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Rohstoffzertifikate Kontango - Vorsicht bei Ölzertifikaten

24.04.2009 ·  An den Märkten ist der Optimismus ausgebrochen. Energie- und Rohstoffpreise laufen trotz hoher Lagerbestände nach oben. Die Kontangostruktur führt bei Ölzertifikaten zu „Rollverlusten“ und damit zu unterdurchschnittlicher Entwicklung.

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An den internationalen Finanzmärkten ist der allgemeine Optimismus ausgebrochen. Trotz zum Teil grottenschlechter Konjunktur- und Unternehmenszahlen laufen die Aktienkurse in der Erwartung einer wirtschaftlichen Erholung deutlich nach oben. Stimmungs- und vorlaufende Indikatoren deuten auf einer Abschwächung der Krise oder gar eine Verbesserung der weltwirtschaftlichen Entwicklung hin, heißt es inzwischen vielfach.

Solche Erwartungen mögen angesichts der fiskalischen und monetären Impulse gerechtfertigt sein. Die andere Frage ist jedoch, wie lange und wie weit solche Impulse tragen können und wie dauerhaft sie sein können angesichts der Tatsache, dass das mit aller Gewalt angestrebte Wachstum wieder auf Basis hoher Schulden und nicht bereinigter globaler Ungleichgewichte stattfinden soll.

Energie- und Rohstoffpreise laufen trotz hoher Lagerbestände nach oben

Die Anleger werden sich darum wenig scheren. Sie werden der optimistischen Strömung und den induzierten Trends folgen, bis sie wieder umschlagen. Im Rahmen dieses Gesamtbildes mögen sie zunehmend auch wieder dazu tendieren, in Rohstoffe zu investieren, obwohl die Lagerbestände zum Teil extrem hoch sind. Die amerikanischen Rohöllagerbestände haben in den vergangenen Wochen mit 370.600 Barrel sogar den höchsten Stand seit 19 Jahren erreicht. Das hat die Ölhändler jedoch nicht davon abgehalten, den Ölpreis von 33 Dollar je Fass der Sorte WTI im Dezember des vergangenen Jahres aus inzwischen 51,4 Dollar hoch zu treiben. Der Trend und die Stimmung deuten auf weitere Preiszuwächse hin.

Anleger könnten in Erinnerung an die allgemeine Ölpreiseuphorie der vergangenen Jahre leicht geneigt sein, darauf wetten zu wollen. Sollten sie so verwegen sein, dürfte es ratsam sein, sich den Markt und die zur Verfügung stehenden Produkte genau zu betrachten. Denn der Markt befindet sich in einer ausgeprägten Kontango-Situation. Das heißt, Öl, das innerhalb kurzer Zeit nach dem Kauf geliefert wird, ist deutlich günstiger als das, das jetzt gekauft wird, jedoch erst in Monaten oder gar Jahren ausgeliefert werden soll.

So kostet am Freitag ein Fass Leichtöl der amerikanischen Sorte WTI mit Lieferung im Juni 51,4 Dollar. Bei Lieferung im Dezember kostet es 57,7 Dollar und bei Lieferung im Dezember des kommenden Jahres sogar knapp 65 Dollar. Ein Kontrakt für die Lieferung von Öl im Dezember des kommenden Jahres ist also rund 25 Prozent teurer, als der Kauf einer im kommenden Juni fälligen Lieferung.

Kontangostruktur führt zu „Rollverlusten“ - unterdurchschnittliche Entwicklung

Genau diese Struktur führt dazu, dass Anleger beim Kauf von Ölzertifikaten mit einer unterdurchschnittlichen Entwicklung rechnen müssen im Vergleich mit dem Ölpreis an sich. Denn die Anbieter von Zertifikaten sichern sich am Ölterminmarkt gegen Preisänderungen ab, indem sie immer wieder Kontrakte mit begrenzter Laufzeit kaufen oder verkaufen, um ein länger laufendes oder gar endloses Zertifikat als solches darstellen zu können. Bei steigendem oder stagnierendem Ölpreis führen diese Transaktionen bei einer Kontangostruktur zu so genannten „Rollverlusten“. Das Zertifikat muss sich alleine schon aus diesem Grund - ohne Berücksichtigung der eingepreisten Kosten des Anbieters - schlechter entwickeln als der Markt. Geht der Ölpreis zurück, wäre zwar das Gegenteil der Fall. Allerdings wollen Anleger dann sowieso nicht auf steigende Preise wetten und werden ihre Positionen möglichst rasch verkaufen.

Der Blick auf den Vergleich der Wertentwicklung eines Ölzertifikats der HypoVereinsbank macht das Phänomen deutlich (siehe Chart). Es entwickelte sich in den vergangenen Monaten deutlich schlechter als der Ölmarkt an sich. In den vergangenen Wochen machte es die Erholung des Ölpreises aufgrund der Terminstruktur kaum mit.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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