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Staatsanleihen "Großbritannien könnte das nächste Griechenland werden"

24.02.2010 ·  Die Fondsgesellschaft DWS betont auf ihrer Jahrespressekonferenz die Folgen hoher Staatsschulden für die Finanzmärkte, kennt keine Inflationssorgen und sieht Dividendenwerte im Vorteil.

Von Alexander Armbruster
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Die hohe Staatsverschuldung vieler Industrieländer wird nach Einschätzung der Fondsgesellschaft DWS ein beherrschendes Thema auf den Finanzmärkten bleiben. „England wird in den kommenden Monaten so ähnlich gesehen werden wie Griechenland“, sagte Asoka Wöhrmann, für Anleihemärkte auf der ganzen Welt zuständiger Geschäftsführer der Fondsgesellschaft, die zur Deutschen Bank gehört, auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt.

Wenn die Nachrichten über Griechenland, das seine Staatsfinanzen jahrelang geschönt hat, abflauen, werde als Nächstes Großbritannien in den Fokus der Akteure geraten. Wöhrmann verwies darauf, dass Großbritannien infolge der Finanzkrise prozentual deutlich mehr neue Schulden machte als andere Industrieländer. So verdoppelte sich die britische Verschuldung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, nahezu, während die Verschuldung in Italien um rund 20 Prozent und diejenige der Vereinigten Staaten um rund 50 Prozent zulegte (siehe Infografik).

Konsolidierung & Wachstum

Griechenland musste aufgrund der Sorgen, die sich viele Marktakteure über seine Zahlungsfähigkeit machen, für seine zuletzt aufgenommenen neuen Schulden deutlich mehr Zinsen zahlen als in den Jahren zuvor. Gleiches könnte demzufolge auch dem Vereinigten Königreich drohen - dieses Thema könnte nach Ansicht Wöhrmanns schon in wenigen Monaten an die Stelle Griechenlands treten mit ähnlichen Folgen.

Einziger Ausweg sowohl für Griechenland und Großbritannien als auch für die übrigen hochverschuldeten Staaten sei eine Kombination aus weniger Staatsausgaben und mehr Wirtschaftswachstum. Gerade aus geringeren Staatsschulden entstünden Chancen für Anleger an den Finanzmärkten. Denn der Prozess des Schuldenabbaus sollte für sich genommen disinflationär wirken und den Zentralbanken eine weiterhin expansive Geldpolitik ermöglichen.

Keine Inflationssorgen

Die Notenbanken brauchen sich aus der Sicht Wöhrmanns im Moment keine Sorgen über Inflation zu machen: „Eine nachfrageinduzierte Inflation ist aufgrund der hohen Reservekapazitäten derzeit unwahrscheinlich; eine Kostendruckinflation ist wegen der fallenden Beschäftigungszahlen, die auch die Lohnkosteninflation im Rahmen halten, in den Vereinigten Staaten und in Europa nicht zu erwarten.“

Zumal an den Aktienmärkten seien aber auch bei einer anhaltend expansiven Geldpolitik nicht die gleichen großen Kurssteigerungen zu erwarten wie im vergangenen Jahr. „Von den beispiellosen geld- und fiskalpolitischen Geldspritzen berauscht, haben die Aktienmärkte 2009 weltweit zugelegt; gerade die Kurse von Unternehmen geringer Qualität und hoher Konjunkturanfälligkeit sind ihrem fairen Wert davongeeilt“, sagte Klaus Kaldemorgen, Sprecher und für das Aktienfondsmanagement zuständiger Geschäftsführer der DWS.

Mehr Dividenden- als Zinsertrag

Aus seiner Sicht sollten Anleger in diesem Jahr Anteile an solchen Unternehmen kaufen, die eine hohe Dividende zahlen. „Am Ende werden Aktien auch 2010 höhere Renditen abwerfen als Renten.“ Als Beispiele nannte er die Branchen Telekommunikation und Energie, in denen momentan die Dividendenrenditen im Schnitt über den Renditen liegen, die Anleihen derselben Unternehmen abwerfen. Kaldemorgen prognostizierte für den Deutschen Aktienindex Dax einen Stand von 6500 Punkten am Jahresende, der bereits erreicht werden könnte, wenn einige dividendenstarke defensive Werte zulegten.

Die Erholung vor allem der Aktienmärkte hat sich im vergangenen Jahr auch positiv auf die DWS ausgewirkt. Das verwaltete Fondsvermögen der zur Deutschen Bank gehörenden Gesellschaft stieg nach eigenen Angaben um 12 Prozent auf 108,1 Milliarden Euro. In DWS-Aktienfonds flossen netto knapp sechs Milliarden Euro, so viel wie seit dem Jahr 2005 nicht mehr. Der Mittelzufluss in Rentenfonds betrug 3,4 Milliarden Euro. Aus Geldmarktfonds flossen unter dem Strich 10,7 Milliarden Euro ab, was zu einem Nettomittelabfluss der Kapitalanlagegesellschaft von 1,6 Milliarden Euro führt.

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