Home
http://www.faz.net/-gvf-6zfcf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Solarbranche Anlagenotstand bei erneuerbaren Energien

 ·  Heftiger Absturz einer Branche: Investments in den Solarbereich sind kaum noch gefragt. Neben der Windkraft ist dafür auch die Wasserkraft stark im Kommen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)
© dpa Solarmodule in Reih und Glied

Erneuerbare Energien sind das große Thema auf der diesjährigen Hannover-Messe. Doch gleichzeitig haben Anleger weniger Möglichkeiten, sich am Aufbau einer modernen, umweltfreundlichen Energieversorgung zu beteiligen. Sie müssen sich auf andere Anlagen verlegen als in der Vergangenheit. Viele Anleger hatten bisher in Solarwerte investiert. Doch der Absturz dieser Branche an der Börse war ungewöhnlich heftig. Beispiel Q-Cells: Ende 2007 war das Solarunternehmen noch 7,8 Milliarden Euro wert; jetzt sind es 27,7 Millionen Euro. Ähnlich erging es den Anlegern mit Aktien von Solarworld oder Conergy. Geschlossenen Fonds, die in Solarparks investieren, hat die Senkung oder Abschaffung von Einspeisevergütungen in Ländern wie Deutschland, Italien oder Spanien einen existenzbedrohenden Schlag versetzt.

„Beteiligungen an Windparks werden jetzt verstärkt nachgefragt und eignen sich durchaus auch für risikoscheue Anleger“, sagt Markus Lentz, Spezialist für erneuerbare Energien bei der Ratingagentur Scope Analysis in Berlin. Die Einspeisevergütung sei zwar mit rund 8,9 Cent je Kilowattstunde niedriger als sie es zuletzt für Solarstrom war. Aber dafür ist sie auf Sicht der nächsten 20 Jahre gesichert. „Windparks sind eine vernünftige Alternative zu Solar“, urteilt Lentz. Allerdings sollten Anleger auch hier beachten, dass der Betrieb eines Windparks unternehmerischen Risiken unterliegt.

Wasserkraft als Alternative

Auch Wasserkraft eignet sich als Alternative zu Beteiligungen an Solarparks. So vertreiben derzeit - unabhängig voneinander - die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, wie auch der Hamburger Fondsinitiator Aquila Capital jeweils eine geschlossene Beteiligung an Wasserkraftwerken. Der Aquila-Fonds ist überwiegend in der Nordtürkei aktiv, die DWS in Österreich, Skandinavien wie auch in Albanien. Allerdings investieren die Anleger beim DWS-Fonds in einen sogenannten „Blind Pool“. Das bedeutet, dass diese Wasserkraftwerke überwiegend noch nicht gebaut sind. Diese Kraftwerke sind zuletzt stark in die Kritik geraten, weil die zum Teil riesigen Staudämme oft einen brutalen Eingriff in die Natur darstellen. Durch den Drei-Schluchten-Staudamm in China beispielsweise ist ein 600 Kilometer langer See entstanden, der ein Kraftwerk mit einer Leistung von 18200 Megawatt speist. Diesem Vorwurf trägt die DWS Rechnung, indem nur kleinere Projekte gekauft werden mit einer Leistung von maximal 30 Megawatt.

Neben dem unternehmerischen Risiko ist ein Nachteil von geschlossenen Beteiligungen, dass Anleger sich für eine feste Vertragslaufzeit von mehreren Jahren binden und oft nur mit relativ hohen Beträgen investieren können. Beim DWS Access Wasserkraft liegt die Eintrittshürde bei 25000 Euro. Das bedeutet, dass solche geschlossene Beteiligungen in der Regel nur für Anleger Sinn machen, die ein viel größeres Vermögen besitzen. Nicht nur geschlossene Beteiligungen an Solarparks werden nach dem Wegfall der Subventionen in vielen europäischen Ländern aus der Produktpalette der Fondsinitiatoren verschwinden. Dieses Schicksal erlitten zuvor schon Beteiligungen an Biogasanlagen. Auch bei Geothermie, der Nutzung von Erdwärme zur Stromerzeugung, haben sich geschlossene Beteiligungen nicht durchgesetzt. Zu ungewiss sind noch die Erkundung und die Erschließung der Vorkommen. Dabei nutzen Länder wie China oder Schweden diese Energieform schon relativ stark.

Gestiegene Chancen

Geothermie werde für Fondsinitiatoren erst dann ein Thema, wenn diese Technik ausgereifter sei, glaubt Lentz. Auch bei Solarparks könnte es in Zukunft durchaus geschlossene Beteiligungen geben, an Standorten, an denen sich Solarstrom auch ohne staatlich garantierte Mindestpreise rechne. Vielleicht kommt ja im Rahmen von Desertec, dem Projekt zur Erzeugung von Solarstrom in der Sahara, eines Tages der eine oder andere Fonds auf den Markt. Die Chancen, dass es bei diesem Projekt vorangeht, sind zuletzt gestiegen, seitdem die Desertec Foundation, eine gemeinnützige Stiftung, und die Desertec Industrial Initiative (DII) offenbar wieder an einem Strang ziehen. Die Investitionen für dieses Projekt werden zig Milliarden Euro betragen. Allein der Bau einer ersten Anlage der DII in Marokko mit einer geplanten Leistung von 500 Megawatt wird schätzungsweise 2 Milliarden Euro kosten.

Anleger, die flexibel bleiben wollen und deshalb eine Geldanlage in einen geschlossenen Fonds scheuen, können auch in Zertifikate oder Aktienfonds investieren. Verschiedene Fondsgesellschaften haben Fonds aufgelegt, die in neue Energien investieren, wie die amerikanische Fondsgesellschaft Blackrock mit dem New Energy Fund, die DWS mit dem Clean Tech, die schweizerische Vermögensverwaltung SAM mit dem Smart Energy oder Vontobel mit dem New Power. All diesen Fonds ist gemeinsam, dass sie international investieren und so vom Niedergang der deutschen Solarbranche in der Regel nicht getroffen werden.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen
Fonds Top & Flops
Name Performance 1 Jahr
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wertpapiersuche