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Schwarzbuch Börse 2009 Anlegerschützer attackieren Unternehmen

04.02.2009 ·  Alljährlich berichtet die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger SdK über die schlimmsten Fälle von Missachtung von Aktionärsrechten. Herausgekommen ist auch diesmal wieder ein Potpourri von Dreistigkeit, Inkompetenz und schlechten Manieren.

Von Joachim Jahn
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Eine ganze Reihe von Aktiengesellschaften hat die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) in ihrem jüngsten „Schwarzbuch Börse“ aufs Korn genommen. Auch die Prognosen von Analysten lagen nach dem Fazit der Aktionärsschützer dermaßen daneben, dass sie diese in einem eigenen Kapitel anprangern. Einen besonderen Stellenwert nimmt abermals die Zertifikateindustrie ein, deren Vorstoß für mehr Transparenz der Verein als „Mogelpackung“ geißelt.

Stiller in eigener Sache

In eigener Sache bleibt die SdK allerdings auffällig still: Als im vergangenen Juli ein führendes Mitglied in den Verdacht der Kursmanipulation geriet, sagte die Vereinigung eine vorher geplante Pressekonferenz ab. Seither ist die SdK-Spitze nicht mehr persönlich vor die Medien getreten, um über den Stand der Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Allfinanzaufsicht Bafin gegen ihren bisherigen Vize-Vorsitzenden Markus Straub zu berichten. Dieser hatte damals eingeräumt, seit längerer Zeit Verkaufsoptionen auf das Zahlungsunternehmen Wirecard zu halten, deren Kurs durch massive Kritik der SdK unter Druck geraten war.

Kapitalvernichter Infineon und Conergy

Im Leitindex Dax hat der Verein etwa den Halbleiterhersteller Infineon als Sündenbock ausgemacht. Dessen Aktien seien durch jahrelanges Missmanagement und Überkapazitäten bei seiner mittlerweile insolventen Tochtergesellschaft Quimonda zum Pennystock degradiert worden und hätten damit einen traurigen Rekord aufgestellt.

Als Kapitalvernichter bezeichnet die SdK überdies das Solarunternehmen Conergy und das Kommunikationsunternehmen Freenet. Freenet-Chef Eckhard Spoerr habe die „Heuschrecke“ Permira zu Hilfe geholt, als ihn seine Großaktionäre hätten stürzen wollen - dennoch sei die Aktie zeitweise um mehr als 80 Prozent im Kurs eingebrochen. „Jede Menge Skandale“ habe es aber auch bei kleineren Unternehmen gegeben, etwa dem Öldienstleister C.A.T. Oil.

Zertifikate-Schrott

Der Zertifikatebranche hält die SdK vor: „Es wäre naiv zu glauben, die Industrie könnte selbst für zufriedenstellende Transparenz sorgen - sie ist ja selbst für die meisten Missstände verantwortlich.“ Nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers befinde sich diese in einer tiefen Vertrauenskrise.

Die Anlegerschützer bezweifeln aber die Aussagekraft und Unabhängigkeit der Ratingnoten, die seither vergeben werden. „Fünf Sterne für Schrott“ gebe es, heißt es in dem Schwarzbuch dazu, dass ein Garantiezertifikat diese Höchstnote auch dann erhalten könne, wenn es nur für höchst spekulative Investoren geeignet sei.

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Jahrgang 1959, Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

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