auch für die Anleger.

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Die amerikanische Konjunktur verliert deutlich an Dynamik. Diese Entwicklung dürfte nach den jüngsten Konjunkturdaten kaum noch jemand ernsthaft bestreiten wollen. Vermutlich werden einige der vorläufigen Wachstumszahlen noch deutlich nach unten revidiert werden müssen.

Während die internationalen Rentenmärkte diese Entwicklung schon längst vorweggenommen haben, scheinen die Börsianer sie einfach nicht wahrhaben zu wollen. Sie rechnen offensichtlich mit einem anhaltend hohen Wachstum weltweit und mit hohen Unternehmensgewinnen.

Dabei haben in den vergangenen Wochen einige Unternehmen der realen Wirtschaft schon mit Umsatz- und Gewinnwarnungen und verhaltenen Ausblicken auf die weitere Entwicklung überrascht. Lediglich die Unternehmen der Finanzbranche scheinen nach wie vor zu florieren. Das dürfte kaum verwundern, angesichts der anhaltend tiefen Zinsen, der florierenden Börsen und der guten Geschäfte mit Börsengängen, Übernahmen und Fusionen.

Die entscheidende Frage ist jedoch, wie stark sich eine Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivitäten in den Vereinigten Staaten auf den Rest der Welt auswirken würde. Immerhin sind die Amerikaner so etwas wie Importweltmeister und führen massenweise Waren aus Asien und anderen Teilen der Welt ein. In jüngster Zeit kam zwar die so genannte Abkoppelungstheorie auf. Sie besagt, eine konjunkturelle Schwäche in Amerika werde ausgeglichen werden durch die dynamische Entwicklung in Europa und Asien und sei aus diesem Grund nicht sonderlich tragisch.

Zweifel an der „Abkoppelungsthese“

Die traditionelle Auffassung darüber, welche globalen Auswirkungen eine konjunkturelle Verlangsamung in den Vereinigte Staaten hat, wird zunehmend in Frage gestellt. Zum Beispiel von Steven Roach von Morgan Stanley. Er denkt, die Inlandsnachfragen in Europa und Asien seien nicht ausgeprägt genug, um den globalen Konjunkturboom selbstständig zu „befeuern“. Gleichzeitig sei auch der „Exportmix“ nicht diversifiziert genug, um mit Blick auf die amerikanischen NAFTA-Partner, Asien und den Rohstoffkomplex eine Nachfrageschwäche in den Vereinigten Staaten ausgleichen zu können. Zudem befänden sich die betrachteten Regionen nicht in der Position, unabhängige Geld- , Fiskal- und auch Währungspolitiken zu verfolgen. Aus diesen Gründen seien die Wachstumsrisiken nach unten verzerrt.

Diese These wird zumindest zum Teil auch gestützt von einer Analyse der Deutschen Bank. Ein erster Blick auf die Daten zeige, daß das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern und in Japan tatsächlich keine enge Beziehung zum amerikanische Wachstum aufwiesen. Dagegen verlaufe die Konjunktur in Euroland weitgehend parallel zu derjenigen in den Vereinigte Staaten. Das führe zur Gefahr, daß die Märkte und mit ihr auch die Europäische Zentralbank von der Schwäche des Wachstums in Europa überrascht werden könnten.

Zieht man in diese Überlegungen das Bemühen der chinesischen Administration mit ein, das Wachstum im Lande zu dämpfen - das Land hat am Freitag zum dritten Mal in diesem Jahr die Mindestreserveanforderung an die Finanzinstitute auf zuletzt neun Prozent erhöht -, so dürfte das Bild rund werden. Denn die aufgrund der Handelsungleichgewichte und zu unflexiblen Wechselkursen auflaufenden Währungsreserven - sie haben in den vergangenen Tagen ein Rekordniveau von mehr als einer Billion Dollar erreicht - drohen nicht nur das Land, sondern auch die internationalen Finanz- und Rohstoffmärkte mit Liquidität zu überschwemmen.

Insgesamt dürfte die „Abkoppelungsthese“ kritisch betrachtet werden müssen. Konsequenz: Die Wachstums- und Gewinnerwartungen der Börsianer wären zu optimistisch. Sollten sie nach unten angepaßt werden müssen, hätten die Börsen einen schweren Stand.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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