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Skandalprozess : Sex, Drogen und Investmentbanker

Bild: dpa

Ein Streit um das Sorgerecht von zwei Kindern in Manhattan eröffnet neue Einblicke in die Abgründe der Wall Street: Von Drogenexzessen bis hin zu sexuellen Eskapaden.

          Es dürfte einer der denkwürdigsten Nachmittage in der Geschichte der mittelgroßen Wall-Street-Bank Jefferies gewesen sein: „Wir beide machen einen Drogentest. Wollt ihr euch anschließen?“, fragten die Spitzenmanager von Jefferies kürzlich eine Reihe ranghohe Angestellte. Da konnte wohl niemand nein sagen. Der Leiter des globalen Investmentbanking und drei weitere Partner stimmten zu und danach „aus Solidarität“ auch freiwillig alle anderen ranghohen Mitarbeiter der Abteilung, die für Transaktionen im Gesundheitswesen (Healthcare) zuständig ist. „Wir beide können natürlich bezeugen, dass alle Tests negativ zurückgekommen sind“, schreiben Vorstandschef Rich Handler und Brian Friedman, der dem Exekutivkomitee von Jefferies vorsteht, in einem Brief an „unsere Kunden und Freunde“, in dem sie die Vorgänge des Nachmittags beschreiben.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Es war ein drastischer Versuch von Schadensbegrenzung. Denn Jefferies läuft Gefahr, in der öffentlichen Wahrnehmung zum jüngsten Symbol der Abgründe zu werden, die zuletzt in Martin Scorseses Kinohit „The Wolf of Wall Street“ ausgebreitet wurden. Wie der von Leonardo DiCaprio gespielte Börsenmakler Jordan Belfort haben sich eine Reihe von Jefferies-Bankern möglicherweise Sexeskapaden und Drogenexzessen hingegeben. Im Zentrum dieser Mutmaßungen steht Sage Kelly, der Leiter der Healthcare-Abteilung von Jefferies, der sich in einem bitteren Scheidungsverfahren mit seiner Frau Christina um das Sorgerecht ihrer zwei Kinder streitet. In einer 26 Seiten langen eidesstattlichen Erklärung wirft Christina Kelly ihrem Mann den Missbrauch von Alkohol und einem Sammelsurium von Drogen vor, darunter Kokain, Ecstasy und halluzinogene Pilze. Dazu nennt sie eine Reihe von Namen auf der Angestelltenliste der Bank. Zu den mutmaßlichen Komplizen ihres Mannes soll auch dessen Chef Ben Lorello gehören, der zum Drogentest bereite Leiter des globalen Investmentbanking bei Jefferies.

          In einer besonders grellen Passage berichtet sie von Kokainkonsum und Gruppensex mit ihrem Mann und dem Vorstandsvorsitzenden des kleinen Pharmaunternehmens Aegerion, Marc Beer, sowie dessen Freundin. Aegerion soll danach ein wichtiger Kunde der Investmentbank geworden sein. „Eingedenk, dass er Geschäfte mit Marc machen wollte, fühlte ich mich verantwortlich, Marc nicht zu enttäuschen“, begründet Christina Kelly ihre Teilnahme an den Ausschweifungen. An anderen Tagen sei ihr Mann so zugedröhnt gewesen, dass er seine Blase und seinen Darm nicht mehr kontrollieren konnte.

          Aegerion-Vorstandschef Beer und die anderen Angeschuldigten dementieren die Verwürfe kategorisch. Banker Kelly, der „gelegentlichen Drogenkonsum“ im Rahmen seiner Scheidungsklage schon zugegeben hat, ließ sich zunächst beurlauben. Der Aktienkurs von Aegerion ist allerdings stark unter Druck geraten - kurioserweise, weil ein Analyst von Jefferies seine Kaufempfehlung zurückgenommen hat.

          Die Klage ist in New York Futter für die Boulevardzeitungen und wird an der Wall Street aufmerksam beobachtet - auch wenn die Anschuldigungen durchaus in Frage gestellt werden können. Christina Kelly, die 7 Millionen Dollar Schadensersatz und Alimente fordert, war das Sorgerecht immerhin wegen ihres eigenen Drogenmissbrauchs aberkannt worden. Sie machte vor einigen Jahren auch Schlagzeilen, weil sie betrunken mit ihren Kindern im Auto einen Unfall verursachte.

          Nach Informationen des Wirtschaftssenders Fox Business hat Jefferies wegen der ungewollten Schlagzeilen bereits fünf Klienten verloren. Froh dürften dagegen die Banker der Schweizer UBS sein, für die Lorello, Kelly und die anderen Healthcare-Banker von Jefferies bis 2009 tätig waren. Jefferies hatte damals das ganze Team von 36 Bankern abgeworben. Die UBS legte damals vor der Börsenaufsicht Beschwerde ein und warf dem kleineren Konkurrenten einen „rechtswidrigen Angriff“ auf ihr Geschäft vor. Der UBS gelang es zwar mit einer einstweiligen Verfügung den Antritt der Banker bei Jefferies etwas zu verzögern. Die Abwerbung des Healthcare-Teams galt damals als schwerer Schlag für das Geschäft der UBS. Die Sparte hatte damals Einnahmen von mehr als 1 Milliarde Dollar im Jahr erwirtschaftet.

          Quelle: F.A.Z.

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