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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Schiffsbeteiligungen Immer tiefer in der Krise

 ·  Das Segment der Schiffsbeteiligungen ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Das Emissionsgeschäft ist erlahmt. Nun wird eine Sanierungsrunde für angeschlagene Fonds befürchtet.

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© dpa Die Krise der Schiffsbeteiligungen zeigt sich deutlich in der sinkenden Zahl der Neuemissionen

Anleger, die sich an Schiffsfonds beteiligt haben, müssen sich auf weiterhin schlechte Nachrichten einstellen. Viele dieser Produkte können nicht die ursprünglich in Aussicht gestellten Ausschüttungen ausbezahlen. Die Krise der Schiffsbeteiligungen zeigt sich besonders deutlich in der Zahl der Neuemissionen. Im Mai kam das erste neue Angebot in diesem Jahr auf den Markt. Es war bezeichnenderweise ein Touristikschiff und nicht wie bei vielen anderen Angeboten der Vorjahre die Beteiligung an einem Containerschiff. Ein Kreuzfahrtschiff ist in der Konzeption.

Damit ist das Segment der Schiffsbeteiligungen weitgehend zum Erliegen gekommen. Im vergangenen Jahr konnten 21 Initiatoren 30 verschiedene Fonds plazieren, berichtet die Ratingagentur Scope in einer Studie. Im Jahr 2007, dem besten Jahr aus Sicht der Fondsbranche, plazierten 49 Initiatoren 150 Schiffsfonds. Im zweiten Quartal des vergangenen Jahres konnte die Branche 78,9 Millionen Euro Eigenkapital bei den Anlegern aufnehmen, geht aus den Branchenzahlen des Verbands Geschlossene Fonds (VGF) hervor. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es nur 26 Millionen Euro - ein Rückgang um gut zwei Drittel.

Vordergründig ist es die Verlangsamung der Weltkonjunktur, die diese Produktklasse getroffen hat. Auch haben sich in manchen Fällen die Prognosen für den Euro-Dollar-Wechselkurs nicht erfüllt - mit manchmal katastrophalen Folgen für den Fonds. Allein in den vergangenen drei Jahren hat der Euro-Kurs in mehreren Wellen zwischen etwa 1,50 Dollar und weniger als 1,20 Dollar geschwankt.

Tatsächlich haben viele Fondsinitiatoren zu optimistisch gerechnet und auch dann noch Beteiligungen auf den Markt gebracht, als die Marktsättigung schon längst erreicht war. Die Überkapazitäten im Frachtbereich mit dem entsprechenden Preisdruck machen nun der gesamten Branche zu schaffen. Im laufenden Jahr würden praktisch alle Schifffahrtsmärkte unter Druck bleiben, sagte Burkhard Lemper, Professor am Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik, in einer Kundenpublikation der Deutschen Bank.

Die Kanzleien bringen sich in Position

Im Segment der Schiffsfonds kommen viele Fondsinitiatoren zudem aus der Schifffahrtsbranche selbst. Sie suchen nicht zunächst Eigenkapital, um dann gemeinsam mit den Anlegern ein Schiff zu erwerben. In der Regel haben sie das Schiff längst auf eigene Rechnung bauen lassen und verdienen besonders dann gut an einem Schiffsfonds, wenn es ihnen gelingt, ihr Schiff zu einem hohen Preis an den Fonds zu verkaufen.

Nun bringen sich die ersten Kanzleien, die sich auf Anlegerschutz spezialisiert haben, in Position. Die Ansatzpunkte, die diese Anwälte für Schadensersatzforderungen ins Feld führen, sind eine angeblich fehlerhafte Anlageberatung oder mangelhafte Angaben im Verkaufsprospekt. Die Argumente sind gut eingeübt. Denn viele Käufer von Schiffsfonds machen zum zweiten Mal eine derartige Krise durch. Allein im ersten Quartal vergangenen Jahres mussten die Anleger 41,6 Millionen Euro frisches Eigenkapital nachschießen, um angeschlagene Schiffsfonds vor dem endgültigen Aus zu bewahren. Von Anfang 2011 bis Ende März dieses Jahres beliefen sich die Eigenkapitalerhöhungen laut VGF auf 123,7 Millionen Euro.

Die Ratingagentur Scope sieht schon erste Zeichen für eine weitere Sanierungswelle. „Das bedeutet, dass Fonds, die bereits von ihren Anlegern zusätzliches Kapital gefordert haben, um eine Insolvenz abzuwehren, dies nun ein zweites Mal tun müssen“, heißt es in der Studie. „Die Gründe dafür müssen dann jeweils in der ersten Sanierungsrunde gesucht werden.“ Es sei dann zu knapp oder zu optimistisch kalkuliert worden.

Nach den Negativerlebnissen mit Medienfonds, Infrastrukturprojekten, Lebensversicherungsfonds oder auch dem Riesenradprojekt werden die Anleger mit geschlossenen Beteiligungen ein weiteres Mal von einer schweren Krise getroffen. Gut verkaufen lassen sich in nennenswerten Größenordnungen fast nur noch geschlossene Beteiligungen an in Deutschland gelegenen Immobilien. Viele Fondsinitiatoren ziehen aus den negativen Schlagzeilen Konsequenzen und geben den Vertrieb an Privatanleger komplett auf, um sich künftig weitgehend auf institutionelle Großanleger zu beschränken.

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