Home
http://www.faz.net/-gvf-rz7m
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Schwarzbuch Börse Die aktuellen Maschen der Betrüger

07.02.2006 ·  Beteiligungssparpläne, Warentermingeschäfte, angebliche Hedgefonds und Phishing - das Anlageschutzarchiv zeigt, wie Betrüger versuchen, an das Geld argloser Kunden zu kommen. FAZ.NET dokumentiert Auszüge aus dem Schwarzbuch Börse.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Beteiligungssparpläne, Warentermingeschäfte, angebliche Hedgefonds und Phishing - das Anlageschutzarchiv zeigt, wie Betrüger versuchen, an das Geld argloser Kunden zu kommen. FAZ.NET dokumentiert Auszüge aus dem Schwarzbuch Börse.

Beteiligungssparpläne

Aktuell sehr in Mode sind Beteiligungssparpläne. Dabei werden den Kunden für die regelmäßige Einzahlung zumeist geringer Beträge Beteiligungen an diversen Produkten angeboten, zum Beispiel an Immobilien, Fonds oder an Unternehmen. Unseriöse Anbieter im Bereich der Beteiligungssparpläne werben zum einen häufig mit zwei- bis dreistelligen Renditen auf die zu finanzierenden Objekte.

Dabei handelt es sich oft um eine konkrete Unternehmensbeteiligung, beispielsweise ein neuer Golfplatz in Ostdeutschland oder eine Gewerbeimmobilie in Dubai. Der versprochene Planerfolg für die Anleger ist jedoch meist unrealistisch, da die Kosten der Projekte viel zu hoch sind. Zudem werden Kunden häufig nicht ausreichend über die Risiken einer Beteiligung an einem jungen Unternehmen aufgeklärt, genauso wenig wie über mögliche Schwierigkeiten bei der Veräußerung der Anteile. Zum anderen gibt es Beteiligungssparpläne, bei denen weder ein realistisches unternehmerisches Konzept noch Leistungsbilanzen der Initiatoren vorhanden sind.

Es handelt sich meist um sogenannte „Blind Pools“, das heißt, der Anleger weiß nicht, wie und in welcher Höhe seine Gelder konkret investiert werden. In vielen dieser Fälle handelt es sich von vornherein um modifizierte Schneeballsysteme. Das wesentliche Argument für eine Investition in einen Beteiligungssparplan ist in vielen Fällen die (vermeintliche) Möglichkeit der Steuerersparnis. Gerade Gering- und Durchschnittsverdiener lassen sich vom Gedanken, „dem Staat legal ein paar Euro aus der Tasche zu ziehen“, blenden. In der Realität hat aber gerade diese Anlegergruppe keine oder nur eine geringe Steuerprogression und somit auch überhaupt wenig Gelegenheit „zum Steuersparen“.

Das böse Erwachen kommt häufig erst dann, wenn das besparte Objekt niemals profitabel wurde und in Insolvenz geht. Dann kann das Finanzamt Steuersubventionen sogar rückgängig machen. Der Beteiligungssparplan ist die am häufigsten vertretene Anlageform am Grauen Kapitalmarkt. Wie Verbraucherzentralen mitteilen, beziehen sich etwa 80 Prozent der Anfragen auf derartige Angebote. Die geringen Einzahlungsraten machen diese Anlagen für jedermann zugänglich. Anleger sollten also immer dann aufmerksam werden, wenn der Berater nicht genügend Informationen zu dem zugrunde liegenden Objekt bereit hält. Auch bei übermäßigen Renditen, die in keinem Verhältnis zu dem offengelegten Risiko stehen, müssen Zweifel an der Seriosität des Angebotes auftreten.

Options- und Warentermingeschäfte

Eine Branche, die fast schon totgesagt war, erlebt derzeit eine Renaissance. Waren es früher Telefondrückerbuden, die auf Sammelkonten („Omnibuskonten“) das Anlegergeld in Gebühren ummünzten, ist die Branche heute sehr viel subtiler geworden. Grob unterteilt werden kann der Markt in zwei Arten von Anbietern, die reinen Vermittlerfirmen und die Hedgefonds.

Immer häufiger melden sich beim Anlageschutzarchiv Anleger, die viel Geld durch Termingeschäfte verloren haben. Die Gründe hierfür sind zum einen, daß der Privatanleger die Risiken der zugrunde liegenden Märkte zumeist nur sehr schlecht einschätzen kann, und damit der Handel mit den Terminkontrakten für ihn hoch spekulativ wird. Neben diesem hohen Risiko werden durch überhöhte Gebühren unseriöser Anbieter die Gewinnchancen der Anleger minimiert.

Dabei sind nach Unterlagen, die dem Anlageschutzarchiv vorliegen, bei vielen Anbietern die Gebühren immer noch exorbitant hoch: 10 Prozent Agio, eine Round-Turn-Kommission von 120 Euro je Kontrakt, selbstverständlich verbunden mit einer Gewinnbeteiligung, werden von gutgläubigen Anlegern bezahlt. Der Abwicklungsbroker befindet sich meist in den Vereinigten Staaten oder in England.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten ist das Vertragswerk, das der Anleger unterzeichnet, so geschickt gestaltet, daß eine rechtliche Durchsetzbarkeit von Ansprüchen sehr schwierig ist. Grundsätzlich aufpassen sollten Anleger, die eine Schiedsvereinbarung unterschreiben. Eine derartige Vereinbarung ist bei seriösen Anbietern unüblich und erschwert eine zivilrechtliche Geltendmachung von Ansprüchen. Besonders verdächtig machen sich Firmen, die als Schiedsrichter den „Deutschen Terminhandel Verband DTV“ akzeptieren. Dieser verlangt im Fall seines Eingreifens als Schiedsrichter derart hohe Gebühren, daß der Geschädigte schnell die Lust an einem Schiedsgericht verliert.

Hedgefonds

Hedgefonds unterscheiden sich von traditionellen Investment-Produkten wie Aktien- oder Rentenfonds in erster Linie dadurch, daß sie alle Arten von Finanzinstrumenten verwenden können - darunter Optionen oder Futures. Zudem können Hedgefonds Kredite aufnehmen. Hedgefonds sind für deutsche Anleger eine der „jüngsten“ Anlagemöglichkeiten aus dem Bereich Fonds. Anleger können in Deutschland lediglich Dach-Hedgefonds erwerben.

Die einzelnen Single-Hedgefonds sind für Privatanleger in der Regel nicht zugänglich, da sie keine Zulassung entsprechend der gesetzlichen Regelungen erhalten. Das hindert unseriöse Anbieter jedoch nicht, auch eigene Anlageprodukte unter dem Label „Hedgefonds“ beispielsweise auf Anlegermessen zu verkaufen. Oft sind diese „Fonds“ jedoch gar nicht zum Vertrieb zugelassen oder werden als geschlossene Fonds „quasi als Aktie“ über die Börse verkauft. Grundsätzlich sollten Anleger darauf achten, daß es sich bei dem angebotenen Produkt um einen in Deutschland zugelassenen Fonds handelt.

Phishing

Im Zeitalter zunehmender Bankgeschäfte im Internet müssen sich Internetuser, die ihre Bankkonten online führen, verstärkt auf gefälschte, betrügerische E-Mail-Benachrichtigungen zur Überprüfung der eigenen Bankkontendaten einstellen, dem sogenannten Phishing (siehe auch: Test-Ergebnisse: Onlinebanking). Dabei werden zunächst die Absenderadressen gefälscht und das Layout der E-Mail an das entsprechende Bank-Layout angepaßt, so daß beim Empfänger der Eindruck entsteht, eine E-Mail direkt von der eigenen Bank erhalten zu haben. Die E-Mails werden dann an willkürliche Empfänger mit der Bitte um einen „Datenabgleich“ oder eine „Sicherheitsaktualisierung“ für ihr Konto verschickt. Um möglichst viel an Seriosität vorzuspielen, werden dem User in der E-Mail sogar Sicherheitshinweise bzgl. betrügerischer E-Mails gegeben. In der E-Mail selbst wird man aufgefordert, einen weiterführenden Link anzuklicken. Der Link lautet - vertrauenerweckend - z.B. www.deutsche-bank.de.

Allerdings wird man danach auf eine nachgebaute fremde Webseite weitergeleitet, bei der das Seiten-Layout komplett von der dem Online-Kunden bekannten richtigen Bankseite übernommen wurde. Auf dieser gefälschten Webseite wird der Bankkunde wiederum aufgefordert, eigene Bankdaten wie Kontonummer, Geheimzahl (PIN) und zu guter Letzt eine unverbrauchte Transaktionsnummer (TAN) zum Abschluß des Vorgangs einzugeben. Mit diesen Daten verschaffen sich die Betrüger dann den Zugriff auf das Online-Konto, und die notwendige TAN zum „Abräumen“ des Kontos haben sie auch.

Grundsätzlich fragen Banken unter keinen Umständen vertrauliche Informationen wie Kontonummer, PIN oder TAN per E-Mail ab. Solche Daten sollten nur auf der normalerweise für das Homebanking genutzten Seite eingegeben werden. Außerdem versenden Banken in der Regel keine Link-Adressen für das Online-Banking per E-Mail. Die entsprechende Internetseite sollte immer direkt angewählt werden. Bei Erhalt einer derartigen Benachrichtigung sollte immer die eigene Bank informiert werden. Um sicher zu gehen, daß man sich auf der richtigen Internetseite befindet, sollte man das Seitenzertifikat und die Verschlüsselung kontrollieren. Eine sichere Verbindung ist dadurch gekennzeichnet, daß die Internetadresse mit https:// (für sichere Verschlüsselung) beginnt (siehe auch: Tips für Onlinebanking).

Quelle: FAZ.NET/Schwarzbuch Börse
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012
Tops & Flops Fonds Kurs Prozent

DWS Biotech Typ O

75,52 € +31,82 %

ESPA STOCK BIOTEC (T)

167,62 € +30,20 %

Allianz Biotechnologie A (EUR)

70,37 € +23,40 %

SEB Concept Biotechnology B

41,83 € +23,39 %

M&G Japan Smaller Companies Fund A

12,20 € +22,86 %

Delta Lloyd L New Energy Fund B

3,10 € −42,94 %

Earth Exploration Fund UI (EUR R)

34,94 € −45,89 %

Craton Capital Precious Metal Fund A

180,26 $ −48,05 %

KEPLER Öko Energien (T)

35,95 € −48,35 %

LUXEMBOURG SELECTION FUND - Asian Solar & Wind Fund A1

32,40 € −61,16 %
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%