28.09.2006 · Deka-Fondsmanager Michael Ganske im FAZ.NET-Interview über das Erstarken der Schwellenländer, die neue Anlageklasse der Fremdwährungsanleihen und die Rolle der Rohstoffpreise.
Michael Ganske, Fondsmanager und „Leiter Emerging Markets Research“ bei Deka Investment, im FAZ.NET-Interview über das Erstarken der Schwellenländer, die neue Anlageklasse der Fremdwährungsanleihen und die Rolle der Rohstoffpreise.
Herr Ganske, die Dekabank hat schon einen Fonds, der in Anleihen von Schwellenländern investiert, den „DekaTeam-EM Bond“. Warum haben Sie jetzt einen neuen Fonds aufgelegt?
Der alte Fonds ist von seinem Konzept her ein Hartwährungsanleihenfonds. Der neue „Deka-Global ConvergenceRenten“ dagegen legt das Geld explizit auch in Fremdwährungsanleihen der Schwellenländer an.
Wenn Sie in Fremdwährungsanleihen investieren wollen: Warum legen Sie dann nicht einen reinen Fremdwährungsanleihen-Fonds auf?
Es gibt immer wieder Phasen, in denen die Lokalmärkte abgestraft werden, dann laufen die Hartwährungsanleihen oft besser. Wir haben die Flexibilität, entsprechend zu reagieren und die Gelder umzuschichten. Anleihen in Fremd- und Hartwährungen sind zwei völlig verschiedene Märkte. Nehmen Sie das Beispiel Ungarn. Die Forint-Anleihen haben in der jüngsten Krise ordentlich eingebüßt, die Euro-Anleihen dagegen zeigten sich erstaunlich stabil.
Die Anlageklassen korrelieren also kaum?
Genau. Das macht einen Mix aus beidem aus Portfoliogesichtspunkten so interessant: So streuen wir das Risiko. Derzeit liegen etwa 60 Prozent der Gelder in Fremdwährungsengagements, der Rest in Hartwährungsanleihen und in der Kasse. Diese Gewichte können wir je nach Marktlage aber verschieben.
Warum haben Sie die Fremdwährungsanleihen nicht schon in Ihrem alten Fonds berücksichtigt?
Diese Anlageklasse ist recht neu. Wenn Sie mir vor fünf Jahren gesagt hätten, daß Sie in einen reinen Fremdwährungsanleihenfonds investieren wollen, hätte ich Sie nicht ernst nehmen können. Damals hatten eigentlich nur Mexiko, Südafrika, Polen und Ungarn in nennenswertem Umfang Fremdwährungsanleihen. Die anderen Anleihen aus Schwellenländern lauteten auf Hartwährungen. Heute dagegen ist der Markt sehr liquide, weil sich immer mehr Länder in Lokalwährung finanzieren. So können Sie als Fondsmanager Strategien umsetzen und kurzfristige Trends spielen. Das wäre früher gar nicht möglich gewesen.
Was macht Schwellenländeranleihen Ihrer Meinung nach so attraktiv?
Das Thema heißt globale Konvergenz. Viele Schwellenländer werden aufsteigen. Die politischen Rahmenbedingungen verbessern sich, die Bankensysteme werden stabiler, die Inflation sinkt. Viele Länder haben ihre Staatsfinanzen besser im Griff als noch vor wenigen Jahren. Das alles spricht für steigende Anleihenkurse. Bei Lokalwährungspapieren kommt dazu, daß viele Währungen Aufwertungspotential haben, was zusätzliche Chancen bietet.
Daß es vielen Schwellenländern derzeit so gut geht, liegt doch vor allem an der Rohstoffhausse. Ist der Aufschwung nicht nur zyklischer Natur?
Die gestiegenen Rohstoffpreise unterstützen viele Emerging Markets natürlich, weil sie große Rohstoffexporteure sind. Viele Verbesserungen sind aber struktureller und nicht zyklischer Natur.
Vertrauen Sie dem Urteil der Rating-Agenturen oder geht Ihr Team selbst vor Ort, um sich ein Bild von einem Land zu machen?
Die Rating-Agenturen sind für uns wichtig, das ist klar. Aber wir haben auch unsere Kontakte vor Ort und sind selbst viel unterwegs. Wir versuchen außerdem, den Rating-Agenturen einen Schritt voraus zu sein. Nehmen wir das Beispiel Indonesien: Im vergangenen Jahr hatte das Land große Budgetprobleme, denn die Regierung subventionierte massiv die Energiepreise. Spekulationen gegen die Rupiah waren die Folge. Dann haben Regierung und Zentralbank in einer konzertierten Aktion die Subventionen gestrichen und die Währung stabilisiert. Im Januar war ich vor Ort und bin seither sehr „bullish“, was Indonesien angeht. Die Rating-Agenturen kamen erst später und haben das Land heraufgestuft.
Ist es nicht sicherer, das Urteil der Rating-Agenturen abzuwarten?
Wie gesagt: Die Rating-Agenturen sind sehr wichtig. Manchmal sind uns die Rating-Agenturen aber ein wenig zu vorsichtig. Ein anderes Beispiel ist die Türkei: Alle Investoren hatten vor der Währungsreform Probleme, ein Investment in die Türkische Lira in ihren Systemen zu verbuchen. Wir sind gleich Anfang 2005 „long“ gegangen, als die Zentralbank sechs Nullen gestrichen hat. Das hat sich gelohnt.
Sie sagen, das Türkei-Engagement habe sich gerechnet. Allerdings hat gerade der türkische Markt im Frühjahr gezeigt, daß Anleger mit Fremdwährungsanleihen viel Geld verlieren können.
Der Markt hat damals panisch reagiert. Die türkische Zentralbank hatte gerade die Leitzinsen gesenkt, als Inflationszahlen kamen, die die Befürchtung weckten, daß die Disinflation zum Halten kommt. Zeitgleich warnte die amerikanische Zentralbank vor Inflationsgefahren. Der Markt rechnete also mit steigenden Zinsen, was das Risiko verteuern würde. Darum zogen viele Anleger ihr Geld ab. Das hatte aber mehr mit Markttechnik zu tun als mit fundamentalen Kriterien.
Warum wurde ausgerechnet die Türkei so abgestraft?
In einem risikoaversen Umfeld leiden in der Regel die Länder mit einem hohen Leistungsbilanzdefizit am stärksten, das sind neben der Türkei zum Beispiel auch Südafrika und Ungarn. Der russische Markt dagegen hat die Korrektur im Mai und Juni gut überstanden.
Rußland ist ein gutes Stichwort. Dem Land geht es so gut, daß es die hohe Nachfrage nach Anleihen wahrscheinlich gar nicht mehr befriedigen kann, weil es so wenig frisches Geld braucht, oder?
Für Hartwährungsanleihen stimmt das. Rubel-Anleihen werden aber noch begeben. Rußland kann es sich übrigens erlauben, einen Kupon von nur 6,5 Prozent zu zahlen, obwohl die Inflation zehn Prozent beträgt. Die Investoren akzeptieren also - in Rubel gerechnet - einen negativen Realzins. Abgesehen davon gibt es in Rußland einige attraktive Unternehmensanleihen. Die Investmentbank Trust zum Beispiel hat eine Dollar-Anleihe mit einer dreijährigen Laufzeit begeben, die einen Kupon von 9,25 Prozent aufweist. Die Bank ist Marktführer im lokalen Anleihenmarkt.
Spielen Unternehmensanleihen eine große Rolle im Portfolio?
Nein, sie sind ganz klar nur eine Beimischung. Corporate Bonds kaufen wir grundsätzlich nur, wenn wir wirklich vom Geschäftsmodell überzeugt sind. Wir konzentrieren uns auf Staatsanleihen oder Papiere von Staatsunternehmen, die in der Regel wesentlich mehr Sicherheit bieten.
Was würden Sie einem Privatanleger empfehlen? Welchen Anteil seines Vermögens sollte er in Schwellenländeranleihen investieren?
Ich würde, aber das ist meine persönliche Meinung, zehn bis 20 Prozent in diese Anlageklasse investieren.
20 Prozent?
Das ist viel, ich weiß. Die meisten empfehlen fünf bis zehn Prozent.
Ja, diese Größenordnung hört man häufig.
Ich bin wirklich von dieser Anlageklasse überzeugt. Ich arbeite ja schon seit vielen Jahren in diesem Geschäft.
Wagen Sie eine Renditeprognose?
Das läßt sich bei Schwellenländeranleihen sehr schlecht schätzen. In einem Jahr laufen die Währungen vielleicht für einen, dann sind es zweistellige Raten, in einem anderen Jahr ist es deutlich weniger. Unser Ziel ist, deutlich mehr zu erwirtschaften als den risikolosen Zinssatz. Insofern fahren wir einen „Total return“-Ansatz. Eine zu starke Benchmark-Orientierung bringt dem Anleger sowieso nichts. Wenn die Benchmark in einem Jahr einmal zehn Prozent verlieren sollte und mein Fonds nur acht Prozent, hätte ich die Benchmark zwar geschlagen. Der Anleger aber hätte trotzdem Geld verloren.
Der „Deka-Global ConvergenceRenten“ (Isin LU0245287742) wurde Anfang Mai aufgelegt. Seit August ist er in Deutschland zum Vertrieb zugelassen, inzwischen verwaltet er etwa 200 Millionen Euro. Der Ausgabeaufschlag beträgt 3,75 Prozent, die jährliche Verwaltungsvergütung beläuft sich auf 1,2 Prozent. Die gleichen Gebühren fallen für den 385 Millionen Euro schweren „DekaTeam-EM Bond“ (Isin IE0003331158) an, der nur in Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern investiert. Dieser Fonds wurde im April 2000 aufgelegt. Standard & Poor's gibt ihm fünf Sterne und zählt ihn damit zu den besten zehn Prozent seiner Vergleichsgruppe.
Bullish
gisbert heimes (gisbert4)
- 28.09.2006, 14:33 Uhr
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