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Schwellenländer Libanons Blom-Index klettert nach Wahlen auf Rekord

21.06.2005 ·  Die libansische Börse befindet sich im Aufschwung. Und zwar nicht erst seitdem die anti-syrische Opposition im Parlament alle Sitze für sich gewinnen konnte. Die Märkte der gesamten Region boomen schon seit einigen Monaten.

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Der libanesische Benchmark-Index Blom ist am Montag um 7,58 Prozent auf 849,06 Punkte gestiegen und hat am Dienstag weitere 0,64 Prozent zugelegt. Damit liegt es auf dem höchsten Stand seit Februar des Jahres 1999. Hintergrund für die jüngsten Kursgewinne ist die Tatsache, daß die anti-syrische Opposition in der vierten und letzten Runde der Parlamentswahlen alle Sitze für sich gewinnen können.

Die größten Kursgewinne verzeichnete der Immobilienentwickler Solidere, an dem der ermordete Oppositionsführer Rafik Hariri beteiligt gewesen war. Für die so genannten Klasse-A-Aktien von Solidere ging es am Montag um 11,06 Prozent nach oben, am Dienstag legte das Papier weitere 1,47 Prozent zu auf zuletzt 11,72 Dollar. Diese Entwicklung erklärt den Kursgewinn des Aktienindex weitgehend. Denn die Aktie des Unternehmens mit Sitz in Beirut kommt auf eine Gewichtung von zwei Dritteln im Blom.

Regionalpolitischer Optimismus verstärkt den Boom ...

"Alle sind optimistisch, daß der Libanon zum ersten Mal sein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann, und einschneidende wirtschaftliche und politische Reformen durchgeführt werden", sagte Matthew Eyre, Partner bei der Investmentgesellschaft Blakeney Management in London der Nachrichtenagentur Bloomberg "Das Interesse am Libanon ist sehr groß."

Seit Jahresbeginn hat das libanesische Börsenbarometer in Euro gerechnet etwas mehr als 50 Prozent gewonnen, da sich Marktteilnehmer optimistisch im Hinblick auf einen Regierungswechsel zeigten. Insgesamt kommen die 14 Mitglieder der Benchmark auf einen Marktwert von 3 Milliarden Dollar oder umgerechnet 2,5 Milliarden Euro, geht aus Daten der Börse Beirut hervor.

Die United Coalition, die von Rafiks Sohn Saad Hariri angeführt wird, verfügt nach dem letzten Wahlgang über eine Mehrheit von acht Sitzen der insgesamt 128 Parlamentssitze. Es war die erste freie Wahl nach Abzug der syrischen Truppen im April. Syrien hatte das Land 29 Jahre lang besetzt, mußte sich aber zurückziehen, nachdem sich die Libanesen empört über die Ermordung von Rafik Hariri gezeigt hatten.

Hariri hatte sich entschieden gegen die syrische Einmischung in libanesische Angelegenheiten ausgesprochen. Er war am 14. Februar bei einem Bombenattentat ums Leben gekommen. Die Libanesen machten die Besatzungsmacht und ihre Verbündeten dafür verantwortlich. Damals war der Blom innerhalb von zwei Handelstagen um 17 Prozent eingebrochen. Anleger befürchteten wohl, nach dem Tod des 60-jährigen früheren Ministerpräsidenten werde die politische und wirtschaftliche Instabilität zunehmen.

... der Börsen der gesamten Region

Insgesamt werden verschiedene Dinge deutlich. Das ist erstens die nach wie vor anhaltende politische Instabilität in der Region. Sie führt immer wieder zu Überraschungen und entsprechenden Turbulenzen an den jeweiligen Finanzmärkten. Dieser Effekt wird im Libanon noch dadurch prononciert, daß die Börse vor allem an einer Aktie hängt, am Bau- und Immobilienentwicklungsunternehmen Solidere. Die Aktie des Unternehmens ist in den vergangenen Wochen deutlich nach oben gelaufen und hat sich sei Oktober des vergangenen Jahres verdoppelt. Mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von 34,5 auf Basis des im vergangenen Jahr abgelieferten Gewinns ist sie optisch nicht mehr günstig.

Auf der anderen Seite wird deutlich, welches wirtschaftliche Potential die gesamte Region bieten würde, wenn sich die politischen Probleme überzeugend gelöst werden könnten. Das zeigt sich unter anderem am Boom in den anderen arabischen Staaten, von Ägypten bis hin zu Bahrain. Sie profitieren einerseits von der Aussicht oder zumindest der Hoffnung auf politische und wirtschaftliche Reformen, die zu einer wirtschaftlichen Belebung führen. Gleichzeitig scheint auch immer mehr der Öleinnahmen in der Region investiert zu werden.

Einerseits können auf diese Weise die Dollarrisiken reduziert werden. Andererseits gibt es Bestrebungen, sich wirtschaftlich auf die Zeiten nach dem Ölboom vorzubereiten. Das ist verbunden mit entsprechenden Investitionen. In diesem Sinne kann die Region eine starke Zukunft vor sich haben, wenn die Entwicklung sowohl politisch als auch wirtschaftlich nachhaltig sein sollte. Für internationale Anleger gibt es bisher allerdings ein Problem: es ist - abgesehen von wenigen Ausnahmen - schwer an die Papiere der Region heranzukommen. Gleichzeitig gibt es noch keinen spezailisierten Fonds geschweige denn einen Indexfonds oder ein Zertifikat. Hier könnten die Banken endlich einmal ihre Innovationsfreudigkeit beweisen, statt den Markt mit intransparenten Zertifikaten aller Art zu fluten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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