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Selbstversuch : Großinvestor für einen Tag

Kremer bei der Präsentation seiner Analyseergebnisse vor dem Investmentkomitee Bild: Maximilian von Lachner

Geld anlegen wie die Profis kann so schwer nicht sein, dachte sich unser Autor. Darum hat er sich als Fondsmanager versucht – und seine Lektion gelernt.

          Es ist an der Zeit, Abbitte zu leisten. Oft habe ich Deutschlands Fondsmanager kritisiert, sie wahlweise als faul, unfähig oder gleich beides zusammen beschrieben, wofür es natürlich objektive Gründe gab – schwache Renditen und schlechte Anlageideen eben. Seit kurzem aber weiß ich, wie es sich anfühlt, ein Fondsmanager zu sein, und darum muss ich mich entschuldigen. Nicht für die Kritik, das wäre ja noch schöner. Aber dafür, dass ich diesen Beruf dann doch etwas unterschätzt habe. Die Erkenntnis mag spät kommen, aber wir alle kennen doch den berühmten Satz: Besser spät als nie.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist jetzt ein paar Tage her, dass ich mich mit der Fondsgesellschaft Lupus Alpha für ein Experiment verabredet habe. Das Ziel: Ich will an einem Tag versuchen, die Grundzüge des Fondsmanager-Berufs zu erlernen. Eine Kurzausbildung sozusagen, mit allem, was dazugehört. Ich soll nicht nur danebenstehen und zuschauen, sondern am Ende auch vor den versammelten Portfoliomanagern meine Anlageideen präsentieren. Als ich mich an einem wunderschönen Morgen im Februar auf den Weg zu meiner neuen Arbeitsstätte mache, bin ich mir sicher: So schwierig kann das doch nicht sein.

          Weniger Informationen über kleine Gesellschaften verfügbar

          Ein wenig ins Wanken gerät mein Selbstbewusstsein, als ich kurz darauf die Büros von Lupus Alpha betrete. Ein Computer steht hier neben dem anderen - so weit, so gewöhnlich. Sofort fällt mir aber ein etwa mannshohes Schild ins Auge, das neben den Tischen der Fondsmanager plaziert ist. „Underperformance ist nicht akzeptabel“, steht darauf. Man will mir doch nicht etwa Angst machen?

          Ich werde der Abteilung für „Small & Mid Caps“ zugewiesen, was im Branchenjargon ein Ausdruck für Aktiengesellschaften mit kleinem oder mittlerem Börsenwert ist. Erst glaube ich, man wolle mich schonen. Doch im Verlauf dieses mitunter schmerzvollen Tages wird in mir die Erkenntnis reifen, dass es genau darum nicht ging. Im Gegenteil: Kleine und mittlere Aktiengesellschaften zu analysieren, ist oft schwieriger, als sich den Dax-Konzernen zu widmen, weil es über die kleinen Gesellschaften meist viel weniger Informationen gibt.

          „Das ist vergleichbar mit einem Arzt“

          Dies aber sei gerade das Schöne, sagt Götz Albert, Leiter des Small & Midcap-Teams und für heute mein Chef. Man habe als Fondsmanager in diesem Bereich eine viel größere Auswahl an Aktien, mit denen man sich beschäftigen könne. „Vielfalt ist Geld wert.“ Der Mann weiß, wovon er spricht. Für Anlagegelder in Höhe von 2,9 Milliarden Euro trägt er die Verantwortung. Albert kann sich in echte Begeisterung reden, wenn er vom Geldanlegen spricht. Am Ende unseres Gespräches aber blickt er ernst: „Wir sehen uns dann zu Ihrem Vortrag.“ Ich ahne: Mein neuer Boss hat sich eine knifflige Aufgabe für mich ausgedacht.

          Im Vorgespräch lernt Kremer die wichtigsten Tricks eines Fondsmanagers
          Im Vorgespräch lernt Kremer die wichtigsten Tricks eines Fondsmanagers : Bild: Maximilian von Lachner

          Glücklicherweise lerne ich in diesem Moment meinen Ausbilder kennen – ein Mann, der mir auf den ersten Blick Vertrauen einflößt. Markus Herrmann ist zwar erst 29 Jahre alt, aber ein absoluter Profi. Er steuert den „Lupus Alpha Dividend Champions“ – einen Dividendenfonds, in dem Anleger stattliche 140 Millionen Euro angelegt haben. Ist er nicht nervös, wenn er daran denkt, um welche Summen es in seinem Geschäft täglich geht? Überhaupt nicht, sagt Herrmann. „Das ist vergleichbar mit einem Arzt: Man muss Respekt vor der Aufgabe haben, darf sich aber auch nicht ständig Gedanken darüber machen, dass der Patient bei der Operation womöglich sterben könnte.“ Gutes Fondsmanagement habe nichts mit mathematischen Zauberformeln zu tun – es sei einfach eine Kombination aus Begeisterungsfähigkeit und Fleiß. Diese Mischung ist mir aus dem Beruf des Finanzjournalisten bestens vertraut, darum schöpfe ich Mut. Wenn das die Voraussetzungen für eine gute Aktienanalyse sind, werde ich die Sache schon hinbekommen.

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