01.12.2008 · Der Enthusiasmus im Sommer war groß. Die Zertifikatebranche hatte ein Thema gefunden, mit dem sie die Anleger zum Zertifikatekauf anregen konnte: Inflation. Angesichts deutlich sinkender Preissteigerungsraten verlieren die Produkte aber an Wert, andere Anlageformen versprechen bessere Rendite.
Von Daniel MohrDer Enthusiasmus im Sommer war groß. Endlich hatte die Zertifikatebranche ein Thema gefunden, mit dem sie die etwas müden Anleger zum Kauf bewegen konnte: Inflation. Mehr als eine Milliarde Euro lockten die Anbieter mit ihrer Werbung „Von der Inflation profitieren“ und „Wenn die Inflation Fahrt aufnimmt, klettern Ihre Zinsen“, in Inflationszertifikate: Produkte, deren Rendite um so höher ausfällt, je stärker die Preise steigen.
Was im Sommer angesichts von Rekordpreisen an den Tankstellen gut klang, hat sich bislang jedoch als Missgriff für den Käufer erwiesen. Da die Inflationsraten nicht mehr steigen, sondern sinken, steigt eben auch nicht die Rendite der Geldanlage, sondern nimmt zusehends ab.
Jahresrendite von gut 6 Prozent
Die Zertifikate sind daraufhin teilweise deutlich im Wert gefallen. Dies spiegelt zudem die Erwartung wider, dass die rückläufigen Inflationsraten kein Phänomen von nur wenigen Monaten sein dürfte, sondern zumindest bis weit in das nächste Jahr hineinreichen könnten. So kostet das „Hyper Inflation Garantie Zertifikat“ von Morgan Stanley (WKN MS0JY6) nur noch gut 82 Euro.
Zu seiner Auflage Anfang September waren es noch 100 Euro. Wer das Zertifikat nun kauft und bis September 2011 behält, gewinnt damit schon mal in jedem Falle - es sei denn, der Emittent würde insolvent. Die Auszahlung beträgt im September 2011 nämlich mindestens 100 Euro je Zertifikat.
Eine positive Rendite soll dem Zertifikat durch hohe Inflationsraten erwachsen. Sobald diese in der Summe mehr als 6 Prozent in den drei Jahren der Zertifikatslaufzeit beträgt, steigt der Auszahlungsbetrag auf mehr als 100 Euro. Sind es zum Beispiel 9 Prozent, also rund 3 Prozent im Jahr, bekommt der Anleger im September 2011 gut 119 Euro je Zertifikat. Die Anleger der ersten Stunde würden damit eine Jahresrendite von gut 6 Prozent im Jahr erzielen.
Negative Inflationsraten im Jahresvergleich
Danach sieht es aber derzeit nicht aus. Grundlage ist der harmonisierte Verbraucherpreisindex in 15 Euro-Ländern ohne die Preisentwicklung von Tabakprodukten. Nach Inflationsraten im Jahresvergleich von rund 4 Prozent im Juni, Juli und August ist der entsprechende Wert im November auf gut 2 Prozent zurückgegangen. Im Monatsvergleich stagnieren die Preise seit Juli oder gehen sogar zurück. Dieses Szenario erwarten die Experten auch für die nächsten Monate - allein schon wegen des Basiseffektes.
Kostet zum Beispiel ein Barrel Öl (159 Liter) im nächsten Juli wieder rund 140 Dollar, dürfte diese Komponente, die in zahlreichen Produkten eine wichtige Rolle spielt, neutral wirken. Liegt der Ölpreis allerdings ungefähr in der Gegend von den derzeit 50 Dollar, würde dies die Inflationsrate spürbar drücken, denn im Juli 2008 wurden bis zu 147 Dollar für ein Barrel Öl gezahlt. Marktbeobachter gehen bei einem Ölpreis auf dem heutigen Niveau von mehreren Monaten im nächsten Jahr aus, in denen negative Inflationsraten im Jahresvergleich ausgewiesen werden. Dies belastet die Kurse der Inflationszertifikate und schmälert die zu erwartende Rendite der Anleger enorm.
Bessere Renditen
Einige Zertifikate versprechen dem Anleger eine Rendite in Höhe der zweifachen Inflationsrate, manche bieten nur den Faktor 1,5, andere wiederum zahlen eine feste Verzinsung von einem Prozent zuzüglich der Inflationsrate. Allen Produkten ist jedoch gemeinsam, dass die Rendite nur sehr schmal ausfällt, wenn die Inflationsrate sich dem Wert Null nähern sollte oder sogar negativ wird. Der Kurs vieler Zertifikate ist in dieser Erwartung teils deutlich unter den Nominalwert 100 gefallen, obwohl in fast allen Fällen zum Laufzeitende eine Rückzahlung des Nominalwertes versprochen wird. Mit mehr scheinen die Marktteilnehmer aber kaum mehr zu rechnen.
Wer allerdings mit deutlichen Preissteigerungen in naher Zukunft rechnet, kann zu den aktuellen Kursen mit Inflationszertifikaten eine gute Rendite erzielen. Ansonsten erhält der Anleger jedoch bei zahlreichen Geldanlagen mit einer vergleichbaren Laufzeit von drei Jahren bessere Renditen. Selbst das täglich verfügbare Tagesgeld wirft in vielen Fällen mehr ab als ein Inflationszertifikat ohne deutliche Inflation.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |