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Sozialunternehmen : Gutes tun und daran verdienen

Sozialunternehmen haben es sich zur Aufgabe gemacht, überall Menschen zu helfen, wo es nötig ist. Bild: Ananda

Unternehmer lassen sich einiges einfallen, um soziale Probleme zu lösen. An den Erfolgen, die sie mit ihren Projekten erzielen, können auch Anleger teilhaben.

          Die Finanzkrise, die vor zehn Jahren begann, hat nicht nur erschreckende Folgen gehabt, sondern nebenbei auch interessante Erkenntnisse geliefert. Eine davon lautet: Autisten wissen oft früher Bescheid, wo etwas im Argen liegt. Zwar mögen sie im sozialen Umgang und in der Kommunikation beeinträchtigt sein, doch zugleich verfügen sie über einen besonderen Blick für Details und erfassen dadurch eher Schwächen und Fehlerquellen in der Gesamtstruktur. Das hat sich von 2007 an gezeigt, als der Hedgefondsmanager Michael Burry frühzeitig erkannt hat, wie viele faule Kredite es im amerikanischen Immobilienmarkt gibt.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Burry, der das Asperger-Syndrom und damit eine eher milde Variante des Autismus hat, durchforstete Abertausende von sogenannten Subprime-Titeln, in denen Immobilienkredite mit geringer Bonität zu Wertpapieren gebündelt wurden. Wie Burry daraufhin auf den Zusammenbruch am Häusermarkt wettete und damit eine Menge Geld machte, ist in dem Buch „The Big Short“ nachzulesen und im gleichnamigen Film nachzuschauen.

          So ein Coup gelingt selbstverständlich nicht jedem, der an einer solchen Entwicklungsstörung leidet. Aber die außergewöhnlichen analytischen Fähigkeiten, über die Autisten verfügen, sind in der Wirtschaft vielfältig gefragt. So zählen zu den Kunden des IT–Dienstleisters Auticon, der ausschließlich Autisten beschäftigt, sogar eine Reihe von Dax-Unternehmen. Unterstützt wird die Vorzeigefirma Auticon von dem Wagniskapitalgeber Ananda Ventures, einem der beiden größten Gesellschaften, die in sogenannte Sozialunternehmen investieren. Impact Investing nennt sich diese Art, Gutes zu tun und dabei Geld zu verdienen.

          Impact Investing fristet hierzulande noch ein Nischendasein

          Zunehmend achten Anleger darauf, ob die Unternehmen, in die sie ihr Geld stecken, gewisse soziale und ökologische Voraussetzungen erfüllen. So wollen Anleger sich nicht an Konzernen beteiligen, die Waffen herstellen oder mit Alkohol oder Tabak ihr Geld verdienen, die Umwelt schädigen oder ihre Beschäftigten triezen. Nachhaltiges Investieren nennt sich dieser aktuelle Trend, der sich davon unterscheidet, was soziale Unternehmer tun. „Nachhaltiges Investieren ist eher eine Vermeidungsstrategie. Beim Impact Investing handelt man aktiv und unterstützt Dinge“, sagt Johannes Weber, Gründer von Ananda Ventures.

          Sozialunternehmen helfen auch Demenzkranken. Bilderstrecke
          Sozialunternehmen helfen auch Demenzkranken. :

          Das muss man sich allerdings leisten können. In Nachhaltigkeitsfonds oder grüne Projekte, die über Crowdfunding finanziert werden, kann jeder Privatanleger so viel Geld stecken, wie er entbehren kann. Doch um in einen Fonds zu investieren, der Weltverbesserer mit einer pfiffigen Geschäftsidee mit Risikokapital versorgt, braucht es ein Vermögen. Die Investitionssumme beginnt bei 100.000 Euro, bei Ananda ist es sogar eine halbe Million Euro. Das können sich vor allem vermögende Familien und reiche Erben leisten sowie öffentliche Einrichtungen.

          „Je mehr Umsatz, umso mehr soziale Wirkung“

          Während das wirkungsorientierte Investieren, wie Impact Investing auf gut Deutsch heißt, in den Vereinigten Staaten und Großbritannien längst üblich ist, fristet es hierzulande noch ein Nischendasein. Die größte englische Fondsgesellschaft, Bridges, verwaltet allein rund eine halbe Milliarde Pfund. Dagegen sind es in ganz Deutschland nach Schätzungen nicht mehr als 100 Millionen Euro, die Sozialunternehmen zufließen. Was vor allem daran liegt, dass in Deutschland die Meinung vorherrscht, dass es Aufgabe des Staates ist, das Gemeinwohl zu fördern, und Wohlfahrtsverbände ausreichend dazu beitragen, Menschen zu helfen.

          Große Wagniskapitalgeber wie Ananda Ventures oder Bonventure dagegen investieren über ihre Fonds gezielt in Firmen, die ein tragfähiges Geschäftsmodell haben und die Voraussetzungen erfüllen, sich am Markt erfolgreich zu behaupten. Bestenfalls sieht für Weber die Wirkungskette von Sozialunternehmen so aus: „Je mehr Umsatz, umso mehr soziale Wirkung und idealerweise mehr Gewinn.“

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