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Starinvestor Mark Mobius „Jeder muss sein Geld in Schwellenländern anlegen“

Mark Mobius, Fondsmanager bei Templeton, über die Stärken der chinesischen Firmen, Chancen in Botswana und warum er gerne in Diktaturen investiert.

© Rosenkranz, Henner Vergrößern Heute Botswana, morgen Brasilien: An 250 Tagen im Jahr reist Templeton-Fondsmanager Mark Mobius auf der Suche nach neuen Investmentchancen durch die Welt.

Herr Mobius, kein Investor kennt die Schwellenländer so lange wie Sie: Seit 40 Jahren legen Sie dort Geld an. Welche Länder zählen derzeit zu Ihren Favoriten?

Bei der Auswahl lasse ich mich vor allem von einer Frage leiten: Wo auf dieser Welt gibt es noch Wachstum - und wo nicht? In den Vereinigten Staaten? Vergessen Sie’s. In Westeuropa? Da können Sie lange suchen. Nein, bei mir stehen andere Nationen auf der Liste: China, Brasilien und Indien natürlich, aber auch Vietnam und Kasachstan sowie afrikanische Staaten wie Nigeria und Kenia. Dort ist das Wachstum, dort ist die Zukunft.

Mit Verlaub: Wie wollen Sie Anleger denn bitte von einer solch wilden Mischung überzeugen?

Ich weiß, dass besonders die Deutschen da skeptisch sind. Aber mal ehrlich: Schauen Sie doch nur, in welche Länder die deutschen Unternehmen ihre Waren verkaufen und in welche Regionen sie investieren. Ich reise häufig durch China und stelle dort immer wieder fest: Ob es sich nun um Aufzüge handelt oder um Maschinen - die Ausstattung vieler chinesischer Firmen kommt größtenteils aus Deutschland. Das gilt übrigens für zahlreiche Länder in Asien und zeigt: Deutschlands Firmen wissen genau, wie sie von der Stärke der Schwellenländer profitieren können. Daran sollten sich deutsche Anleger ein Beispiel nehmen.

Wenn die deutschen Firmen dies so gut machen, könnten Anleger genauso gut deren Aktien kaufen.

Sicher, das klingt einleuchtend. Trotzdem reicht es aus meiner Sicht längst nicht aus. Ich wiederhole mich: Aufs Wachstum kommt es an! Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass viele chinesische Hersteller auf längere Sicht stärker dazugewinnen werden als deutsche Firmen. Und zwar einfach deswegen, weil die Chinesen ihre Gewinne größtenteils in Schwellenländern erzielen, die Deutschen aber immer noch mehrheitlich in Europa und Amerika - und da ist das Wachstum nun einmal schwach.

Wie stark sollten Anleger denn Ihrer Meinung nach auf die aufstrebenden Märkte setzen?

Das mag Ihnen absurd erscheinen: Aber mit meinem eigenen Geld bin ich zu hundert Prozent dort investiert. Nun kann man dies nicht jedem Anleger empfehlen. Aber jeder muss sein Geld in den Schwellenländern anlegen - mindestens 35 Prozent des eigenen Vermögens sollte in die Aktien fließen. Denn genau diese 35 Prozent bringen Unternehmen aus den aufstrebenden Staaten auf die Waage, wenn man ihren Anteil am Börsenwert aller Firmen der Welt ausrechnet. Wer weniger investiert, lässt sich also große Chancen entgehen.

Sie sprechen immer nur von Chancen. Die Risiken sind Ihnen egal?

Natürlich nicht. Aber es ist doch so: Die Chancen überwiegen bei weitem. Die Schwellenländer erzielen wegen ihrer jungen Bevölkerung ja nicht nur hohe Wachstumsraten. Auch ihre Schuldenlast ist viel geringer: Die Quote liegt bei 35 Prozent der Wirtschaftsleistung, die Industriestaaten kommen im Schnitt auf mehr als hundert Prozent. Gemessen an diesem Schuldenberg, sind viele Risiken in den Schwellenländern nachrangig.

Trotzdem: Vielerorts herrscht Korruption, oft sind politische Unruhen an der Tagesordnung. Wie gehen Sie damit um?

Indem wir den einzigen Weg einschlagen, auf dem ein Investor solche Schwierigkeiten minimieren kann: Wir wählen die Firmen, in die wir investieren, mit allerhöchster Sorgfalt aus.

Das wird jeder Fondsmanager von sich behaupten.

Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Ich bin in der vergangenen Woche zum ersten Mal nach Botswana gereist und war, um ehrlich zu sein, vor dem Abflug ziemlich skeptisch. Dann aber landete ich in der Hauptstadt Gaborone und stellte fest: Der Flughafen war runderneuert und überall in der Stadt wurde mit vollem Einsatz gebaut - es herrschte eine enorme Aufbruchsstimmung. Das war auch so bei der Firma, die wir im Anschluss daran besucht haben - die haben ihre Produkte mit Verve präsentiert. Danach war ich aber noch einmal in einem lokalen Supermarkt und habe gesehen: Die Waren befanden sich im letzten Winkel des Marktes. Fazit: Das Land ist vielversprechend, aber diese Firma eben nicht. Auch wenn es simpel klingt: Beim Investieren ist nichts so wichtig wie die eigene Anschauung. Darum reise ich auch so viel.

Sie sind 250 Tage im Jahr unterwegs. Woran machen Sie abseits der offiziellen Statistiken den Zustand eines Landes fest?

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Veröffentlicht: 05.02.2013, 11:15 Uhr

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