http://www.faz.net/-gv6-1648p

Sammlerstücke : Die Gitarre als Liebhaberstück und Geldanlage

  • -Aktualisiert am

Der Wert liegt im Detail Bild: REUTERS

Was früher „alt“ war, ist heute „Vintage“ und verspricht hohe Renditen. Auf der ganzen Welt suchen Experten für Anleger nach elektrischen Gitarren, mal weil sie Wertsteigerungen, mal weil sie großen Genuss versprechen.

          Nach 20 Jahren war Wolfgang Eistert die Suche leid - die Suche nach dem heiligen Gral. „Ich war einfach müde“, sagt er. Bis 2007 führte Eistert ein Gitarrengeschäft in der Nähe von Heidelberg, das einzige in Deutschland, das ausschließlich mit alten Instrumenten handelte. Vor allem in Amerika spürte er wertvolle Gitarren auf und vermittelte sie an Investoren in ganz Europa. Denn was früher „alt“ war, ist heute „Vintage“, eine Bezeichnung für Sammlerstücke, - und verspricht hohe Renditen.

          Historische Musikinstrumente als Geldanlage stellen eine lukrative Alternative zu Aktien oder Immobilien dar - aber auch eine mit hohem Risiko. „Vintage-Gitarren als Investition kann ich in jedem Fall empfehlen, aber mit allergrößter Vorsicht“, sagt Eistert. Nach seiner Schätzung seien nur zehn bis 15 Prozent der auf dem Markt gehandelten Instrumente original. Zuletzt sei er nur noch mit der Erstellung von Expertisen und Gutachten beschäftigt gewesen, sagt Eistert.

          Markt hat konsolidiert

          Er suchte vor allem nach Gitarren der Marken Gibson und Fender aus den fünfziger und sechziger Jahren - aus der goldenen Ära der Instrumentenherstellung, bevor Großkonzerne die amerikanischen Gitarrenbauer aufkauften und die Produktionskosten drückten - zu Lasten der Qualität. So wurde etwa eine Gibson Les Paul aus dem Jahr 1960 im April 2009 vom New Yorker Auktionshaus Christie's für 182.500 Dollar versteigert. Diese ging einst für weniger als 300 Dollar über den Ladentisch. Eine Les Paul aus dem Baujahr 1959, von denen lediglich 1800 Stück gebaut wurden, ist heute sogar zwischen 200.000 und 300.000 Dollar wert.

          Der Wert liegt im Detail Bilderstrecke
          Sammlerstücke : Die Gitarre als Liebhaberstück und Geldanlage

          Das amerikanische Fachmagazin „Vintage Guitar“ veröffentlicht jährlich einen Index, indem je 14 Gitarren der Marken Fender, Gibson und Martin zusammengefasst sind. Waren die 42 Gitarren im Jahr 1991 zusammen 153.725 Dollar wert, stiegen sie jährlich um durchschnittlich 9,7 Prozent im Wert bis auf knapp eine Million Dollar im Jahr 2008. Seitdem geht es jedoch abwärts, rund 800.000 Dollar sind die 42 Gitarren derzeit noch wert.

          „Der Markt war überhitzt, jetzt sind wir wieder auf einem gesunden Niveau angekommen“, sagt Johannes Döbertin, Mitinhaber und Geschäftsführer des Hamburger Musikhauses „No.1 Guitar Center“, einem der ersten Geschäfte in Deutschland, das sich auf den Verkauf von elektrischen Gitarren aus Amerika spezialisierte. „Wer vor zwei Jahren eine dieser Gitarren gekauft hat, kann sie heute nur mit Verlust wieder loswerden“, sagt Döbertin, der jedoch langfristig wieder eine Wertsteigerung erwartet.

          Nostalgie der Babyboomer

          Die Hälfte des Umsatzes machen Döbertin und sein Geschäftspartner Thomas Weilbier heute mit Vintage-Gitarren. Vor Jahren spielten sie mit der Idee, einen Gitarren-Fonds aufzulegen und verhandelten schon mit Banken. „Aber der Markt ist sehr begrenzt“, sagt Döbertin. Nur sehr wenige würden den Erwerb einer solchen Gitarre als reine Geldanlage betrachten - die meisten Käufer seien Sammler und Liebhaber, die sich einen Jugendtraum erfüllten.

          Die Akteure auf dem Markt der Vintage-Gitarren sind die Mitglieder der Babyboom-Generation. Sie wollen besitzen, was einst ihre Idole auf der Bühne spielten, und sind bereit, dafür hohe Preise zu bezahlen. „Diese Gitarren haben eine ganze Ära geprägt“, sagt Simon Gauf, Co-Autor des Buches „Die große Gibson Les Paul Chronik“ und früherer Produktmanager von Gibson. „Sie sind ein Stück Zeitgeschichte.“

          Weitere Themen

          Bitcoin erreicht neues Allzeithoch

          Kryptowährung : Bitcoin erreicht neues Allzeithoch

          Die Digitalwährung Bitcoin hat nach dem Start eines neuen Finanzprodukts weiter an Wert gewonnen. Inzwischen liegt der Kursanstieg seit Jahresbeginn bei mehr als 1700 Prozent.

          Topmeldungen

          Kooperationsmodell : Die Rettung für die SPD?

          Mit einem Kooperationsmodell will SPD-Chef Martin Schulz das Dilemma lösen, nicht regieren zu wollen, aber wohl zu müssen. Für die Genossen hätte dieses Experiment tatsächlich viel Charme – aber was ist mit Angela Merkel? Eine Analyse.
          Der Hersteller Poundland soll sich mit seinen „Twin Peaks“ zu sehr am Schweizer Original orientiert haben.

          FAZ Plus Artikel: Rechtsstreit um Schokoriegel : Das ist der Gipfel!

          Eine Billig-Kette hat in Großbritannien einen zackigen Riegel herausgebracht, der dem von Toblerone sehr ähnelt. Den Markenschutz des Originals hatte dessen Hersteller zuvor selbst torpediert – aus einem in der Branche üblichen Grund.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.