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Schwellenmärkte Der richtige Fonds zur falschen Zeit

 ·  Threadneedle bringt einen neuen Schwellenländerfonds auf den Markt. Doch ausgerechnet jetzt werden diese Märkte besonders gebeutelt. Der Fonds mag noch so gut sein - in diesen Tagen sollte man sein Geld nicht unbedingt in Schwellenländer lenken.

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Es dauert etwa drei Monate, um einen Fonds aufzulegen. Genehmigungen und Vertriebszulassungen benötigen eben ihre Zeit. Schade ist das, wenn vor drei Monaten die Welt noch in Ordnung war, sie es aber inzwischen nicht mehr ist - zumindest aus Sicht des Fondsvertriebs. Denn bei Threadneedle muß sich diese Abteilung sicherlich jetzt mächtig ins Zeug legen, um Privatanleger in diesen Tagen dazu zu bringen, den neuen Schwellenländerfonds zu zeichnen. Die laufende Korrektur an den Finanzmärkten hinterläßt schließlich in den Schwellenländern ihre deutlichsten Spuren.

Threadneedle legt also in diesen Tagen den „Global Emerging Markets Equity Fund“ auf, wie die Fondsgesellschaft am Dienstag mitteilte. Der Ausgabeaufschlag beträgt fünf Prozent, die jährliche Verwaltungsgebühr 1,5 Prozent (Isin GB00B119QP90).

Die besten Aktien ins Töpfchen

Fondsmanager ist Julian Thompson, Head of Emerging Market Equities bei Threadneedle Investments. Insgesamt hat Threadneedle acht Spezialisten für Schwellenländerwerte in seinen Diensten, die ein Anlagevolumen von rund drei Milliarden Euro verwalten, darunter den Latin America Fund (Isin GB0002769866) mit einem Volumen von mehr als 1,6 Milliarden Euro. Dieser Fonds liegt auf Sicht von einem Jahr in Euro gerechnet 56 Prozent im Plus. In drei Jahren haben die Anleger ihren Einsatz verdreifacht.

Der „bewährte Managementansatz“ dieses Fonds, so heißt es in der Pressemitteilung, soll nun im Rahmen des „Global Emerging Markets Equity Fund“ auf weltweiter Ebene Anwendung finden: „Das Portfolio wird anhand eines speziell entwickelten Bewertungsmodells verwaltet.“ Dieses umfasse die Datenanalyse von über 250 Unternehmensmodellen und liefere Cashflow-Prognosen für jedes Unternehmen über einen Zeitraum von zwei Jahren sowie darauf basierende Bewertungen. Die besten Aktien kommen also ins Töpfchen, zunächst 60 bis 80 Titel.

„Schwellenländerwerte mit Abschlag gehandelt“

Die Fondsgesellschaft verweist darauf, daß die Unternehmensgewinne in den Schwellenländern Prognosen zufolge in diesem Jahr um 17 Prozent steigen sollen, während auf den entwickelten Märkten Erträge von nur 10,9 Prozent erwartet werden.

„Schwellenländerwerte werden im Vergleich zu Titeln aus den entwickelten Märkten weiterhin mit einem Abschlag von 20 Prozent gehandelt und bieten dabei gleichzeitig ein höheres Wachstumspotential“, läßt sich Fondsmanager Julian Thompson in der Pressemeldung zitieren. „Dieses Wachstum beruht vor allem auf drei Faktoren: hohe Rohstoffpreise, weltweit niedrige Zinsen und die Herausbildung eines ausgeprägten Kreditzyklus in den meisten Schwellenländern“, erläutert Thompson. Er rechne damit, daß sich diese Trends fortsetzen werden und die Aktienkurse in den Schwellenländern auch künftig beflügeln.

Idealer Einstiegszeitpunkt? Das ist Ansichtssache

Beflügelte Aktienkurse? Das Beispiel Lateinamerika zeigt, daß es auch bergab gehen kann: Der „Latin America Fund“ verlor in den vergangenen vier Wochen stolze 12,7 Prozent an Wert. „Die kürzliche Kapitalflucht aus den Schwellenländern bietet einen idealen Zeitpunkt zum Einstieg in diese Anlageklasse“, läßt sich Thompson zitieren.

Idealer Einstiegszeitpunkt? Anleger sollten getrost warten, bis sich die Schwellenmärkte wieder fangen. Wenn die Schwellenländer wirklich so große Chancen bieten, kommt es auf ein entgangenes Prozentpünktchen Rendite nicht an, das der Anleger bei einem schnellen Einstieg vielleicht erwirtschaftet hätte, wenn es tatsächlich ab morgen wieder aufwärts geht. Wahrscheinlicher scheint derzeit allerdings zu sein, daß die Korrektur noch eine Weile andauert. Wer jetzt in einen Schwellenländerfonds investiert, darf sich zu den besonders Mutigen zählen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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