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Schiffsfonds : Anleger und Banken in schwerer Seenot

Die Krise der Schifffahrt geht weiter und bereitet Anlegern wie auch den Banken Verluste. Bild: dpa

Auch nach acht Jahren Krise in der Schifffahrt ist kein Ende in Sicht. Fondsanlegern droht der Totalverlust. Und Banken müssen viel für faule Kredite vorsorgen. Selbst dann, wenn Schiffskredite nur einen kleinen Teil ihres Kreditbuches ausmachen.

          Die Krise der Schifffahrt spitzt sich immer weiter zu. Und das trifft nicht nur die Reedereien ins Mark, sondern auch Tausende Anleger, die Frachter der Schifffahrtsgesellschaften über geschlossene Fonds maßgeblich mitfinanziert haben. Nach Schätzung der Deutschen Fondsresearch sind seit Beginn der Krise vor mittlerweile acht Jahren mehr als 400 Fondsschiffe in die Insolvenz gefahren. Mehrere hundert Schiffe wurden zudem durch Notverkäufe losgeschlagen.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine Besserung ist nicht in Sicht, denn die Transportpreise für Container (Frachtraten) und die Mietpreise für Handelsschiffe (Charterraten) sind im freien Fall. „Die Situation in der Schifffahrt ist so schwierig wie noch nie“, sagt der Hamburger Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann, der schon etliche zahlungsunfähige Fonds abgewickelt hat: „Ein kurzfristiger Aufschwung ist nicht ersichtlich.“

          Grund für die Krise, die seit mehr als acht Jahren andauert, ist das gewaltige Überangebot an Tonnage. Hinzu kommt die schwächelnde Weltwirtschaft, welche die Nachfrage nach Containertransporten im Moment stark belastet. In der Folge sind die Raten so stark gesunken, dass die Einnahmen nicht einmal reichen, um die Betriebskosten zu decken und den Kapitaldienst zu leisten. Auch die Schiffswerte sind dramatisch gefallen und liegen in vielen Fällen nur knapp über dem Schrottpreis. Da ein Verkauf der Schiffe dann kaum noch lohnt, landen etliche Frachter schon nach wenigen Betriebsjahren auf den Abwrackstränden in Indien oder Bangladesch. „Inzwischen werden Containerschiffe verschrottet, die gerade einmal gut zehn Jahre alt sind“, sagt Brinkmann. „Das ist ein echtes Alarmsignal.“

          Gewaltiges Überangebot an Tonnage

          Zusätzlicher Druck kommt durch die Konsolidierung der Linienreedereien wie Maersk, CMA CGM oder Hapag-Lloyd. Diese reagieren mit Fusionen und Übernahmen auf die Krise, denn wenn sie ihre Routen zusammenlegen und die Flotten gemeinsam steuern, können sie ihre Frachter besser auslasten und dadurch Kosten sparen. Für die Schiffsvermieter (Charterreeder), die in Deutschland den Großteil der Branche repräsentieren, ist das ein Problem. Denn sie bekommen von den Linien etliche Mietschiffe zurück, die fortan nicht mehr gebraucht werden. Und genau solche Schiffe stecken zu Tausenden in den geschlossenen Schiffsfonds, denen oft nur die Insolvenz bleibt.

          Dass dieser Trend sich umkehrt, ist nahezu ausgeschlossen: „Die Kräfteverhältnisse in der Schifffahrt haben sich zu Ungunsten der deutschen Charterreedereien verschoben“, sagt Oliver Faak, der die Schiffsfinanzierung der Nord LB leitet. Zwar gibt es im Markt für Tanker und Schüttgutfrachter eine leichte Erholung. In der Containerschifffahrt dürften die Raten aber auch 2017 am Boden bleiben. Denn im nächsten Jahr laufen zahlreiche neue Großschiffe vom Stapel, die das Überangebot trotz der vielen Verschrottungen noch verschärfen werden. Außerdem gilt die alte Faustregel nicht mehr, wonach die Containertransporte mindestens doppelt so stark wachsen wie die Weltwirtschaft. Zuletzt lag das Wachstum sogar unter dem Plus der Wirtschaftsleistung: „Die globale Verflechtung wird wieder ein Stück weit zurückgedreht“, sagt Faak.

          Bild: F.A.Z.

          Für deutsche Anleger, die in der Hoffnung auf stetige Zuwächse viele Milliarden Euro in Schiffsfonds investiert haben, sind die Folgen dramatisch. In vielen Fällen droht der Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die Commerzbank hat wegen des vielen Ärgers den Verkauf von geschlossenen Fonds an Privatkunden inzwischen vollständig eingestellt, nachdem sie ihn 2011 schon auf Privatkunden mit mindestens 250 000 Euro liquidem Vermögen beschränkt hatte. Aber nicht nur die Anleger, auch die schiffsfinanzierenden Banken haben zu kämpfen. Wegen der wachsenden Gefahr von Kreditausfällen müssen sie viele Millionen Euro in die Risikovorsorge stecken.

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