21.02.2005 · Chinesische Banken können ab sofort unter bestimmten Auflagen eigene Fondsgesellschaften gründen. Damit sollen der Kapitalmarkt gestärkt und die Banken wettbewerbsfähiger gemacht werden.
China gestattet ausgewählten Geschäftsbanken, Fondsgesellschaften zu gründen. Damit sollen der Kapitalmarkt gestärkt und die Banken wettbewerbsfähiger werden.
Ab sofort dürfen die Banken Aktien-, Anleihe- und Geldmarktfonds anbieten. Das teilten die Zentralbank People's Bank of China und die Aufsichtsbehörden China Securities Regulatory Commission und China Banking Regulatory Commission auf ihren Websites mit. Die Nachricht sorgte für gute Stimmung an der Börse: Am Montag stieg der A-Aktienindex von Schanghai zwei Prozent, das Pendant von Shenzhen legte 1,8 Prozent zu.
Fonds als neue und „sichere“ Einnahmequelle
Staatliche Banken wie die Industrial & Commercial Bank of China müssen ihre Produktpalette erweitern, wenn sie mit den weltweit tätigen Finanzgruppen, darunter Citigroup und HSBC Holdings , mithalten wollen. Mit dem Fondsgeschäft werden die Banken unabhängiger vom Kreditgeschäft. Sie können sich neue Einnahmequellen erschließen, um ihre notleidenden Kredite abzubauen. Diese werden auf mehr als 500 Milliarden Dollar geschätzt. "Die Banken haben sich schon lange dafür ausgesprochen", sagt Fraser Howie, Co-Autor von "Privatizing China: The Stock Markets and their Role in Corporate Reform". Die Fonds "sind eine neue Einnahmequelle und sie sind sicherer als das Kreditgeschäft."
Die Regierung will, daß institutionelle Investoren mehr Kapital in den Aktienmarkt stecken, nachdem die Leitindizes letzten Monat auf den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren gefallen waren. So dürfen seit letzter Woche Versicherungsgesellschaften direkt in Aktien investieren, davor war das nur über Fonds möglich. "Die Fondsgesellschaften der Geschäftsbanken werden zu einer Diversifizierung der Kapitalanlagen beitragen, den Einfluss der institutionellen Investoren weiter stärken und das langfristige stabile Wachstum der Kapitalmärkte fördern", teilten die Zentralbank und die beiden Aufsichtsbehörden mit.
Mit den Geschäftsbanken dürfte die Branche in jedem Fall wachsen. "Die Kuchenstücke werden größer, denn das Wachstumspotential ist ungebrochen, wenn man an die 12 Billionen Yuan denkt, die in den chinesischen Sparstrümpfen stecken", sagt Li Quan, Vice President von Boshi Fund Management Co. in Shenzhen.
Chinesische Fondsbranche auf Wachstumskurs
Spareinlagen waren stärker gestiegen als Kredite, nachdem die Regierung die Banken im vergangenen Jahr dazu angewiesen hatte, den Geldhahn für Branchen wie Stahl und Immobilien zuzudrehen. Der Investitionsboom wird für die Stromausfälle und den Inflationsanstieg verantwortlich gemacht. "China versucht, die Risiken des Finanzsystems zu reduzieren, indem Einlagen von den Banken weg und an die Märkte gelenkt werden", erläutert Wei Yen, Bankenanalyst bei der Ratingagentur Moody's Investors Service in Hongkong.
Die chinesische Fondsbranche, deren Anlagekapital bei 300 Milliarden Yuan liegt, ist auf Wachstumskurs. Seit die Regierung die Auflagen lockert und infolge der Inflation die Nachfrage nach renditestarken Anlagemöglichkeiten wächst, zieht es auch ausländische Anbieter ins Reich der Mitte, allen voran HSBC, JPMorgan Chase & Co. und Allianz AG. "Der Wettbewerb innerhalb der Fondsbranche wird sich verschärfen und möglicherweise auch den Konsolidierungsdruck erhöhen", sagt Zhang Qi, Analyst bei Haitong Securities Co. in Schanghai. "Aber das ist nicht unbedingt schlecht, weil auf diese Weise die Schwachen ausgesiebt werden."
Der Staatsrat - das chinesische Kabinett - hatte bereits im September die Weichen für die Gründung von Fondsgesellschaften gestellt. Jetzt liegt es an den Aufsichtsbehörden, die Anträge der Banken zu bearbeiten. In einer ersten Phase werden sie Geldmarkt- und Anleihefonds auflegen können, später folgen Aktienfonds.
Allerdings sind mit den neuen Regeln auch gewisse Auflagen verbunden. So müssen Geschäftsbanken der Bankenaufsichtsbehörde einen Risikomanagementplan vorlegen, der die Trennung von Fonds- und Bankgeschäft detailliert beschreibt. Der Austausch von Kundeninformationen ist den Bereichen strengstens untersagt.
Die Banken werden auch nicht als Depotbank ihrer Fondsgesellschaft fungieren können. Einmischungen im Aufsichtsrat oder auf den Hauptversammlungen ihrer Töchter sind ebenfalls verboten. Die Fondsgesellschaften dürfen nicht in Wertpapiere investieren, die von ihren Anteilseignern ausgegeben oder verwaltet werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |