20.09.2006 · Die Finanzmärkte reagieren recht gelassen auf den Militärputsch in Bangkok. Thailand-Fonds verlieren zum Teil zwar deutlich an Wert, bleiben auf lange Sicht aber interessant. Allerdings sollten Anleger erst einsteigen, wenn sich die Querelen gelegt haben.
Der Putsch in Thailand läßt die Finanzmärkte natürlich nicht unbeeindruckt: Der Baht verlor an Wert, die Börse blieb geschlossen, Standard & Poor's und Fitch kündigten an, das Rating des Landes zu überprüfen.
Im Hongkonger Büro von Allianz Global Investors, von dem aus auch der Fonds „Dit Thailand“ gemanagt wird, geht man allerdings davon aus, daß das Militär die Macht nur für kurze Zeit übernommen hat und bald demokratische Neuwahlen anberaumen wird. Tatsächlich kündigten die Putschisten am Mittwoch an, die Macht in spätestens zwei Wochen wieder abgeben zu wollen (siehe auch: Thailand: Putschisten kündigen Machtverzicht an).
Höhere Volatilität erwartet
Gleichwohl wird es kurzfristig zu Verkaufsdruck kommen, meinen die Anlagestrategen. Ausländische Investoren hätten thailändische Aktien hoch gewichtet. Bis zu den erwarteten Neuwahlen werde die Volatilität an den Märkten wohl höher sein als sonst. Auf lange Sicht könnte sich aber zeigen, daß der Putsch das Land aus seiner Starre befreit hat, in die es der Ministerpräsident gebracht hat. Tatsächlich liegen wegen der politischen Spannungen der vergangenen Monate zum Beispiel einige große Infrastrukturprojekte auf Eis.
„Nach der Wiederaufnahme des Handels ist eine höhere Volatilität zu erwarten“, schreiben auch die Volkswirte der Dekabank in einer Kurzstudie am Mittwoch. „Wir rechnen allerdings nicht mit deutlichen Kursabschlägen bei den thailändischen Aktien und am Rentenmarkt.“ Eine zweite Asien-Krise erwartet die Bank nicht. So habe sich die Bonität des Landes inzwischen deutlich verbessert: „Die externe Liquiditätssituation - mit einem Reservestand von rund 60 Milliarden Dollar bei einer Außenverschuldung von nur 57 Milliarden Dollar - ist mehr als zufriedenstellend.“
Fonds mit zum Teil heftigen Verlusten
Trotz der relativen Ruhe an den Finanzmärkten reagierten die drei Thailand-Fonds, die schon länger als fünf Jahre am Markt sind und in Deutschland eine Vertriebszulassung haben, zum Teil recht heftig auf den Putsch. Der „Fidelity Funds Thailand“ (LU0048621477) verlor mehr als fünf Prozent, der „Templeton Thailand“ (LU0078275988) gab gut zwei Prozent nach. Die Ausgabe und Rücknahme von Anteilen des „Dit Thailand“ (IE0004883058) wurde vorübergehend ausgesetzt. „Dieser Schritt erfolgt im Interesse der Anleger, da durch die Schließung der thailändischen Börse eine für die Anteilspreisberechnung notwendige faire Preisbildung nicht gegeben ist“, heißt es in einer Mitteilung an die Anleger.
Der Fidelity-Fonds ist trotz der recht heftigen Verluste am Mittwoch auf Sicht von fünf und drei Jahren der beste der drei ausgesuchten Fonds. In Euro gerechnet betrug der Wertzuwachs 164,5 Prozent in fünf und 47,3 Prozent in drei Jahren. Auf Sicht von einem Jahr führt das Dit-Produkt mit einem Plus von 13,4 Prozent, das auf längere Sicht allerdings hinten liegt. Der von Mark Mobius gemanagte Templeton-Fonds, der einzige, der seine Gewinne nicht ausschüttet, sondern wieder investiert, liegt im Mittelfeld (siehe FAZ.NET-Tabelle).
Mehrjahreshochs im April und Mai
In der Branchengewichtung gleichen sich die Fonds: Alle setzen das meiste Geld auf Finanzwerte, gefolgt von Energietiteln. Auch finden sich stark gewichtete Einzelwerte, die in allen drei Fonds präsent sind, etwa PTT Exploration, die Bangkok Bank oder die Siam Commercial Bank. Wesentliche Unterschiede in der Anlagestrategie sind auf den ersten Blick also nicht zu erkennen. Erschwerend kommt hinzu, daß beim Dit im Juni mit Yu Ming Pan ein neuer Fondsmanager das Ruder übernommen hat, bei Fidelity ist Gillian Kwek auch erst seit Mai 2005 verantwortlich. Bei diesen beiden Fonds muß sich also noch zeigen, wie erfolgreich das recht neue Management arbeitet.
Alle Fonds erreichten im April oder Mai neue Mehrjahreshochs, korrigierten danach aber kräftig. Seit Juli weisen die Charts wieder nach oben. Welche Spuren die politische Krise in den Kursbildern hinterläßt, bleibt abzuwarten. Gut möglich, daß die Börse schnell wieder zum Tagesgeschäft übergeht. Bei einer längeren Krise ist aber nicht auszuschließen, daß das Wachstum im Land stockt, was auch die Unternehmen und damit die Aktienkurse treffen sollte.
Aktienmarkt relativ günstig bewertet
Der thailändische Aktienmarkt gilt als recht günstig bewertet. Der Index SET hat aktuell ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,2 auf Basis der vorgelegten Gewinne. Das KGV auf Basis der Schätzungen für 2006 liegt allerdings bei 10,7 - die Analysten rechnen im Schnitt also mit leicht sinkenden Gewinnen. Die Dividendenrendite beträgt 4,6 Prozent, was verglichen mit anderen asiatischen Märkten durchaus attraktiv ist.
Auch die jüngsten volkswirtschaftlichen Meldungen lesen sich positiv: Export und Import ziehen mit zweistelligen Prozentraten an. Im Juli kamen fast zehn Prozent mehr Touristen als im Jahr zuvor. Die Inflationsrate sank im August auf 3,8 Prozent von 4,4 Prozent im Vormonat. Die im SET vertretenen Unternehmen konnten jüngst außerdem höhere Gewinne vermelden: Auf Quartalssicht stiegen sie um 7,9 Prozent, auf Jahressicht um 2,6 Prozent.
Abwarten, bis sich die Querelen gelegt haben
Die makroökonomischen Aussichten sind nicht schlecht: Die Volkswirte von Deutsche Bank Research rechnen mit einem realen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 4,5 Prozent in diesem und 4,0 Prozent im kommenden Jahr. Die Industrieproduktion soll in diesem Jahr um 5,6 Prozent anziehen, der Export um 12,9 Prozent. Die Wachstumsraten waren in den vergangenen Jahren allerdings höher.
Ungeachtet der jüngsten Unruhen scheint sich das Wachstum in Thailand also zu normalisieren: Die Wirtschaft wächst, allerdings nicht mehr so schnell wie in den vergangenen Jahren. Als kleine Beimischung im Portfolio bleiben die genannten Fonds sicher interessant, zu viel erwarten dürfen Anleger aber nicht. Auf jeden Fall kann es nichts schaden, mit einem Einstieg in den Markt abzuwarten, bis sich die politischen Querelen gelegt haben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.757,94 | +0,44% |
| FAZ-INDEX | 1.508,12 | +0,49% |
| TecDAX | 780,92 | +0,91% |
| MDAX | 10.353,00 | +0,97% |
| SDAX | 5.020,82 | −0,06% |
| REX | 421,24 | −0,10% |
| Eurostoxx 50 | 2.493,96 | +0,23% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,55 | +0,36% |
| Dow Jones | 12.819,20 | −0,46% |
| Nasdaq 100 | 2.580,44 | +0,20% |
| S&P500 | 1.350,50 | −0,09% |
| Nikkei225 | 9.260,34 | +2,30% |
| EUR/USD | 1,3060 | −0,50% |
| Rohöl Brent Crude | 118,77 $ | +1,05% |
| Gold | 1.722,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 139,22 € | +0,50% |