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Veröffentlicht: 04.03.2013, 20:55 Uhr

S&K Gier nach hohen Renditen

Das Vorgehen von S&K zeigt, wie leicht Anleger mit unrealistischen Versprechen gelockt werden können. Hier ist es den Anbietern offenbar gelungen, zumindest indirekt Sparda-Banken und Sparkassen zu nutzen.

© Getty Images Nachmieter für Partyraum gesucht: Ehemalige S&K-Villa in Frankfurt

Einen Schaden von schätzungsweise 111 Millionen Euro, verteilt auf fünf Immobilienfonds, haben die Gründer der mutmaßlichen Betrugsfirma S&K in Frankfurt angerichtet. Die beiden Geschäftsleute, die durch ihren extravaganten Lebensstil und ausschweifende Feierlichkeiten aufgefallen sind, sitzen in Untersuchungshaft, zusammen mit anderen Verdächtigen. Den Anlegern des Immobilienfonds Deutsche Sachwerte Nr. 2 versprachen sie eine Rendite von 12 Prozent bei monatlicher Auszahlung und Rückzahlung des Kapitals nach vier Jahren.

„Ich habe den Eindruck, solche Betrugswellen bei geschlossenen Immobilienfonds kommen wie ein Infekt so alle zwei bis drei Jahre“, sagte Florian Schoeller, Geschäftsführer der Ratinggesellschaft Scope Group in Berlin, dieser Zeitung. „Offenbar handelt es sich hier um eine Begleiterscheinung der Branche der geschlossenen Fonds, und das ist kein Ruhmesblatt.“ Solange man mit 250000 Euro in Deutschland eine Finanzfirma gründen und mehrfacher Millionär werden könne, werde es immer wieder solche Versuche geben. „Die Branche driftet auseinander: Auf der einen Seite stehen die Immobilienfonds, die als reine Vertriebsprodukte konzipiert sind, und auf der anderen Seite jene Anbieter, die sich als seriöse Vermögensverwalter verstehen und die sich auf den Anleger ausrichten.“

Risiken falsch eingeschätzt

Ihr Profitwunderwerk wollten S&K schlicht mit Immobilien in Deutschland vollbringen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt derzeit bei 1,4 Prozent. Zweistellige Renditen liegen für sicherheitsorientierte Anleger mit Immobilien außer Reichweite. Solche Anleger konzentrieren sich auf solide Objekte in den Bestlagen der Ballungsgebiete, deren Rendite durch langfristige Mietverträge abgesichert ist. Die Preise dieser Projekte sind schneller als die Mieten gestiegen, so dass die Renditen nur noch 4 bis 4,5 Prozent betragen. Dies gilt für Bürotürme in Frankfurt, aber auch für attraktive Wohnanlagen. Höhere Renditen bis zu etwa 7 Prozent sind mit Einzelhandelsobjekten außerhalb der Metropolen erzielbar, verbunden jedoch mit höherem Risiko.

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Allein die hohe Rendite hätte die Anleger bei S&K stutzig machen müssen. Doch die Unbedarftheit vieler Anleger führt dazu, dass sie Finanzrisiken falsch einschätzen und überzogene Renditen erwarten. Hinzu kommt oft mangelndes Interesse, sich fehlendes Finanzwissen anzueignen. Dieses Unwissen machen sich Akteure auf dem grauen Kapitalmarkt zunutze. Allerdings setzten die Aufsichtsbehörden und der Gesetzgeber in den vergangenen Jahren viel daran, diese Geschäfte unter staatliche Kontrolle zu stellen. Zudem müssen sich Finanzvermittler registrieren lassen und ihre Eignung nachweisen.

Neue Regelung soll Situation verbessern

Kritiker geht die Kontrolle des grauen Kapitalmarkts nicht weit genug. Seit vergangenem Juni müssen Banken und Sparkassen auch hier ihre Kunden „anlegergerecht“ beraten, Provisionen offenlegen und über Beratungsgespräche ein Protokoll führen, das sie dem Anleger aushändigen müssen. Die Berater müssen seither einen Sachkundenachweis und eine Berufshaftpflichtversicherung vorweisen. Als Aufsicht sind für sie nach dem Vorbild der Aufsicht über Versicherungsvermittler die Gewerbeämter zuständig.

Demnächst wird außerdem ein Kapitalanlagegesetzbuch geschaffen, das sämtliche Arten von Fonds und ihre Verwalter einer Finanzaufsicht unterwirft. Damit soll eine EU-Richtlinie über Verwalter alternativer Investmentfonds (AIFM) umgesetzt werden, was bis zum 22. Juli geschehen soll. Anbieter von Graumarktprodukten müssen - wie andere Anbieter auch schon - künftig ein Produktinformationsblatt („Beipackzettel“) erstellen, das kompakt Chancen und Risiken einer Vermögensanlage erläutert. „Die neue Regulierung macht vieles besser“, meint denn auch Rating-Experte Schoeller.

Vertrieb der Fonds durch Sparda-Banken

Dennoch ist es S&K gelungen, auch Banken für den Vertrieb zu gewinnen. Eine Sprecherin der Sparda-Bank Münster bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung, dass einige Kunden betroffen seien. Dabei handele sich in der Regel um Beträge von rund 15000 Euro. Die S&K-Produkte seien aber über eine sogenannte „Enkeltochtergesellschaft“ der Sparda-Bank Münster vertrieben worden: die Comfort Finance AG, eine auf Finanzberatung spezialisierte Tochtergesellschaft der CICS AG. Die auf Bankdienstleistungen spezialisierte Vertriebsgesellschaft weist sich im Internet als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Sparda-Bank Münster aus. Doch auch auf der Comfort-Finance-Homepage wird der Bezug sofort ersichtlich: Neben dem Link zu „Mein cf-Depot“ wird auf „Mein Sparda-Konto“ verwiesen.

Die Adressen der Geschäftsstellen von Comfort Finance sind wie etwa in Münster, Osnabrück oder Rheine identisch mit denen von Sparda-Bank-Filialen. Ob andere Sparda-Banken S&K-Produkte vertrieben haben, konnte eine Sprecherin des Verbandes am Montag nicht sagen. Die Sparda-Bank Münster wollte sich noch nicht zu Haftungsfragen äußern. Die Sprecherin verwies auf diverse Gutachten und ein Siegel des TÜV Süd, mit dem die S&K-Gruppe geworben hat. Es handele sich um einen Betrugsfall mit enormer krimineller Energie, fügte sie hinzu. In Presseberichten wird auch die Sparkasse Emden genannt, die den Fonds „S&K Real Estate Value Added“ angeboten haben soll. Eine Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) sagte, dass es sich offenbar um einen Einzelfall handele.

Quelle: F.A.Z.

 

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