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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Rohstoffe Preise für Materialien zur Stahlherstellung gehen vertikal nach oben

16.02.2004 ·  Angst vor Versorgungsengpässen bei Kohle läßt die Preise rasant steigen und schlägt auch auf die restlichen Rohstoffpreise durch. Sei es Stahlschrott, Nickel, Kupfer oder Aluminium.

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Die rasante Wirtschaftseinwicklung in Asien in den vergangenen Jahren und die zumindest kurzfristig unterschiedlich stark anziehenden Aktivitäten im Rest der Welt hinterlassen zumindest an den Rohstoffmärkten deutliche Spuren. Im Bereich der Stahlherstellung sendet zumindest die Preisentwicklung einiger „Inputfaktoren“ so etwas wie Knappheitssignale aus.

So sind beispielsweise die Preise für Kohle und Stahlschrott - beide werden zur Herstellung hochwertigen Stahls benötigt - in den vergangenen Monaten förmlich in die Vertikale übergegangen. Für chinesische Kohle, die noch im Jahr 2000 kaum einer haben wollte und aus diesem Grund für etwas mehr als 50 Dollar je Tonne an der Grenze abgeholt werden konnte, wurden in jüngster Zeit zwischen 375 und 400 Dollar je Tonne bezahlt.

Angst vor Versorgungsengpässen führt zu „Panikpreisen“

Versorgungsengpässe haben nach einer Analyse der australischen Macquarie Bank schon dazu geführt, daß Stahlhersteller nicht nur über Produktionskürzungen nachdenken. Amerikanische und indische Stahlwerke haben sie schon umgesetzt, während italienische und japanische Hersteller offensichtlich kurz davor stehen. Das italienische Kabinett scheint sogar schon zu überlegen, wie es mit der Situation umgeht, die „die gesamte italienische Stahlproduktion bedroht“. Die Kohleknappheit führt dazu, daß weniger Roheisen produziert werden kann. Aus diesem Grund bieten die Stahlhütten die Preise für Stahlschrott hoch. Denn das stellt eine gewisse Alternative zum Rohstahl dar.

In den vergangenen drei Jahren hat die riesige Nachfrage nach Stahl langsam aber sicher das davor bestehende Überangebot an Rohstoffen absorbiert. Die importierten Mengen an Erzen haben dramatisch zugenommen und sogar zu einem Engpaß bei den Transportkapazitäten geführt. Die Frachtraten haben sich im vergangenen Jahr vervier- und verfünffacht. Es gibt praktisch keine überschüssige Kapazität mehr. Chinesische Kohleförderer und Koksproduzenten haben ihre Kapazitäten massiv erhöht und konnten so zunächst trotz rasant steigender Nachfrage im Inland weiterhin exportieren. In diesem Jahr scheinen sie nach der Macquarie-Analyse jedoch an ihre Grenzen zu stoßen. Der Export von Kohle und Koks könnte um 30 bis 40 Prozent fallen.

Langfristige Kontrakte wirken bei Abnehmern noch dämpfend

Da nun auf der einen Seite die chinesische Wirtschaft weiterhin boomt, auf der anderen sich auch die industrialisierten Staaten wieder von ihrer wirtschaftliche Talsohle zu erholen scheinen, gibt es auf einigen Rohstoffmärkten richtige Engpässe. Manche Marktteilnehmer scheinen in „Kaufpanik“ zu verfallen. Das beschränkt sich nicht nur auf Stahl allein, sondern immer mehr auch auf die anderen Grundmetalle - Nickel, Kupfer, Aluminium - und andere Rohstoffe.

Bis jetzt schlagen diese Preise noch nicht so richtig auf die Abnehmer von Stahl durch, da viele Stahlproduzenten mit langfristigen Lieferverträgen gesichert sind. Die Frage ist allerdings, was passieren wird, sobald diese Verträge auslaufen und die Preise sich bei den Nachfragern bemerkbar machen. Das könnte längerfristig das chinesische Wachstum deutlich dämpfen und die Zentralbanken deutlicher an inflationäre Gefahren denken lassen. Möglicherweise wird es aber auch zu einer Beruhigung an der ziemlich „erhitzten Preisfront“ führen.

Auf der Unternehmensseite dürfte sich das Management des weltgrößten Minenunternehmens BHP Billiton in den Hintern beißen. Es hat zwar bei den jüngsten Kontraktverhandlungen für Erz- und Kohleexporte nach Japan Preiserhöhungen zwischen 18 und 22 Prozent herausgeholt. Das könnte bei einer anhaltenden Entwicklung allerdings für die Käufer ein Schnäppchen gewesen sein. In diesem Sinne dürfte sich das schweizer, aber in London gehandelte Minenunternehmen Xstrata klüger verhalten. Denn es hat in den vergangenen Jahren nicht nur im Kohlebereich expandiert, sondern bisher auch den Abschluß langfristiger Kontrakte vermieden.

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