http://www.faz.net/-gv6-76789

Schlechte Wertentwicklung : Hedgefonds enttäuschen ihre Anleger

Unter Insiderverdacht: Steven Cohen Bild: REUTERS

Globale Hedgefonds hängen den Aktienmärkten seit geraumer Zeit hinterher. Privatanleger und institutionelle Investoren verlieren das Vertrauen. Die Wertentwicklung ist aber nicht der einzige Grund für den Abzug von Geldern.

          Hedgefonds versprechen ihren gut betuchten Anlegern wegen überaus flexibler Anlagestrategien in der Regel für alle Marktlagen überdurchschnittliche Renditen. Dieses hehre Versprechen hat die Branche in den vergangenen Jahren aber nicht gehalten. Die Kunden der Fonds, reiche Privatanleger und institutionelle Investoren wie Pensionskassen oder Versicherer, beginnen nun das Vertrauen in die hochbezahlten Anlageprofis zu verlieren.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Im Dezember haben Anleger jedenfalls soviel Geld aus den Fonds abgezogen wie seit drei Jahren nicht mehr. Nach Schätzungen der auf die Verwaltung von Hedgefonds spezialisierten Gesellschaft SS&C Globe Op beliefen sich die Nettoabflüsse der Fonds im Dezember auf knapp 3 Prozent des insgesamt verwalteten Vermögens. Zudem haben viele Kunden die Fonds darüber informiert, dass sie ihre Gelder in Zukunft abziehen wollen. Im Gegensatz zu regulären Investmentfonds können die Kunden bei Hedgefonds ihre Anteile nicht börsentäglich zurückgeben. In der Regel ist das nur jedes Vierteljahr möglich.

          Einer der zuletzt größten Stars der Branche versagte

          Die Abflüsse sind die deutliche Quittung für mäßige bis unterdurchschnittliche Renditen. Gemessen am Branchenbarometer HFRX Global Hedge Fund Index haben Hedgefonds im vergangenen Jahr durchschnittlich nur 3,5 Prozent Gewinn gemacht. Seit Anfang dieses Jahres liegen die Fonds um knapp 2 Prozent im Plus. Diese Resultate verblassen im Vergleich zur positiven Entwicklung der globalen Aktienmärkte. Der globale Aktienindex MSCI World gewann 2012 um mehr als 13 Prozent an Wert. In diesem Jahr sind die Kurse schon um mehr als 5 Prozent gestiegen.

          Bilderstrecke

          Einer der zuletzt größten Stars der Branche versagte im Jahr 2012 abermals. Die größten Fonds des vor fünf Jahren mit Wetten auf fallende Häuserpreise reich und berühmt gewordenen John Paulson schafften es im vergangenen Jahr wieder nicht in die Gewinnzone. Sein Advantage Fund verlor rund 14 Prozent an Wert. Der Advantage Plus, der mit einem Kredithebel arbeitet, vernichtete knapp 22 Prozent des verwalteten Vermögens.

          Die Gesamtanlagen von Paulson & Co. sind angesichts der Verluste von einst 36 Milliarden Dollar auf weniger als 20 Milliarden Dollar geschmolzen. Auch Geldabflüsse trugen zu diesem Trend bei. Die Citi Private Bank, die auf vermögende Privatkunden spezialisierte Sparte des Finanzriesen Citigroup, zog im vergangenen Jahr 410 Millionen Dollar aus den Paulson-Fonds ab. Zu den Gewinnern des vergangenen Jahres gehörten Fonds, die auf notleidende Hypothekenanleihen spezialisiert sind. Dieses Marktsegment, das im Zentrum der Finanzkrise vor viereinhalb Jahren gestanden hatte, erholte sich im vergangenen Jahr wieder deutlich - parallel zu den steigenden Häuserpreisen in Amerika. Der Distressed Mortgage Fund der brasilianischen Investmentbank BTG Pactual war mit einem Plus von 46 Prozent der beste Hedgefonds, in den Kunden der HSBC Private Bank investieren. Im Gegensatz zu John Paulson schnitten auch andere Wall-Street-Größen überdurchschnittlich gut ab. Der von Daniel Loeb gemanagte Third Point Ultra Fund verbuchte einen Gewinn von 35 Prozent. Mit einem Gewinn von 29 Prozent folgte der Palomino Fund von David Tepper, der in den vergangenen Jahren zu den Spitzenverdienern der Branche gehört hat.

          Cohen lässt sich keine Nervosität anmerken

          Steven Cohen, der Gründer von SAC Capital, bescherte seinen Investoren im vergangenen Jahr eine Rendite von 12 Prozent - womit 2012 nicht zu seinen besten Jahren zählte. Auch bei Cohen werden Investoren nervös, allerdings aus einem anderen Grund. Cohen steht wegen zahlreicher Urteile und Anklagen gegen ehemalige Mitarbeiter unter Druck. Die Vorwürfe lauten auf illegalen Insiderhandel. Cohen bestreitet jegliches Fehlverhalten und bis jetzt gibt es auch keine konkreten Vorwürfe.

          Dies hat die Privatbank der Citigroup allerdings nicht davon abgehalten, in der vergangenen Woche 187 Millionen Dollar abzuziehen. Das ist zwar wenig im Vergleich zum Gesamtvermögen von 14 Milliarden Dollar, das SAC verwaltet. Aber die Citi ist nicht der erste Investor, der deswegen nervös wird. Im Dezember hatte schon der Vermögensverwalter Titan Advisors, ein langjähriger Investor von SAC, wegen des Risikos negativer Schlagzeilen alle Gelder abgezogen. Auch die französische Bank Société Générale hatte Anlagen von Kunden ihrer Vermögensverwaltung Lyxor von SAC Capital gekündigt.

          Der verschwiegene Milliardär Cohen lässt sich unterdessen keine Nervosität anmerken. Erst in der vergangenen Woche nahm er an einer Podiumsdiskussion beim Weltwirtschaftsforum in Davos teil. Aber er trifft Vorsorge. Die Mitarbeiter von SAC erhalten in diesem Jahr einen höheren Bonus, damit sie nicht auf die Idee kommen, zu einem anderen Arbeitgeber zu wechseln.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Merkel vor vierter Amtszeit : Die ewige Kanzlerin

          An diesem Sonntag wird Angela Merkel aller Voraussicht nach für ihre vierte Legislaturperiode gewählt. Und spätestens am Montag beginnt die Nachfolgedebatte und die CDU hat ein Problem.
          Stürmische Zeiten: Theresa May muss in Florenz versuchen, ihre Partei und die EU zufrieden zu stellen.

          Brexit-Rede : Theresa Mays italienischer Spagat

          Die britische Premierministerin Theresa May will in einer Rede in Florenz ihre Brexit-Politik erklären. Darin muss sie sowohl die EU als auch ihre Basis zufriedenstellen, um die Partei zu beruhigen.

          Bundestagswahl : Russland rechnet mit Merkel

          In Moskau wird über die Bundestagswahl in viel milderem Ton gesprochen, als über die Präsidentenwahlen in Amerika und Frankreich. Man will Berlin schließlich wieder als Partner gewinnen.
          Will aufrüsten: Irans Präsident Ruhani

          Streit um Atomabkommen : Iran droht Aufrüstung an

          Iran werde niemanden um Erlaubnis bitten, wenn es um seine Verteidigung gehe, sagt Präsident Rohani. Die Ankündigung wirkt wie Öl ins Feuer inmitten eines aufgeflammten Streits um das Atomabkommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.