Home
http://www.faz.net/-gvf-weo3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Steuerkritiker Franz Konz im Gespräch „Der Staat beraubt seine Bürger“

 ·  Millionen Deutsche nutzen seine „1000 ganz legalen Steuertricks“ zum Sparen. Im Interview mit FAZ.NET sagt Fachbuchautor Franz Konz, warum Steuerhinterziehung ein verständliches Vergehen ist und was die Steuerfahndung morgens um sechs Uhr bei ihm angerichtet hat.

Artikel Bilder (2) Video (1) Lesermeinungen (32)

Im Buchhandel findet sich eine Palette von Ratgebern zum Thema Steuernsparen. Seit der Steueraffäre hat dieser Begriff freilich einen faden Beigeschmack erhalten. Franz Konz ficht das nicht an. Seine „legalen Steuertricks“ gehören seit zwei Jahrzehnten mit einer Auflange von inzwischen rund acht Millionen Stück zu den Bestsellern des Genres. Der 81 Jahre alte frühere Steuerinspektor schreibt unverdrossen gegen die - nach seiner Ansicht - „Raffgier“ des Staates an. Im Interview mit FAZ.NET sagt er, warum Steuerhinterziehung ein verständliches Vergehen ist und was die Steuerfahndung um sechs Uhr frühmorgens bei ihm angerichtet hat.

Herr Konz, mit dem Bestseller „1000 ganz legale Steuertricks“ empfehlen Sie sich den Deutschen seit 20 Jahren als Cheftrickser in Sachen Steuern. Haben Sie nicht Sorge, dass die Steuerfahnder einmal vor Ihrer Tür stehen könnten?

Die waren schon da, und das nicht nur einmal, sondern gleich dreimal.

Wie lief das ab? Mit einem Klingeln um sieben Uhr morgens wie bei Klaus Zumwinkel?

Die kamen nicht um sieben, sondern schon um sechs. Und verhielten sich nicht so vornehm wie in der Villa Zumwinkel. Vielmehr haben sie wie wahnsinnig gegen die Tür gepoltert und geschrieen: „Steuerfahndung, öffnen Sie sofort!“

Was Sie auch umgehend taten?

Ich schlafe nackt, musste mich also erst mal anziehen, während mir der Schreck noch in den Gliedern steckte. Dann stürmten zwei Polizeibeamte und drei Steuerfahnder nach oben, nahmen die Schränke auseinander, die ganze Wäsche fiel heraus, und sie warfen alles, was sie fanden, auf einen Haufen. Zwischendurch klopften sie ihre Zigaretten darauf ab – da kann man hundertmal sagen, bitte, ich bin Nichtraucher.

Solche Methoden sind doch wohl eher die Ausnahme.

In Bayern sind die Methoden noch rabiater: In einem Fall, der mir bekannt ist, stemmten Fahnder den Holzdielenboden mit einem Brecheisen auf. Es könnte sich darunter ja eine versteckte Buchführung befinden.

Was sucht die Steuerfahndung bei Ihnen? Hinweise auf Liechtensteiner Stiftungen?

Ich werde als Steuerzahler hierzulande verfolgt wie kein anderer. Der Staat sieht mich als Staatsfeind Nummer eins an – obwohl ich die Steuertricks auch für die Beamten schreibe. Die können sich auch was verdienen. Bei mir stört sich der Fiskus vor allem daran, dass ich vor Jahren einen Verein gegründet habe, den „Bund für Gesundheit“ mit inzwischen 10.000 Mitgliedern. Mit diesem Bund will ich die Naturheilkunde und die Gesundheit der Menschen fördern. Damit ist der Verein ganz klar gemeinnützig und von der Steuer befreit.

Das Finanzamt sieht das anders?

Der Staat, in diesem Fall das Finanzamt Bergisch Gladbach, kommt ständig mit anderen Argumentationen, um meinem Verein die Gemeinnützigkeit zu versagen. Ich wundere mich schon selber, dass ich noch immer gute Laune habe.

Sie verdienen Ihr Geld mit Steuertricks. Ist das nach Zumwinkel noch politisch korrekt?

Politisch korrekt? Das interessiert mich nicht, bei dem, was sich Politiker heute leisten. Tatsache ist doch inzwischen: Der Staat schürt Angst. Der Staat trickst. Und der Staat vergeht sich an seinen eigenen Gesetzen.

Inwiefern?

Schauen Sie sich den Fall Zumwinkel an. Grundsätzlich muss das Steuergeheimnis gewahrt bleiben. Wenn nicht, verstößt das gegen die Abgabenordnung, Paragraph 30. Und der Staat verstößt gegen das Strafgesetzbuch, indem er eine verdienstvolle Persönlichkeit an den Pranger stellt und vorverurteilt – bevor überhaupt ein deutsches Gericht diesen Mann verurteilt hat. Da nimmt der Staat keine Rücksicht. Nur mit dem Ziel, von anderen Bürgern noch mehr Geld herauszupressen, weil die ein schlechtes Gewissen haben. Dabei sollte das schlechte Gewissen auf Seiten des Staates sein. Die Regierungspartei CDU vergisst, dass sie jahrzehntelang mit Hilfe liechtensteinischer Banken ihre Schwarzgelder weißgewaschen hat. Jetzt geht man hin und will Liechtenstein erpressen, einen kleinen demokratischen Staat . . .

. . . dem nicht nur Deutschland unfairen Steuerwettbewerb vorwirft . . .

. . . wo wir alle froh sein sollten, dass es noch einen Staat gibt, der so wirtschaftet, dass er den Nachkommen keinen Schuldenberg aufbürdet. Auf der anderen Seite nimmt sich Deutschland eines Diebes und Verräters an und bezahlt für dessen Vermögenslisten ein paar Millionen. Das ist Hehlerei und eines Staates unwürdig. Wie heißt es doch: Der größte Lump im ganzen Land – das ist der Denunziant.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
  Weitersagen Kommentieren (0) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
An der Schweizer Grenze Auf der Jagd nach den Steuersündern

Deutsche Steuersünder sind unruhig geworden. Sie holen ihr Geld heimlich aus der Schweiz zurück. An der Grenze wartet der Zoll mit Spürhunden. Mehr

12.04.2014, 16:34 Uhr | Finanzen
Firmen parken Geld im Ausland Steuertricks für 2,1 Billionen Dollar

Amerikanische Unternehmen müssen im Ausland erzielte Gewinne nur dann versteuern, wenn sie diese in die Vereinigten Staaten zurückbringen. Viele parken ihr Geld deshalb in Übersee. Mehr

09.04.2014, 14:22 Uhr | Wirtschaft
Cannabis als Medikament Ein Joint macht die Muskeln locker

Ingrid Wunn nutzt Cannabis, um die Folgen einer unheilbaren Krankheit zu lindern. Ihr Arzt findet das gut. Sie selbst setzt sich für eine generelle Freigabe des berauschenden Krauts ein. Mehr

06.04.2014, 10:23 Uhr | Rhein-Main

03.03.2008, 14:24 Uhr

Weitersagen
 
Name Performance 1 Jahr
 
 
 
 
 
 
Wertpapiersuche