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Schwache wirtschaftliche Entwicklung Amerikanische Investoren befürchten Deflation

03.08.2010 ·  Der Anleihefachmann Bill Gross und prominente Kollegen stellen ihre Portfolios auf eine Periode fallender Preise ein. Die Strategien der Fondsmanager unterscheiden sich jedoch.

Von Norbert Kuls, New York
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Große Investoren an der Wall Street stellen sich auf eine andauernde Periode fallender Preise (Deflation) und einer schwachen wirtschaftlichen Entwicklung ein. Der bekannte Fondsmanager Bill Gross von der kalifornischen Rentenfondsgesellschaft Pimco, die zur Münchner Allianz gehört, und mehrere prominente Konkurrenten haben deswegen in den vergangenen Wochen die Portfolios ihrer Fonds auf eine möglicherweise drohende Deflationsphase hin umgebaut.

Die Profianleger begründen das mit schwachen Wachstumsdaten und einer zunehmenden Abneigung gegen weitere staatliche Konjunkturprogramme unter Politikern. „Deflation ist nicht nur ein Thema intellektueller Neugier, es geschieht gerade“, sagte Gross dem „Wall Street Journal“. Gross verwaltet den Pimco Total Return Fund und damit den mit einem verwalteten Vermögen von 239 Milliarden Dollar größten Rentenfonds der Welt. Der als eine Art Anleihe-Guru geltende Gross sprach von einem leichten Rückgang der amerikanischen Verbraucherpreise in den vergangenen zwei Jahren. „Es ist eine unsichere Welt, die sich zur Deflation neigt“, sagte er.

Rekordtief von 0,539 Prozent

Als Deflation wird ein allgemeiner Preisverfall bezeichnet, der zu Zurückhaltung von Unternehmen und Verbrauchern bei Investitionen und Ausgaben führen kann. Die Folge wären sinkende Unternehmensgewinne und nachlassendes Wirtschaftswachstum – beides sind für sich genommen schlechte Entwicklungen für den Aktienmarkt.

Das Thema Deflation war an den Finanzmärkten in der vergangenen Woche auch wegen eines Artikels des Präsidenten der regionalen Notenbank von St. Louis, James Bullard, aufgekommen. Bullard argumentierte darin, dass die Vereinigten Staaten näher an einer Deflation wie im Japan der neunziger Jahre seien als in jeder anderen Phase ihrer jüngsten Geschichte. Die Notenbank Fed solle daher bereit sein, notfalls mit dem Kauf von Staatsanleihen gegenzusteuern, um für zusätzliche Liquidität zu sorgen. Das amerikanische Bruttoinlandsprodukt war im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 2,4 Prozent gewachsen – nach 3,7 Prozent im ersten Quartal. Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen fielen in Reaktion auf diese Nachricht. Die Rendite von Anleihen mit einer Laufzeit von 2 Jahren sank am Freitag zeitweise auf ein Rekordtief von 0,539 Prozent.

Für amerikanische Privatanleger wird es angesichts des niedrigen Zinsniveaus zunehmend schwieriger, attraktive Anlagen zu finden. Amerikanische Banken haben die durchschnittlichen Zinsen für Festgeld mit einer Laufzeit von 1 Jahr in der vergangenen Woche auf ein neues Rekordtief von 0,67 Prozent gesenkt, heißt es beim Informationsdienst Bankrate.com. Die große Bank of America hatte zudem die Zinsen für längerfristige Festgeldverträge zurückgenommen. Andere Kreditinstitute dürften ihr folgen.

Gross empfiehlt Anlegern angesichts drohender Deflation auf Anlagen mit „relativ sicheren“ Mittelzuflüssen zu setzen. Dazu zählen Aktien mit stabiler Dividende und Anleihen von Qualitätsunternehmen, die nicht ausfallgefährdet sind. Gross hat für Pimco in den vergangenen Wochen aggressiv amerikanische Staatsanleihen gekauft. Mittlerweile besteht mehr als die Hälfte des von ihm verwalteten Total Return Fund aus amerikanischen Staatspapieren; Ende März war es nur ein Drittel gewesen. Anleiheinvestoren profitieren von steigenden Preisen dieser Wertpapiere, wenn die Zinsen fallen.

Aggressive Gegenmaßnahmen

„Die amerikanische Wirtschaft muss stärker wachsen als 2 Prozent, um Deflation zu vermeiden, und wir befinden uns genau in diesem Bereich“, sagt Alan Fournier, der mit dem Hedge-Fonds Pennant Capital 4 Milliarden Dollar verwaltet. Fournier fürchtet, dass amerikanische Politiker wegen der zunehmenden Kritik an der Staatsverschuldung zunächst von weiteren Konjunkturprogrammen absehen könnten. Er glaubt aber auch, dass die Abgeordneten und die Notenbanker wie zuletzt während der Finanzkrise letztlich aggressive Gegenmaßnahmen einleiten werden. Aber der Aktienmarkt müsse erst deutlich nachgeben, um diese Maßnahmen zu rechtfertigen. Um sich dagegen abzusichern, kauft Fournier börsennotierte Fonds, deren Anteilspreise steigen, wenn die Börse fällt.

Der Fondsmanager David Tepper von der Hedge-Fonds-Gesellschaft Appaloosa Management hat unterdessen 70 Prozent seines 15-Milliarden-Dollar-Portfolios in Anleihen von Banken und Unternehmen investiert, die mittelprächtige Bonitätsnoten wie „BB“ oder „BBB“ besitzen. Damit erhält er vergleichsweise hohe Zinszahlungen. Gleichzeitig sind diese Anleihen verglichen mit spekulativeren Ramschpapieren noch relativ sicher.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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