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Rohstoffe Rohstoffaktien bleiben aus Anlegersicht interessant

23.08.2006 ·  Im Rohstoffsektor sorgen Rekordgewinne und Übernahmeschlachten für Schlagzeilen. Aber trotz des allgemeinen Trubels sind viele Rohstoffaktien noch niedrig bewertet. Und das wiederum hat viel mit der Skepsis der Analysten zu tun.

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Die Hausse bei den Rohstoffpreisen sorgt im Rohstoffsektor allgemein für einige spannende Entwicklungen. So glänzen die Unternehmen nicht nur mit rekordhohen Gewinnen und das Übernahmekarussell dreht sich ausgesprochen munter.

Das eigentlich erstaunlich ist aber, daß trotz der explodierenden Rohstoffpreise und der zahlreichen Medienberichte über diese Entwicklung auf die Rohstoffaktien selbst noch kein allgemeiner Ansturm eingesetzt hat. Zumindest dann nicht, wenn die Bewertungen zugrunde gelegt werden. Denn die bewegen sich im Regelfall in sehr verträglichen Bahnen.

Rekordgewinne und Fusionsphantasie

Wie gut sich mit Rohstoffen momentan Geld verdienen läßt, machen am eindruckvollsten die zur Wochenmitte veröffentlichten Ergebnisse von BHP Billiton deutlich. Der weltgrößte Bergbaukonzern verdiente im abgelaufenen Geschäftsjahr 10,45 Milliarden Dollar (plus 60 Prozent), und damit so viel wie kein anderes Unternehmen aus dem Sektor jemals zuvor. Und was die Anleger mindestens ebenso erfreuen dürfte: Der Vorstand geht davon aus, daß der hohe globale Verbrauch knapper Rohstoffen die Preise auch in Zukunft beflügeln wird.

Zudem feuerte BHP-Chef Chip Goodyear auch die Fusionsspekulationen in der Branche mit der Bemerkung noch einmal zusätzlich an, er sehe viele Möglichkeiten Geld auszugeben. Derzeit liefern sich die Branchenvertreter bekanntlich gleich mehrfach ein Bieterwettrennen um verschiedene Rohstoffkonzerne.

Kein Unternehmen mehr vor Übernahmen sicher

Inzwischen machen die Spekulationen selbst vor den größten Vertretern der Branche nicht mehr Halt. So kursierten zu Wochenbeginn Gerüchte, mit Anglo American sei der am Umsatz gemessen weltweit zweitgrößte Bergbaukonzern von den Konkurrenten Xstrata, Rio Tinto Group und Vale do Rio Doce als Übernahmeziel identifiziert worden. Da Anglo American selbst auf eine Marktkapitalisierung von rund 60 Milliarden Dollar kommt, wurden derartige Spekulationen bisher für eher unwahrscheinlich gehalten.

Doch mittlerweile wird keine Variante mehr ausgeschlossen. „Wir sind jetzt fast schon so weit, daß alle Unternehmen versuchen, sich gegenseitig zu übernehmen“, beschreibt Wilhelm Schröder, Rohstoffexperte und Fondsberater des Nestor Australien Fonds das muntere Fusionstreiben.

Aus seiner Sicht ist Anglo American durchaus ein Übernahmeobjekt. Schließlich sei das Unternehmen mit einem Kurs-Cash-Flow-Verhältnis von rund sechs tiefer bewertet als der Branchenschnitt, der sich zwischen 7,5 und 8,0 bewegt. Außerdem schneide das Unternehmen bei der Eigenkapitalrendite mit einem Wert von 20 bis 22 Prozent schlechter ab als die Mitkonkurrenten, die im Schnitt auf 35 bis 50 Prozent kommen.

Allerdings glaubt Schröder eher nicht daran, daß die genannten Unternehmen als Bieter auftreten werden. Er setzt eher auf BHP Billiton als möglichen Interessenten. Aber natürlich kann das nach seiner Restrukturierung mit Barmitteln von mehr als 15 Milliarden Dollar ausgestattete Unternehmen auch selbst auf Beutejagd gehen.

Viele Rohstoffaktien sind vergleichsweise niedrig bewertet

Unabhängig davon, wie es nun konkret mit Anglo American weitergeht, sind weitere Übernahmen im Rohstoffsektor programmiert. Dafür spricht schon die Tatsache, daß einige der Unternehmen, die sich gerade mit ihren Konkurrenten Übernahmeschlachten liefern, leer ausgehen und sich notgedrungen nach anderen Zielobjekten umschauen werden. Aus Sicht von Schröder ist vor allem der „gesamte Nickelbereich reif für weitere Fusionen“. So mausere sich die sehr günstig bewertete Sally Malay immer mehr zu einem Übernahmekandidaten. Unter den größeren Unternehmen sind für ihn ansonsten branchenübergreifend betrachtet der Gold- und Kupferproduzent Oxiana und der Zinkproduzent Zinifex potentielle Übernahmeziele.

Das Übernahmekarussell dürfte außerdem auch deshalb in Schwung bleiben, weil sich ganz einfach noch günstig bewertete Unternehmen finden lassen. So erwirtschaftet Zinifex laut Schröder eine Milliarde Dollar an freiem Cash-Flow, und das bei einer Marktkapitalisierung von fünf Milliarden Dollar. Hinzu kommt hier ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von vier. Bewertungskennziffern wie diese sind durchaus kein absoluter Einzelfall. Selbst unter den Branchenriesen halten sich die Bewertungen in Grenzen. So beläuft sich bei BHP Billiton das KGV auf Basis der historischen Gewinne nur auf zehn. Der weltgrößte Bergbaukonzern ist damit niedriger bewertet als vor Beginn der Rohstoff-Hausse.

Analysten glauben nicht an dauerhaft hohe Rohstoffpreise

Erklären läßt sich diese Phänomen mit der allgemein vorsichtigen Haltung der Marktteilnehmer. Die überwiegende Mehrheit der Analysten glaubt ganz einfach nicht an dauerhaft auf dem erreichten Niveau verharrende Rohstoffpreise. Und in der Tat bleibt abzuwarten, ob diese nicht irgendwann auch wieder einmal fallen werden. Die Differenz zwischen Prognosen und Marktpreisen ist inzwischen aber so hoch, daß ein sehr hoher Puffer besteht.

So schätzen die angesehenen Analysten der australischen Macquarie Bank den Kupferpreis in diesem und im nächsten Jahr im Schnitt auf 2,95 und 2,35 Dollar. Doch aktuell bewegen wir uns hier bei 3,50 Dollar. Genauso kraß sieht es bei Nickel aus. Hier werden die Durchschnittspreise für 2006 und 2007 auf 8,50 und 7,25 Dollar veranschlagt, was mit einem aktuellen Preis von 13 Dollar kontrastiert.

Damit ist auch klar: Von einem irrationalem Überschwang kann bei den Rohstoffaktien noch keine Rede sein. Schon wenn sich die Rohstoffpreise nur annähernd auf den jetzt erreichten Niveaus halten können, wird es nach und nach bei den Gewinnschätzungen zu Anpassungen nach oben kommen müssen. Und das dürfte dann wiederum den Kursen der Rohstoffaktien, zugute kommen, auch wenn diese momentan mitunter auch mit den stark gestiegenen Kosten zu kämpfen haben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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