Aktienfonds, die in Schwellenländer investieren, sind im laufenden Jahr stark gefragt. Laut dem Datenanbieter EPFR Global sind global anlegende Fonds mit Fokus auf Aktien aus Schwellenländern in den ersten neun Monaten dieses Jahres rund 30 Milliarden Dollar (rund 23 Milliarden Euro) neue Mittel netto zugeflossen. Dies ist laut EPFR der höchste Stand seit mehr als vier Jahren. Im vergangenen Jahr verzeichneten diese Fonds per Ende September Mittelrückflüsse von netto 7,9 Milliarden Dollar.
Offenbar versuchen die Anleger ihre Mittel jedoch möglichst breit in den Schwellenländern zu streuen. Denn aus Aktienfonds, die auf einzelne Regionen in Schwellenmärkten ausgerichtet sind, ziehen die Anleger unter dem Strich auch in diesem Jahr Mittel ab. So setzen sich bei Aktienfonds, die auf Asien außer Japan spezialisiert sind, die Mittelrückflüsse fort, wenn auch nicht mehr so stark. In den ersten drei Quartalen des Vorjahres beliefen sich die Netto-Rückflüsse auf 17,4 Milliarden Dollar. Im laufenden Jahr waren es bisher 8,5 Milliarden Dollar.
BRIC-Fonds verlieren
Hohe Mittelrückflüsse verzeichnen auch Aktienfonds, die ihren Schwerpunkt auf Lateinamerika oder die Region EMEA (Europa-Naher Osten-Afrika) setzen. Die Umschichtungen erfassten auch Fonds, die auf die BRIC-Länder Brasilien, Russland, Indien und China spezialisiert sind. Diese verloren unter dem Strich 1,6 Milliarden Dollar nach einem Minus von 4,7 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Auch Aktienfonds, die auf China, Indien, Korea oder Osteuropa ausgerichtet sind, schrumpften im Jahresverlauf kräftig.
Die Mittelrückflüsse aus reinen Afrika-Aktienfonds dagegen sind zumindest vorläufig gestoppt. In den ersten neun Monaten 2011 zogen die Anleger noch 329 Millionen Dollar mehr aus Afrika-Fonds ab, als sie einzahlten. Im laufenden Jahren betrug das Minus eine Million Dollar, wobei im dritten Quartal dieses Jahres Afrika-Fonds Mittelzuflüsse von netto 54 Millionen Dollar verzeichneten. Insgesamt flossen Aktienfonds, die in „Frontier Markets“ investieren, im laufenden Jahr unter dem Strich 212 Millionen Dollar zu. Mit Frontier Markets werden ganz junge Kapitalmärkte wie Vietnam, Kasachstan, Nigeria oder Kenia bezeichnet.
Interesse an europäischen und nordamerikanischen Aktienfonds geht verloren
Zu den großen Verlierern dieser Umschichtungen zählen auch Aktienfonds, die auf die etablierten Kapitalmärkte in Europa und Nordamerika setzen. Aus diesen zogen die Anleger 71,5 Milliarden Dollar netto ab nach einem Minus von netto 62 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Davon wurden laut EPFR-Zählung Aktienfonds, die in den Vereinigten Staaten investieren, in den ersten neun Monaten mit Rückflüssen von netto 33,7 Milliarden Dollar erfasst (siehe Kasten) und Westeuropa-Aktienfonds mit einem Minus von 23,3 Milliarden Dollar.
Von diesen Umschichtungen profitierten in erster Linie Rentenfonds. In Fonds, die auf Anleihen der Vereinigten Staaten fokussiert sind, flossen unter dem Strich 221 Milliarden Dollar, in global ausgerichtete Rentenfonds 61 Milliarden Dollar und in Rentenfonds mit Fokus auf Schwellenländern 33,9 Milliarden Dollar. Bei europäischen Staatsanleihenfonds kamen die Mittelrückflüsse zum Erliegen. Nach einem Minus von netto 20,6 Milliarden Dollar vor einem Jahr verzeichneten diese Fonds 2012 per Ende September Mittelzuflüsse von 1,1 Milliarden Dollar netto.