Die Schwäche der Banken sorgte in den vergangenen Monaten weltweit für Schlagzeilen. Bisher kamen die spanischen Banken vergleichsweise gut weg.
Das kann sich allerdings nun ändern. Denn die Bank of Spain musste über das Wochenende die erste Bankenrettung seit mehr als 16 Jahren vornehmen.
Caja Castilla-La Mancha muss gerettet werden
Sie hatte am Sonntag bekannt gegeben, die Verbindlichkeiten der Caja Castilla-La Mancha mit neun Milliarden Euro zu garantieren und einen Zwangsverwalter eingesetzt zu haben. Hintergrund ist einerseits ein fehlgeschlagener Übernahmeversuch des Unternehmens, andererseits machen sich immer mehr die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise in Spanien bemerkbar.
Spanien profitierte bis vor wenigen Monaten von einem Kredit finanzierten Immobilienboom. Er wurde unter anderem ausgelöst von der europäischen Währungsunion. Sie hatte im Rahmen des Konvergenzprozesses an den Kapitalmärkten zu zuvor ungewohnt tiefen Zinsen geführt und auf diese Weise Immobilieninvestitionen beflügelt. Die einsetzende Eigendynamik beflügelte die Konjunktur des Landes, sorgte für eine gute Stimmung und verleitete immer mehr In- und Ausländer dazu, bei steigenden Preisen Immobilien zu erwerben.
Inzwischen zeigt sich allerdings die Kehrseite der Medaille. Nachdem die Hauspreise in Spanien im Verhältnis zu den verfügbaren Einkommen noch extremer gestiegen waren als in den Vereinigten Staaten, in Irland oder auch in Großbritannien, befinden sie sich auf dem Weg nach unten. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres fielen sie nach Informationen der Credit Suisse landesweit um 3,2 Prozent. In Madrid gingen sie um 5,1 und in Barcelona sogar um 8,5 Prozent zurück.
In Madrid werden sie nach Schätzungen der Credit Suisse im laufenden Quartal um knapp sieben und in Barcelona sogar um mehr als elf Prozent fallen. Die Preiskorrektur habe erst begonnen, erklären sie. Denn erstens benötige eine spanische Durchschnittsfamilie 7,2 Jahreseinkommen, um sich ein Haus kaufen zu können. Das sei im internationalen Vergleich viel. Gleichzeitig sei der Markt geprägt durch ein Überangebot, das die Preise trotz der aufgrund tiefer Zinsen und gesunkener Rohstoffpreise gestiegenen verfügbaren Einkommen unter Druck setze.
Schwierigkeiten der Banken dürften zunehmen
Gleichzeitig führt die Rezession im Lande zu einer steigenden Arbeitslosigkeit. Lag die Arbeitslosenquote zuletzt bei 14 Prozent, so gehen die Analysten der Credit Suisse davon aus, dass sie in den kommenden Monaten bei einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um drei Prozent die Marke von 20 Prozent übersteigen könne. Zudem rechnen sie mit einer deflationären Entwicklung im spanischen Binnenmarkt. Tatsächlich hat Spanien im März erstmals seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1961 eine negative Jahresveränderungsrate des EU-harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) ausgewiesen. Die Verbraucherpreise unterschritten, gemessen am HVPI, ihr Vorjahresniveau um 0,1 Prozent, wie die Statistikbehörde INE am Montag mitteilte.
Das führt in Kombination dazu, dass Verbraucher, Unternehmen und vor allem auch die Banken immer mehr unter Druck geraten. Die Kreditausfallraten in Spanien haben sich in den vergangenen Monaten verdreifacht. Außerdem vergeben Banken weiterhin stark fremd finanzierte Immobilienkredite, obwohl die Immobilien des Landes noch massiv überbewertet sind. Zudem nutzen sie verkappte „Sale and lease Back-Methoden“, um ihre Kapitalbasis optisch zu verbessern. Dabei bleiben die Risiken in der Regel indirekt in den Büchern der Finanzinstitute stehen.
Dazu kommen Risiken, die aus einem vergleichbar starken Engagement spanischer Institute in Lateinamerika entstehen können. Die dortigen Märkte werden zwar vielfach als robust betrachtet. Die Fiskal-, Liquiditäts- und andere Indikatoren deuteten jedoch auf das Risiko einer raschen Verschlechterung der fundamentalen Daten hin, erklären kritische Beobachter, zum Beispiel Ernesto Talvi vom Centre for the Study of Economic and Social Affairs in Uruguay. Auf dieser Basis dürften Anleger dazu neigen, spanische Werte mit der notwendigen Skepsis zu betrachten - vor allem auch die Finanzwerte.
ist Spanien jetzt amerikanisch
Alexis Schweitzer (alexisschweitzer)
- 30.03.2009, 23:35 Uhr