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Notenbanken : Wenn die Zentralbank zum Großaktionär wird

Große Investitionen: Die Schweizer Nationalbank kauft Aktien im Wert von rund 120 Milliarden Franken. Bild: Reuters

Die Schweizer Nationalbank investiert stärker in Aktien und erhebt auf Hauptversammlungen ihre Stimme. Die Bank von Japan kauft ETFs. Einfluss auf Unternehmen üben sie nicht aus.

          Der jahrelange geldpolitische Kampf gegen die Aufwertung des Schweizer Frankens hat deutliche Spuren in der Bilanz der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hinterlassen. Die Bilanzsumme hat sich seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 versechsfacht. Ende 2015 betrug sie 640 Milliarden Franken, was ziemlich genau der Höhe des Schweizer Bruttoinlandsprodukts entsprach. Ausschlaggebend für die Aufblähung der Bilanz war der gewaltige Anstieg der Devisenanlagen auf 593 Milliarden Franken.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Dieser erfolgte in drei Wellen: Im Gefolge der Finanzmarktkrise waren sichere Anlagen schlagartig stark gefragt, so auch der Schweizer Franken. Auf dessen Erstarkung reagierte die SNB vom Frühjahr 2009 an unter anderem mit Interventionen am Devisenmarkt. Im Zuge der Schuldenkrise in Griechenland setzte abermals eine Fluchtwelle in den Franken ein, was die SNB im September 2011 dazu veranlasste, einen Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro einzuführen und diesen abermals mit Käufen am Devisenmarkt durchzusetzen.

          Unter dem Druck der Euroschwäche hob die Nationalbank den Mindestkurs Mitte Januar 2015 wieder auf. Trotz der parallel eingeführten Negativzinsen auf Sichtguthaben wertete der Franken schlagartig auf. Allein im vergangenen Jahr kaufte die SNB Devisen im Wert von 86 Milliarden, wobei der größte Teil auf die Zeit vor und nach der Aufhebung des Mindestkurses entfiel.

          Rechtlich kaum eingeschränkt

          Bei der Anlage des enormen Devisenbestands, der bis Ende Juni 2016 weiter auf 635 Milliarden Franken angeschwollen ist, ist die Schweizerische Nationalbank rechtlich kaum eingeschränkt. Genau wie kommerzielle Vermögensverwalter orientiert sie sich an den Kriterien Sicherheit, Liquidität und Ertrag, wobei die Liquidität im Vordergrund steht: Um jederzeit handlungsfähig zu bleiben, liegen mehr als zwei Drittel der Devisenreserven in liquiden ausländischen Staatsanleihen mit hoher Bonität.

          Im Dienste einer höheren Verzinsung investiert die SNB aber auch in immer größerem Stil in Aktien. Mitte 2016 gehörten ihr Aktien im Wert von rund 120 Milliarden Franken. Das entsprach einem Fünftel der gesamten Devisenreserven. Nach den Angaben im Geschäftsbericht ist die Nationalbank breit diversifiziert an rund 6700 Unternehmen beteiligt, von denen die meisten ihren Sitz in Industrieländern haben. Etwa 800 Beteiligungen hält sie in Schwellenländern.

          Investitionen in Schweizer Unternehmen sind tabu. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, hält sich die SNB überdies von den Aktien großer und mittelgroßer Banken und bankähnlicher Institute fern. „Zudem erwirbt die Nationalbank keine Aktien von Unternehmen, die international geächtete Waffen produzieren, grundlegende Menschenrechte massiv verletzen oder systematisch gravierende Umweltschäden verursachen“, heißt es im Geschäftsbericht.

          Große Investitionen in Amerika

          Die Anlegestrategen der Notenbank wählen keine Einzeltitel aus, sondern investieren entlang der gängigen Aktienindizes in verschiedenen Märkten und Währungsräumen. Die SNB äußert sich nicht dazu, welche Aktien sie genau hält. Aus einer Veröffentlichung der amerikanischen Börsenaufsicht SEC kann man aber zumindest sehen, wie stark die Schweizer in den Vereinigten Staaten engagiert sind.

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