26.06.2003 · Die Islamische Republik Iran legt einen Fonds für ausländische Anleger, darunter Schwellenländer-Fonds, auf. Vermögensverwalter sehen den First Iran Fund aber skeptisch.
Der Iran will 50 Millionen Euro für einen Investmentfonds einsammeln, der in Unternehmen investiert, die an der Börse Teheran gelistet sind. Ob die hohe Rendite das hohe Risiko in dem Land ausgleicht, stellen namhafte Vermögensverwalter in Frage.
Der First Iran Fund wird von der ägyptischen Bank EFG-Hermes Holding verwaltet und richtet sich an vermögende Privatkunden aus dem Mittleren Osten sowie an internationale Schwellenländerfonds. Credit Suisse Group wird das Portefeuille "passiv" vermarkten und ausgewählten Kunden anbieten. Sponsor des First Iran Fund ist die staatliche Iran Foreign Investment Company, der drittgrößte Anteilseigner des deutschen Stahlkonzerns ThyssenKrupp AG.
Risiken: Proteste gegen Regierung und Terrorvorwürfe
Vermögensverwalter warnen indes vor den Risiken. Sie verweisen auf die Proteste gegen die Regierung und die Terrorvorwürfe. "Aufgrund der politischen Lage ist das im Moment ein bißchen riskant", gibt Mark Mobius von Asset Management Ltd. in Singapur zu bedenken. "Aber langfristig könnte der Iran interessant werden - vorausgesetzt, er ist in der Lage, seine Wirtschaft zu öffnen." Vor einem Jahr hatte der Iran zum ersten Mal seit der Machübernahme durch die Mullahs 1979 eine Anleihe aufgelegt.
Obwohl der Tehran Stock Exchange Price Index laut Website seit Jahresanfang 35 Prozent gestiegen ist, kommen die 339 in Teheran gelisteten Unternehmen auf eine Marktkapitalisierung von gerade mal 20 Milliarden Dollar, also etwa ein Fünfzehntel der Marktkapitalisierung von General Electric Co. "Für uns ist der Markt nicht weit genug entwickelt", erklärt Vijay Tohani, Fondsmanager bei First State in Edinburgh. "Aber mit der Zeit werden die Kinderkrankheiten auskuriert sein, dann wird dieser Markt auch für uns attraktiv."
Der First Iran Fund, auf den im Laufe des Jahres ein zweiter konkurrierender Fonds folgen soll, sucht Investoren aus der Region mit einem Vermögen von mindestens 100.000 Euro, erläutert Tristan Clube, Vorstandsmitglied von EFG-Hermes aus Edinburgh. "In diesen aufstrebenden Märkten ist das meiste zu holen", meint Tom Rodwell, mitverantwortlich für den 695 Millionen Dollar schweren Pictet Emerging Markets Fund in London. Für EFG-Hermes ist es bereits der zweite Versuch, den iranischen Markt anzuzapfen. Der erste war letztes Jahr am Veto der Regierung gescheitert, berichtet Clube. "Wir wissen genau, wen wir ansprechen wollen", führt Clube aus, der das in Bahrain domizilierte Portefeuille verwalten wird.
Amerikanische Anleger außen vor
Amerikanische Investoren jedenfalls nicht. Ihnen stehen die Sanktionen im Weg, die nach der Geiselnahme in der Botschaft von Teheran 1979 verhängt wurden. Verstöße werden hart bestraft. 1983 traf es den Rohstoffhändler Marc Rich, dem Steuerhinterziehung und illegaler Handel mit dem Iran vorgeworfen wurden. Bill Clinton begnadigte ihn schließlich, es war eine seiner letzten Amtshandlungen als 42. Präsident der Vereinigten Staaten.
Der First Iran Fund wird in Unternehmen investieren, die von den Investitionen in die Infrastruktur des Landes profitieren, darunter der Zementhersteller Fars & Khuzestan Cement und der Kunststoffzulieferer Iran Carbon. Credit Suisse hat mit EFG-Hermes vereinbart, den Fonds "passiv" zu vermarkten, und zwar an "ausgesuchte Kunden" aus dem Privatkundengeschäft. Dort geht es um ein Anlagekapital von mindestens 500.000 Euro.
Neben dem First Iran Fund wird im Oktober diesen Jahres ein weiterer Iran-Fonds aufgelegt, der 100 Mio. Euro bei Investoren aus dem Mittleren Osten, Europa und Asien einsammeln will. Dahinter steht Asian Capital Partners Ltd., eine 13 Jahre alte Kapitalanlageberatung mit Sitz in Hongkong. Pars Investment Management Co. wird das Portefeuille von Teheran aus verwalten. Das letzte Wort haben die iranische Regierung und die Zentralbank. "Seit vier Jahren arbeiten wir an dem Projekt", berichtet Andrew Korner, Vorstandschef von Asian Capital Partners. "Risikostufe 1 hat es bestimmt nicht."
Iran in wirtschaftlicher HInsicht auf Reformkurs
Die Regierung von Präsident Mohammed Khatami ist auf Reformkurs, zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht. Sie hat ein Gesetz verabschiedet, dass die Rechte einiger ausländischer Investoren schützen soll. Im Juli letzten Jahres legte der Iran die erste Auslandsanleihe seit 1979 auf: 500 Millionen Euro flossen in die Staatskasse.
Während die politische Opposition das Tempo der Reformen verlangsamen dürfte, wird es auch weiterhin große Veränderungen wie etwa die Zulassung von Privatbanken geben, schätzt Economist Intelligence Unit, ein unabhängiges Wirtschaftsforschungsinstitut mit Büros in London, Hongkong und New York. Dieses Jahr dürfte die iranische Wirtschaft aufgrund der Ölpreisentwicklung 5,7 Prozent wachsen, prognostiziert das EIU. "Die meisten Parteien sind sich einig darin, dass die Reformen notwendig sind, aber durch die internen Machtkämpfe behindert werden", erklärt Ben Faulks, EIU-Analyst aus London. "Vieles hängt davon ab, wer an der Macht ist. Khatami gilt als ineffizient."
Die jüngsten Studentenproteste richteten sich vor allem gegen das religiöse Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei und andere Geistliche, die den Iran kontrollieren. Die Studenten fordern mehr Demokratie und die Abkehr von der Theokratie. Nach der islamischen Revolution 1979 hatten die religiösen Führer mindestens 70 Prozent der Wirtschaft verstaatlicht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |