04.09.2010 · Die deutschen Fluggesellschaften werden die neue Luftverkehrssteuer nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung voll an die Kunden weitergeben - allerdings zu unterschiedlichen Zeitpunkten.
Von Dyrk ScherffWer im nächsten Jahr fliegen will, sollte jetzt schnell buchen. Denn noch gibt es bei einigen Airlines Tickets für 2011 ohne die neue Luftverkehrsteuer, die die Bundesregierung am Mittwoch beschlossen hat. Sie belastet die Kunden künftig je Flug in und ab Deutschland und unabhängig von der Buchungsklasse mit 8, 25 oder 45 Euro - je nach Reiseziel. Flüge nach Deutschland und Transitflüge über Deutschland sind nicht betroffen.
Eine Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zeigt: Die deutschen Fluggesellschaften werden die neue Steuer voll an die Kunden weitergeben, aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Die Billigflieger Ryanair und Easyjet planen das nur zum Teil. Eigentlich sollte die neue Steuer schon seit Mittwoch auf alle Buchungen für Flüge im nächsten Jahr erhoben werden. Die Lufthansa schaffte das technisch erst am Samstag. Wer vorher buchte, hatte Glück. Aber ein Lufthansa-Sprecher warnte: "Ob wir die entgangenen Steuern nachträglich noch vom Kunden einfordern, wird juristisch überprüft." Andere wie Air Berlin oder Condor hoffen, dass das Gesetz im Bundesrat scheitert. Sie wollen die Gebühr erst erheben, wenn sie - voraussichtlich im November - endgültig beschlossen ist. TUIfly arbeitet noch an der Umstellung des Buchungssystems.
Ryanair gibt die Steuer hingegen seit Mittwoch in voller Höhe an die Kunden weiter, wenn es um reguläre Tickets geht. Die günstigen Sonderangebote, die alle Steuern enthalten, werden hingegen nicht verteuert. Sie dürften aber in Deutschland seltener angeboten werden, deutete eine Sprecherin an. Auch dürfte Ryanair Flüge streichen, wenn sich herausstellt, dass die Passagierzahlen wegen der neuen Steuer sinken. Und davon gehen die Billig-Airlines aus. Für deren Kunden sind 19 Euro mehr für einen innerdeutschen und 8 Euro für einen Europaflug ein Grund, nicht zu fliegen. Schließlich kostet ein Hin- und Rückflug etwa bei Ryanair nur 70 Euro.
Konkurrent Easyjet gibt die Luftverkehrsabgabe daher nicht immer voll weiter. "Wir entscheiden je nach Strecke und Flugzeitpunkt, ob und wie viel wir dem Passagier in Rechnung stellen", sagte der Sprecher der britischen Billiglinie. So dürften Flüge an den verkehrsarmen Tagen Dienstag und Mittwoch und in den schwachen Monaten November und Februar eher seltener mit der Steuer belastet werden, um die Kunden nicht zu vertreiben, deutete der Sprecher an. "Bei einer Marge von zwei bis drei Euro pro Ticket ist unser Spielraum dafür jedoch auch nicht groß", betonte der Sprecher.
Die Möglichkeiten für Passagiere, die Steuer zu umgehen, sind beschränkt. Für süddeutsche Städte wie Freiburg oder Ulm wird der Flughafen in Zürich interessant, für das grenznahe Nordrhein-Westfalen Brüssel und Amsterdam. Aber nur für Langstreckenflüge. Schon die Kölner und Düsseldorfer sparen bei einer Anreise mit der Bahn nichts, wenn sie zu diesen Flughäfen reisen.
Innerhalb Deutschlands wird die Bahn attraktiver. Da das billigste Ticket der Lufthansa für 2011 derzeit nicht mehr 99 Euro, sondern durch die neue Steuer 119 Euro kostet, sind Fernstrecken wie Frankfurt-Hamburg oder Berlin-Köln im Zug auch ohne Sonderangebote künftig günstiger als die Lufthansa, wenn die Reisenden eine Bahncard 50 haben. Für kürzere Strecken gilt das sowieso. Wenn da nicht die Billigflieger wären, die auch künftig mit Steuern unter vielen Bahnpreisen liegen.
Dyrk Scherff Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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