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Schwellenländer „Magellan“-Fonds in stürmischem Gewässer

12.07.2006 ·  Der „Magellan“ wurde vor fast 20 Jahren aufgelegt und darf damit zu den alten Eisen unter den Schwellenländer-Fonds zählen. Das Management sieht die Schwellenmärkte nach der jüngsten Korrektur wieder als attraktiv an. Doch dafür könnte es zu früh sein.

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Schwellenländer waren bis zur großen Korrektur im Mai und Juni das große Modethema der Finanzmärkte. Jetzt schichten viele Anleger ihr Geld lieber in Geldmarktfonds um. Ihnen war wohl das Risiko nicht vor Augen, daß sie in diesen sich entwickelten Märkten eingehen. Da hilft ein Blick auf den „Magellan“ der unabhängigen französischen Fondsgesellschaft Comgest, der 1988 aufgelegt wurde und damit zu den alten Eisen unter den Schwellenländer-Fonds zählen darf (Isin FR0000292278).

Die FAZ.NET-Tabelle dokumentiert die Wertentwicklung des eine Milliarde Euro schweren Fonds in den vergangenen zehn Jahren. Sie zeigt, daß Anleger, die sich auf diese Fondskategorie einlassen, schon mal ein Minus von 20 Prozent im Jahr verdauen müssen - zum Beispiel war das 1998 der Fall. Auch 1995, 2000 und 2002 ging es kräftig bergab. Auf der anderen Seite sahen Anteilseigner ein Plus von etwa 75 Prozent im Jahr 1999 - zwischen zwei Minusjahren verbuchten sie hier einen starken Wertzuwachs. In den vergangenen drei Jahren ging es an den Schwellenmärkten quasi nur nach oben. Vielleicht hatten deshalb viele Anleger das hohe Risiko verdrängt.

20 Prozent Minus in nur gut einem Monat

Die letzten Wochen rüttelten die Schwellenmarkt-Anleger wach: Anfang Mai erreichte der „Magellan“ noch ein neues Rekordhoch bei 1.177,44 Euro. Danach stürzte er in nur gut einem Monat auf 945,06 Euro ab - das ist ein Minus von 20 Prozent. Inzwischen hat sich der Kurs wieder etwas erholt, ein Anteil kostete bei der Fondsgesellschaft zuletzt 1.042,04 Euro. Trotzdem: Eine derart scharfe Korrektur hat der Fonds in den vergangenen Jahren nicht erlebt.

Der „Magellan“ hat seinen Index, den MSCI Emerging Markets, in den vergangenen zehn Jahren acht Mal geschlagen. Nur 1999 und 2005 war das Plus kleiner als das der Benchmark. Beruhigender dürfte sein, daß der Fonds in Minus-Jahren stets weniger verloren hat als der Gesamtmarkt. Trotz der jüngsten Korrektur bleibt auch in diesem Jahr - bisher - noch ein kleines Plus von drei Prozent.

„Übertriebener Pessimismus“

Die Fondsgesellschaft sieht in der aktuellen Abwärtsbewegung an den Schwellenmärkten eine Überreaktion. „Fundamental bleiben Emerging Markets weiterhin interessant, allerdings wird die Einzeltitelselektion immer wichtiger“, läßt sich Wojceciech Stanislawski, einer der beiden Fondsmanager des „Magellan“, in einer Pressemeldung zitieren.

„Die Märkte wechselten vom überschäumenden Optimismus von vor drei Monaten zu übertriebenem Pessimismus“, erläutert er. „Dabei sind die Schwellenländer dank des Entschuldungstrends von Nettoschuldnern zu Nettokreditoren gegenüber der restlichen Welt geworden.“ Von der Möglichkeit, das Wachstum zu geringeren Kosten zu finanzieren, profitierten die Unternehmen. Noch hätten die Schwellenmärkte einen Bewertungsabschlag von 15 Prozent gegenüber den Industrienationen. Dieser könne sich jedoch durch den Wachstumsvorteil leicht in einen Bonus verwandeln. „Die Bewertungen sind absolut sowie relativ attraktiv“, lautet Stanislawskis Schlußfolgerung.

Fast 30 Prozent in Konsumwerten

Stanislawski rät allerdings von einer einfachen Abbildung der Indizes ab. Das ist verständlich, schließlich managt er einen Fonds und verkauft kein Indexprodukt. Doch das gute Abschneiden des „Magellan“ im Vergleich zum Index gibt ihm recht. Gerade in den aufstrebenden Märkten müßten Einzeltitel sorgfältig selektiert werden, meint der Fondsmanager. Investitionen würden sich nur in Titel mit regelmäßigem und vor allem voraussagbarem strukturellem Wachstum lohnen. Stanislawski setzt zum Beispiel zu fast 30 Prozent auf Konsumwerte, weil der Konsum in den Schwellenländern schneller wachse als das Bruttosozialprodukt.

Auf diese Weise vermeidet der Fonds auch eine zu große Abhängigkeit von Rohstofftiteln, die in jüngster Zeit als sehr volatil gelten dürfen. Der größte Wert im Portfolio, Samsung Fire & Marine aus Korea, macht 4,5 Prozent des Fondsvolumens aus. Weitere Schwergewichte sind PT Telekom Indonesia (4,0 Prozent), MTN Group (Südafrika, 3,6 Prozent), All America (Brasilien, 3,5 Prozent) und Souza Cruz (Brasilien, 3,3 Prozent). Bei der Länderaufteilung liegt ein Schwerpunkt in Brasilien (19 Prozent), gefolgt von Südafrika (11 Prozent) und Indien (10 Prozent).

Kurzfristig ist nach wie vor Vorsicht angesagt

Das Fondsmanagement hat in der Vergangenheit bewiesen, daß es die Benchmark schlagen und damit einen Mehrwert für Anleger schaffen kann. Damit hat der „Magellan“ den vielen neuen Schwellenländer-Fonds einiges voraus. Trotzdem sollten Privatanleger nicht voreilig reagieren, wenn die Fondsgesellschaft die jüngste Korrektur als Überreaktion sieht und von einer Unterbewertung der Schwellenmärkte spricht. Sie vergeben sich nichts, wenn sie abwarten, bis sich die Märkte wieder beruhigt haben. Niemand weiß, ob nicht in ein paar Wochen eine zweite Talfahrt ansteht. Langfristig stimmen die Aussichten für Schwellenmärkte ohne Zweifel. Kurzfristig ist aber nach wie vor Vorsicht angesagt.

An Gebühren für den Fonds werden jährlich 1,75 Prozent für das Management fällig. Der Ausgabeaufschlag beträgt maximal 3,25 Prozent. Wer sich diesen nicht zahlen will: Der Fonds wird auch an den Börsen Berlin-Bremen, Frankfurt, Hamburg und München gehandelt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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