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Schwarzbuch Börse Zertifikatekäufer: Hilflos dem Emittenten ausgeliefert?

08.02.2008 ·  Die Intransparenz des Zertifikatemarkts war Anlegerschützern von jeher ein Dorn im Auge. Für die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger haben sich die Verhältnisse weiterhin nicht verbessert.

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Der Zertifikatemarkt ist vom Ziel der Transparenz weiter entfernt denn je. Dies behauptet die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) in ihrem neuen Schwarzbuch Börse, das am Montag vorgestellt wird und das der FAZ bereits vorliegt.

„Die Emittenten haben ideale Rahmenbedingungen, um überdurchschnittliche Gewinnmargen zu erwirtschaften“, sagt der Vorstandsvorsitzende der SdK, Klaus Schneider. „Ein Produktvergleich durch die Kunden ist wegen der Unmenge an unterschiedlichen Strukturen und Basiswerten nicht möglich, und eine Regulierung des Marktes fehlt weitgehend.“

Abhängig vom Wohlwollen der Emittenten

So sei der Anleger auf Gedeih und Verderb vom Wohlwollen der Emittenten abhängig. „Die immer kompliziertere Strukturierung der bald 300.000 Produkte ermöglicht den Emittenten, sehr viele Kosten im Produkt zu verstecken“, sagt Schneider.

„Der Kunde kann überhaupt nicht nachprüfen, ob er fair behandelt wird, und eine neutrale Stelle, die es für ihn tut, gibt es auch nicht.“ Da auch die Berater in den Banken durch entsprechende Anreize für Zertifikate gewonnen werden konnten, würden diese immer mehr Privatanleger in entsprechende Produkte beraten.

Deutschland: Größter Zertifikatemarkt der Welt

Der Markt für Zertifikate ist in Deutschland mittlerweile auf ein Volumen von mehr als 140 Milliarden Euro gestiegen. Damit ist der Markt so groß wie nirgends sonst auf der Welt. Die Produkte werden überwiegend von Privatanlegern gekauft. Die SdK fordert daher eine klare Offenlegung der Kosten eines Zertifikats für den Kunden und die Einführung von Risikokennzahlen, damit der Kunde die Produkte besser einschätzen kann.

„Der Hinweis auf niedrige oder keine Ausgabeaufschläge und niedrige oder keine Managementgebühr durch die Emittenten erweckt sogar noch den Eindruck, die Produkte seien günstig“, sagt Schneider. „Zumindest müsste auf den Produkten ein deutlicher Warnhinweis stehen, dass die Preise der Zertifikate verdeckte Kursaufschläge enthalten können.“

Hilflose Käufer

Eine besondere Schwierigkeit sieht die SdK in der Machtballung bei den Emittenten der Produkte. Diese bestimmten die Produkteigenschaften, seien aber auch für die Festlegung der Preise, die Handelbarkeit der Produkte und je nach Produkt auch für die Bestimmung des dem Zertifikat zugrunde liegenden Basiswerts zuständig.

Damit würden essentielle Voraussetzungen für die Bestimmung eines fairen Preises der Produkte fehlen. „Der Zertifikatekäufer ist dem Preisdiktat der Emittenten hilflos ausgeliefert“, sagt Schneider.

Merkwürdige Häufung „technischer Probleme“

Zudem sei es für den Anleger Glücksache, ob er seine Produkte nach Wunsch wieder verkaufen kann. „Wenn der Emittent keine Kurse stellt oder nicht bereit ist zu handeln, wird der Anleger seine Produkte nicht los“, sagt Schneider.

So gab es zu Zeiten besonders großer Kursausschläge in den vergangenen Wochen zahlreiche Situationen, in denen die Emittenten keine Preise stellen konnten, oft mit Hinweisen auf technische Probleme. „Die Anbieter werfen ständig neue Produkte auf den Markt, ohne die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen, dass die Produkte auch in hektischen Marktphasen handelbar sind“, sagt Schneider. Die SdK fordert daher die Zusicherung einer permanenten Handelbarkeit der Zertifikate durch die Emittenten und bei Zuwiderhandeln spürbare Sanktionen.

Börsen biten keinen Vorteil

Auch von den beiden Zertifikatebörsen in Stuttgart und Frankfurt hält die SdK nicht viel. Diese seien teurer und langsamer als der direkte Handel mit den Emittenten und böten zudem keinerlei Vorteile gegenüber dem außerbörslichen Handel. Der Anleger werde nicht besser geschützt, und da der Emittent ohnehin die Preise unabhängig von Angebot und Nachfrage stelle, bekomme der Anleger an der Börse noch nicht einmal bessere Preise.

Zudem würden Emittenten ihnen unliebsame Handelsabschlüsse durch Mistrade-Anträge bei der Börse immer häufiger rückgängig machen können, da die Börse im Zweifel stets ihre großen Kunden protegiere.

Stuttgart wehrt sich

Die Börse Stuttgart widerspricht diesen Vorwürfen der Aktionärsvertretung. „Es gibt klare Regularien und solchen Anträgen wird nach einer Prüfung nur stattgegeben, falls die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind“, sagt Uwe Velten, Sprecher der Börse Stuttgart.

„Außerdem garantieren wir den Anlegern mit unserem Best-Price-Prinzip mindestens die Kurse wie direkt beim Emittenten, meistens bessere.“ Außerdem sei die Börse Stuttgart ein regulierter Markt mit einer Handelsüberwachung, die dem Anleger eine faire Behandlung garantiere.

Die Aktionärslobby beklagt mangelnde Transparenz bei diesen Finanzinstrumenten. Dies verhindert den Vergleich der verschiedenen Produkte.

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