Die über weite Teile hochverschuldete westliche Welt richtet begierliche Blicke auf die Staatsfonds aus dem Mittleren Osten und Asien. Dank sprudelnder Öleinnahmen und dank hoher Exportüberschüsse verfügen die Staatsfonds von Abu Dhabi, Qatar, Kuweit und Oman im Nahen Osten, die Chinas und Singapurs in Asien und der norwegische Ölfonds in Europa über stetig steigende Zuflüsse. Großbritannien ist daher sicher nicht das einzige Land, das darauf hofft, dass ihm ein Staatsfonds seine Beteiligung an Banken abnimmt. Daneben buhlen auch deutsche Industrieunternehmen wie Daimler und Siemens um Investoren aus dem Nahen Osten.
Doch Investmentbanker, die Käufer und Verkäufer zusammenbringen sollen, sind vorsichtig. Sie schätzen die Lenker der Staatsfonds, die Vertraute der oft undemokratisch regierenden Herrscherfamilien sein müssen, so ein, dass sie folgende Schlüsse aus ihren Investments in der Finanzkrise gezogen haben: Vorsichtig sein, nicht zu früh einsteigen und sich bewusst sein, dass sie mit ihrem vielen Geld Gelegenheiten nutzen können, die andere, wie die oft unter Mittelabflüssen leidenden Aktienfonds, nicht haben.
Fachleute trauen dem Fonds von Qatar das größte Wachstum zu
5 Billionen Dollar stecken in Staatsfonds - doppelt so viel wie in Hedgefonds und ein Zehntel dessen, was Pensionsfonds anzulegen haben. In jüngster Zeit haben auch Länder wie Russland und Kasachstan nennenswerte Mittel von 142 und 39 Milliarden Dollar aus Rohstofferlösen aus dem Haushalt in Fonds verschoben, um sie anzulegen. Der größte Staatsfonds ist der 1976 aufgelegte ADIA vom Emirat Abu Dhabi, der 45 bis 70 Prozent seiner Fondsmittel von zuletzt 627 Milliarden Dollar in Unternehmen investiert, darunter auch Beteiligungsgesellschaften wie Apollo und Carlyle.
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Harrods gehört zu 100 Prozent den Qataris
Dank der im Emirat Qatar vorhandenen zweitgrößten Gasvorkommen der Welt, die jetzt auch mit Flüssiggasanlagen exportierbar gemacht werden, trauen Fachleute dem Fonds von Qatar in den kommenden Jahren das größte Wachstum zu. Allerdings werden die Investmententscheidungen offenbar stark von der Herrscherfamilie beeinflusst, die auf Prestige achtet.
So besitzt Qatar den arabischen Fernsehsender Al Dschazira und wirbt auf den Trikots der Fußballer des FC Barcelona. In der Qatar Investment Authority (QIA), dem Anlagevehikel des Emirats, stecken 85 Milliarden Dollar. Ihr gehört das traditionsreiche britische Kaufhaus Harrods. 1 Milliarde Dollar investierte QIA seit 2010 auch in griechische Banken wie National Bank of Greece. Traditionell eng sind die Beziehungen zur Credit Suisse. Die QIA besitzt nicht nur 6 Prozent an der Schweizer Bank, sondern kaufte ihr auch Ende Januar die Zentrale in London ab. In Deutschland besitzt QIA 17 Prozent an Volkswagen und einen Anteil an Hochtief. Das Emirat Kuweit ist mit seinem 296 Milliarden Dollar großen Investmentvehikel KIA in Deutschland mit 7 Prozent an Daimler und 8,3 Prozent an Gea beteiligt.
Zweistellige Milliardenbeträge benötigt
Neben ADIA hat Abu Dhabi weitere Fonds wie International Petroleum Company (18 Milliarden Dollar) und die Entwicklungsgesellschaft Mubala (13 Milliarden Dollar), die sich über die Ausgabe von Anleihen finanziert. In Deutschland sind sie auch aktiv. Gemeinsam mit Macquarie und Meag hat Abu Dhabi gerade von Eon das deutsche Gasnetz gekauft. Zudem interessieren sich Fonds aus Abu Dhabi für erneuerbare Energien, um die Abhängigkeit vom Öl abzubauen. Auch in Banken hat ADIA schon investiert: 2007 aus eher politischen Gründen in die amerikanische Citigroup, später für kurze Zeit in Barclays. Auf dem Höhepunkt der Krise wurden Abu Dhabi Sonderkonditionen zum Einstieg in die britische Bank gewährt, die einen schnellen Gewinn ermöglichten.
Auf solche Gelegenheiten warten Ölscheichs womöglich jetzt wieder. Aber in Spanien, etwa zur Rettung von Bankia, werden zweistellige Milliardenbeträge benötigt, die selbst ein Staatsfonds nicht so ohne weiteres auf der hohen Kante hat.