23.06.2008 · Selbständigen, die durch die Maschen der gesetzlichen Altersvorsorge fallen, wird immer wieder die Basis- oder Rürup-Rente empfohlen. Doch nicht nur aufgrund ihrer Konstruktion eignet sich diese vor allem für Besserverdienende. Viele Selbständige können sie sich gar nicht leisten
Die Gruppe der Selbstständigen wächst zunehmend. Lag die Zahl der Neugründungen Ende des vergangenen Jahrtausends konstant wenig oberhalb von 600.000, so sind sie seitdem auf deutlich mehr als 800.000 angestiegen.
Dabei ist in Zeiten von Ich-AGs und Hartz IV auch die Zahl der Betriebe ohne eigene Angestellte, der sogenannten „Solo-Selbstständigen“ rasant gewachsen. Zwischen 1991 und 2005 hat sich ihre Zahl auf 2,29 Millionen nahezu verdoppelt und umfasst damit mehr als die Hälfte aller Selbständigen.
„Solo-Selbstständige“ ohne Vorsorge
Grund genug für die Altersvorsorgebranche Alarm zu schlagen. Denn in der Berufsgruppe zeigt sich deutlich das, was bei der Diskussion um eine private Altersvorsorge zwangsläufig die Krux ist: Die Fähigkeit und damit verbunden der Wille, Altersvorsorge zu betrieben, hängt vom Einkommen der Betroffenen ab (vgl. auch Finanzbranche klagt über „Vorsorge-Muffel“).
Weniger als die Hälfte der befragten Selbstständigen mit einem Einkommen unter 1000 Euro betreibt überhaupt Altersvorsorge. Jeder Dritte in der Altersgruppe zwischen 20 und 29 Jahren legt überhaupt kein Geld für das Alter zurück. Mit zunehmendem Einkommen sinkt der Prozentsatz rapide ab, bis er bei der Einkommensgruppe mit einem Einkommen von mehr als 4.000 Euro pro Monat weniger als zehn Prozent erreicht.
Als Folge drohe vielen „Solo-Selbstständigen“, deren Betriebskapital in der Regel wenig mehr als ihre Arbeitskraft umfasst, Altersarmut, bzw. Abhängigkeit von Sozialhilfe. Der Sozialpolitische Beirat der Gothaer Versicherung, Auftraggeber der Studie, fordert politische Maßnahmen und propagiert ein „Riester für alle“, weil eine Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung diese gerade in der Gründungsphase einer untragbaren Belastung aussetze.
Wer hat, kann kriegen
Auch laut einer Umfrage des Bundesverbandes der Selbständigen vom Jahresanfang halten ein Drittel der Selbstständigen ihre eigene Altersvorsorge für unzureichend. Jeder Zehnte gab zu, keinen einzigen Cent zurückzulegen, und ein weiteres Fünftel kommt im Jahr auf weniger als 1000 Euro.
Zwar steht Selbstständigen heute schon die sogenannte Basis- oder Rürup-Rente als Vorsorgeweg offen, doch hier gilt noch mehr: Nur wer hat, kann vorsorgen. Denn die Bezuschussung der Rürup-Rente läuft nicht auf Zulagenbasis, sondern über die Steuerschiene.
Seit 2005 kann von Beiträgen zu als Rürup-Renten zertifizierten Rentenversicherungen, britischen Versicherungen und Fondssparplänen ein jährlich bis 2025 um zwei Prozentpunkte steigender Prozentsatz von aktuell 64 Prozent als Sonderausgaben angesetzt werden, maximal aber 20.000 Euro bei Alleinveranlagung.
Je höher also das versteuernde Einkommen ist, desto mehr profitiert der Rürup-Sparer. Wer sich 1666 Euro Monatsbeitrag leisten kann, braucht sich kaum noch Gedanken um den Wohlstand im Alter zu machen.
Warten auf bessere Zeiten
Wer dagegen weniger als 1.000 Euro Monatseinkommen hat, kann in der Regel kaum die laufenden Kosten des Lebensunterhalts tragen. Hier steht auch bei „Riester für alle“ eher zu erwarten, dass gerade bei jüngren Selbstständigen sich die Hoffnung durchsetzt, irgendwann später einmal sich noch um die Altersvorsorge kümmern zu können, wenn das Geschäft dann einmal besser läuft. Gerade unter den Solo-Selbstständigen aber sind die Gutverdiener eher die Ausnahme.
Und so eignet sich die eigentlich für Selbständige gedachte Rürup-Rente dann unter dem Strich vor allem für Besserverdienende, die ihre Riesterförderung schon ausgeschöpft haben und noch mehr für die Altersförderung tun möchten - ganz unabhängig von dem Status der Erwerbstätigkeit.
Solo-Selbständige
Claus Müller (clausem)
- 23.06.2008, 20:51 Uhr
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