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Rohstoffe Ölpreis wieder auf Rekordkurs

05.10.2004 ·  Der Preis für Rohöl strebt immer neuen Rekordständen zu. Der Anstieg verläuft zwar langsam und mit gelegentlichen Rückschlägen. Doch sprechen Händler mit nervösem Blick auf Produktionsausfälle von ungebrochener Kaufbereitschaft.

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Der Preis für Rohöl strebt sowohl in London als auch in New York auf immer neue Rekordstände zu. Der Anstieg verläuft zwar langsam, und gelegentlich treten auch Rückschläge ein, doch sprechen Händler von ungebrochener Kaufbereitschaft.

Im Wechselspiel geben einmal Rohöl selbst und ein anderes Mal die Nachprodukte die allgemeine Tendenz vor. Dabei stellt sich immer deutlicher heraus, daß Heizöl aus jahreszeitlichen Gründen die treibende Kraft bildet. In London notierte der nahe November-Termin für Nordsee-Öl der Sorte Brent am Dienstag in der Spitze bei 47,15 Dollar je Barrel (rund 159 Liter). In New York kostete West Texas Intermediate (WTI) zur gleichen Zeit 50,99 Dollar.

Kritischer Blick auf amerikanische Wintervorräte

Für den Markt haben von Rebellen angedrohte Attacken auf Förderstätten und Versorgungswege in Nigeria nach wenigen Tagen wieder an Brisanz verloren. Dafür scheint die labile Situation im Irak wenigstens als Thema wieder in den Vordergrund zu rücken. Fachleute achten vor allem sehr aufmerksam auf die täglich erscheinenden amtlichen Berichte aus Washington über die Ausfälle bei der Förderung von Öl und Erdgas als Folge der Wirbelstürme im Golf von Mexiko. Nach dem Stand vom 4. Oktober war seit dem 11. September ein Gesamtausfall von rund 14,8 Millionen Barrel Öl zu verzeichnen. In Amerika werden täglich gut 20 Millionen Barrel verbraucht. Zugleich lagen noch immer 28,25 Prozent der gesamten Förderkapazitäten in der Region von rund 1,7 Millionen Barrel täglich still. Auch Raffinerien haben wegen der Hurrikane Schäden zu verzeichnen, deren Beseitigung länger als zunächst vermutet dauert.

Vor diesem Hintergrund halten es Experten für fraglich, ob die amerikanischen Ölvorräte vor dem Beginn der Winternachfrage so weit aufgestockt werden können, daß sie dem Bedarf ohne deutlich weiter steigende Preise standhalten können. Wegen der Unterversorgung der Raffinerien in der Golfregion mit Rohöl und der Schäden an den Raffinerien gilt es heute schon als nahezu sicher, daß die Vorräte an Heizöl in diesem Winter aus der laufenden amerikanischen Produktion nicht sichergestellt werden können. Daher wird erwartet, daß in den kommenden Monaten Heizöl besonders aus dem nicht gerade reichlich versorgten Westeuropa auf den amerikanischen Markt gelangen wird.

Preisprognosen werden an die Realität angepaßt und angehoben

Unterdessen scheinen Fachanalysten bei den Investmentbanken ihre Prognosen zum Ölpreis nun beschleunigt anzuheben, um Berührung zur Realität zu erlangen. Goldman Sachs, Merrill Lynch und Morgan Stanley haben ihre Voraussagen deutlich angehoben. Doch die herrschenden Preise scheinen weithin noch immer nicht als real wahrgenommen zu werden. Die Haussespekulation jedenfalls hält sich bei Rohöl und Heizöl nach dem Urteil zum Beispiel von Barclays Capital weiterhin sehr bedeckt. Diese Investmentbank will aus rein technischer Sicht nicht ausschließen, daß der Ölpreis zu einem Sprung ansetzt, der ihn auf etwa 75 Dollar tragen könnte.

Quelle: hi., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2004, Nr. 233 / Seite 21
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