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Schweizer Privatbank Vontobel will deutschen Vermögensverwalter kaufen

Die Schweizer Privatbank Vontobel will 600 Millionen Franken für den Kauf eines deutschen Vermögensverwalters ausgeben.

© AP Vergrößern Vontobel-Zentrale in Zürich

Die Schweizer Privatbank Vontobel könnte die vom Vorstandsvorsitzenden Zeno Staub für Zukäufe bereitgestellten 600 Millionen Franken (500 Millionen Euro) für einen deutschen Vermögensverwalter verwenden. „Mit 600 Millionen Franken ließe sich ein Vermögensverwalter mit 25 Milliarden Franken an Kundengeldern erwerben“, sagte Axel Schwarzer, der seit Mai 2011 für das Asset Management von Vontobel zuständig ist. Der Deutsche, der früher für die DWS tätig war, fährt gegenüber dieser Zeitung fort: „Das Fondsangebot von Vontobel ist stark spezialisiert. Diesen klaren Fokus wollen wir durch einen Zukauf stärken und nicht verwässern.“

Hanno Mußler Folgen:  

Zum 30. Juni steckten 54 Milliarden Franken in institutionellen Mandanten und der bewusst eher kleinen Vontobel-Fondspalette, die sich auf wenige Anlagen wie Aktienfonds mit globalen und Schweizer Unternehmen, auf Themen wie „saubere“ Technologien oder „große Namen“ und besondere Anleihen beschränkt. Ohne Zukauf will Schwarzer in fünf Jahren die verwalteten Kundengelder auf 80 Milliarden Franken steigern. Im von ihm als Bermudadreieck des Anlegers bezeichneten schwierigen Kapitalmarktumfeld, das gekennzeichnet sei mit niedrigen Zinsen, hohen Kursschwankungen und gleich gerichteter Kursentwicklung verschiedener Anlagen, hält er sogenannte Multi-Asset-Class-Strategien für die neue „Königsdisziplin“. „In diesen neuartigen Mischfonds und -mandaten, die in 14 verschiedenen Anlagekategorien wie Aktien, Anleihen und Edelmetallen investieren können, werden in fünf Jahren 20 Prozent aller unserer Kundengelder angelegt sein“, prognostiziert Schwarzer.

„Unsere Fondsmanager erhalten Freiräume“

Vorbilder von Multi-Asset-Class-Strategien sind Stiftungen der amerikanischen Universitäten Yale oder Stanford, aber auch Staatsfonds wie der norwegische Ölfonds, die in der Vergangenheit mit der Streuung ihrer Gelder auf verschiedene Wertpapierklassen recht erfolgreich waren. Für Schwarzer haben Multi-Asset-Class-Strategien dann besonderen Charme, wenn ihnen der Anleger einmal im Jahr ein striktes Risikobudget setzt. „Wir versuchen dann mit Hilfe von historischen Korrelationen zwischen den Wertpapierklassen, Marktanalysen und Wertpapierverkäufen zur Verlustbegrenzung die Portfolios so zu konstruieren, dass ein Kunde nicht mehr etwa 5 Prozent im Jahr verliert, selbst wenn der Markt noch stärker einbricht. Denn Pensionskassen zum Beispiel haben Verpflichtungen zu erfüllen und können sich kaum Verluste leisten“, sagt Schwarzer. Deshalb sei es wichtig, den Kunden vorab sagen zu können, welches Risiko sie eingingen für jedes Prozent Rendite.

Bei der Portfoliokonstruktion setzt Schwarzer auf Risikomanagement mit guter Software und eigenständigen Ideen seiner 290 Mitarbeiter im Asset Management. „Unsere Fondsmanager erhalten Freiräume, um eine Wertentwicklung unabhängig von der breiten Kapitalmarktentwicklung (Benchmarks) zu schaffen. Ein Chief Investment Officer, der für alle Fonds eine „Hausstrategie Vontobel“ vorgibt, passt auch nicht zur unternehmerisch geprägten Kultur unseres Hauses“, sagt Schwarzer. Ein ergänzender Vermögensverwalter müsste also auch kulturell zu Vontobel passen.

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Dass Vontobel überhaupt einen Zukauf in der Vermögensverwaltung anstrebt, ist derzeit eher außergewöhnlich. Viele schrumpfende Großbanken wie auch die Deutsche Bank haben in den vergangenen Monaten vergeblich versucht, ihre margenschwache Vermögensverwaltung zu verkaufen. Viele Großbanken hätten, anders als Vontobel, überlappende Strukturen zwischen der Beratung von vermögenden Privatkunden (Private Banking) und dem Asset Management, sagt Schwarzer. Er plädiert für eine klare Trennung: „Im Asset Management werden die Produkte zur Vermögensanlage hergestellt. Im Private Banking werden sie dann verkauft.“

Schwarzer geht anders als viele Banken offensiv damit um, dass „selbstverständlich auch Vontobel-Fonds in unseren Private-Banking-Depots plaziert werden“. Schließlich hätten sich die Kunden ja bewusst für die Expertise von Vontobel entschieden. „Kunden Fonds von anderen Anbietern zu verkaufen macht keinen Sinn, solange unsere eigenen Fonds gleich gut oder besser abschneiden“, sagt Schwarzer. Mit der Spezialisierung auf nur wenige Anlageklassen strebe Vontobel eine überdurchschnittliche Wertentwicklung an. „Angeboten werden Drittfonds nur, falls diese wesentlich bessere Renditen erwirtschaften oder für Anlagestrategien, die Vontobel nicht selbst abdeckt“, sagt Schwarzer.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 19.10.2012, 06:00 Uhr

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