06.11.2006 · Die „Rentenlücke“ ist für Anbieter von Geldanlagen zu einem Verkaufsargument geworden. Sie verschweigen aber häufig, daß ihre Produkte mit hohen Kosten belastet sind. Von Vorteil sind da günstige Sparverträge ohne Ausgabeaufschlag.
Die "Rentenlücke" ist für die Anbieter von Geldanlagen zu einem geflügelten Wort geworden. Der Hinweis auf eine reduzierte staatliche Rente und die drohende Unterversorgung im Alter soll die Kunden zum Sparen animieren.
Versicherer, Banken und Fondsgesellschaften verkaufen die passenden Produkte, verschweigen aber häufig, daß diese mit hohen Kosten belastet sind. Manche Lebensversicherer arbeiten mit Abschlußprovisionen von mehr als 6 Prozent der gesamten Einzahlungen; Fondsgesellschaften verlangen nicht selten Ausgabeaufschläge von 5 Prozent. Hinzu kommen jeweils die jährlichen Verwaltungsgebühren. Das bedeutet, daß von 100 eingezahlten Euro nur 95 wirklich angelegt werden und von der jährlichen Rendite ein Teil für die Verwaltung abgezweigt wird. Die Vorsorge für das Alter beginnt also mit einem Rückschlag und wird im weiteren Verlauf gebremst.
Geringe Kosten - bessere Rendite
Inzwischen gibt es aber eine Reihe von günstigeren Produkten, die Privatanlegern zugänglich sind und wegen der geringeren Kosten einen Renditevorsprung ermöglichen. Meist sind sie allerdings mit weniger Beratung verbunden. Der Anleger muß also schon wissen, was er will und welche Risiken er eingehen kann. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich zum Beispiel börsengehandelte Indexfonds und Indexzertifikate. Beide Anlageinstrumente sind Wertpapiere, deren Preis sich fast parallel zu einem Aktien- oder Anleiheindex wie Dax oder Rex entwickelt. Bei diesen passiv verwalteten Produkten, die strikt den Vergleichsindex abbilden, sind keine hochbezahlten Fondsmanager erforderlich. Dadurch liegen die Verwaltungsgebühren weit unter denen normaler Investmentfonds. Mancher Indexfonds auf Staatsanleihen kommt mit jährlichen Gebühren von nur 0,1 Prozent des angelegten Vermögens aus. Indexfonds und Indexzertifikate werden meist für die Einmalanlage genutzt. Es gibt aber auch die Möglichkeit von Sparplänen, also die regelmäßige Einzahlung kleiner Beträge.
Der größte deutsche Anbieter von Indexfonds, die HVB-Tochtergesellschaft Indexchange, organisiert die Sparpläne zum Beispiel über den S-Broker der Sparkassen und die Direktbank Dab. Einen Sparplan auf Indexfonds hat auch Cortal-Consors. Bei der Dab-Bank sind solche Sparpläne ab einem Anlagebetrag von 50 Euro möglich. Bei so niedrigen Beträgen geht allerdings der Vorteil verloren. Denn die Direktbank verlangt für jede Einzahlung unabhängig von der Höhe 2,50 Euro und zusätzlich 0,25 Prozent des angelegten Betrags. Das entspricht bei einer monatlichen Anlage von 50 Euro einem Ausgabeaufschlag von 5,25 Prozent. Der Kostensatz fällt aber schon bei 100 Euro monatlicher Anlage auf 2,75 Prozent und bei 200 Euro auf 1,5 Prozent. Es empfiehlt sich also bei kleinen Beträgen, statt der monatlichen bevorzugt viertel- oder halbjährliche Einzahlungen zu wählen.
Direktversicherer bieten auch im Versicherungsbereich Vorteile
Sparer, die Versicherungsprodukte bevorzugen, müssen auf Kostenvorteile nicht verzichten. So sind die Produkte von Direktversicherern wie Cosmos, Europa, Asstel oder Hannoversche Leben meist günstiger als der Durchschnitt, weil sie keinen aufwendigen Vertriebsapparat brauchen und nur per Telefon, Post oder Internet den Kontakt zu ihren Kunden halten. Besonders niedrig sind die Nebenkosten bei einer Rentenversicherung des britischen Anbieters Legal & General, die auf börsengehandelten Indexfonds basiert und mit einer jährlichen Belastung von nur einem Prozent des angelegten Vermögens auskommt. Ausgabeaufschläge oder Abschlußprovisionen werden nicht verlangt. Die Rentenversicherung hat gegenüber der unmittelbaren Anlage in Indexfonds einen steuerlichen Vorteil. Sofern das angesparte Vermögen im Alter für eine Rente verwendet wird, müssen die Kapitalerträge nicht der Einkommenssteuer unterzogen werden.
Selbst die Anlage in herkömmliche aktiv verwaltete Investmentfonds etablierter Anbieter wie DWS oder Dit ist zu niedrigen Kosten möglich. Eine kleiner Teil ihres Absatzes läuft über Vermittler, die für ihre Beratung Honorare statt der in Deutschland üblichen vom Anlagebetrag abhängigen Provision verlangen. Dieses gute Dutzend Honorar-Vermittler, zum Beispiel Dima-24, Fondsdiscount oder Trigonus, bietet den Kunden einen von Ausgabeaufschlägen befreiten Zugang zu zahlreichen Investmentfonds an. Die Vermittler tun das meist auch dann, wenn der neue Kunde zunächst keine honorarpflichtige Beratung wünscht. Über diesen Umweg können Anleger auch Sparverträge ohne Ausgabeaufschlag vereinbaren und dabei anders als bei Indexfonds und Indexzertifikaten in aktiv verwaltete Fonds investieren. Das hat den Vorteil, daß bei den Investmentfonds professionelle Manager versuchen, mit einer geschickten Anlagestrategie eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen.
Hohe Gebühren
Rolf Adam (rolfopa)
- 07.11.2006, 10:07 Uhr
Sparer frei von der Last hoher Gebühren
Dirk Nieland (talkinghead)
- 08.11.2006, 13:53 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |