17.04.2007 · In den vergangenen Jahren hat der Kohlepreis im Vergleich mit anderen Energieträgern vergleichsweise wenig zugelegt. Dabei zeigen Projektionen, dass die Nachfrage in den kommenden Jahren vor allem in Asien deutlich zunehmen wird.
Die Preise für Energie entwickelten sich in den vergangenen zehn Jahren höchst unterschiedlich. Während der Uranpreis im Rahmen des anhaltenden Energie- und Rohstoffbooms förmlich durch die Decke geht und sich Öl- und Gaspreise verdreifacht haben, konnte der Kohlepreis weniger stark zulegen.
In jüngster Zeit tendierte er zumindest in den Vereinigten Staaten eher nach unten denn nach oben. Diese Entwicklung dürfte sich erklären lassen. Denn erstens verfügen die Vereinigten Staaten über nachgewiesene Kohlevorkommen beinahe im Überfluss. Zweitens dürfte sich auch die nachlassende Konjunktur indirekt bemerkbar machen.
Kohlenachfrage dürfte in den kommenden Jahren um 1,8 Prozent jährlich zunehmen
Anders sieht es dagegen in Asien aus. Dort zieht die Nachfrage nach Energie in allen Formen aufgrund der Wirtschaftswachstums deutlich an. Auch bei Kohle, die vor allem für die Produktion von Elektrizität verwendet wird. Nach einer Projektion der International Energy Agency wird die Kohlenachfrage zwischen den Jahren 2004 und 2030 um jährlich 1,8 Prozent zunehmen. Mengenmäßig werde die Nachfrage bis ins Jahr 2015 um 32 und bis ins Jahr 2030 um 59 Prozent zunehmen. 89 Prozent des Nachfragezuwachses werde aus Asien kommen, vor allem aus China und Indien.
Allerdings werde die Nachfrageentwicklung von verschiedenen Faktoren wie dem Klimawechsel, Regierungseingriffen, der Preisentwicklung anderer Energien und nicht zuletzt von Diversifikationsüberlegungen und der Entwicklung moderner Verbrennungstechnologien abhängen. Grundsätzlich sind die Kohlevorkommen jedoch groß. Mit nachgewiesenen Vorkommen von 909 Milliarden Tonnen dürften sie 164 Jahre reichen, wenn sie in den gegenwärtigen Mengen gefördert werden. Die größten Fördersteigerungen werden nach der IEA-Projektion in China und Indien erwartet, da sie auch über die entsprechenden Vorkommen verfügten. Gleichzeitig jedoch werde der internationale Handel mit Kohle zunehmen. Davon werde vor allem Australien profitieren.
Vergleichsweise aggressive Erwartungen haben in diesem Zusammenhang verschiedene Analysten und Fondsmanager. In Asien dürfte der Kohlepreis für den fossilen Brennstoff neue Rekordhochs erreichen, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg verschiedene Quellen. Eine Tonne werde nach Schätzungen der Deutschen Bank im kommenden Jahr 58 Dollar kosten, im Jahr 2009 könnten sogar 59,50 Dollar fällig werden. Goldman Sachs erwartet im kommenden Jahr einen Kohle-Preis von 56 Dollar. Zuletzt kostete Kohle 54,50 Dollar.
„Der Kohle-Sektor in China hat sich gewandelt“, wird auch Fondsmanager Mark Mobius von Templeton Asset Management in Singapur zitiert. Der asiatische Kohle-Preis dürfte anch seiner Meinung in den kommenden fünf Jahren um 42 Prozent steigen. Im Jahr 2012 könnten dann durchaus 78 Dollar fällig sein, so Mobius.
Nachfrageschub vor allem in China und Indien
Viele Analysten verweisen darauf, dass China, der weltweit größte Kohle-Produzent, erstmals mehr Kohle ein- als ausführen wird. So übertraf im Januar zum ersten Mal überhaupt der Import von Kohle den Export. Der Kohleverbrauch in China klettert jährlich um 13 Prozent, und die Versorger bauen in Rekordtempo neue Kraftwerke. Das Land gewinnt 78 Prozent seiner Elektrizität aus Kohle. Die Einfuhren kommen vor allem aus Australien, Indonesien und Vietnam.
Die anziehenden Kohle-Preise werden laut Analysten die Kurse der großen Bergbau-Unternehmen China Shenhua Energy, China Coal Energy und Yanzhou Coal Mining antreiben. Auch im Westen dürften Konzerne wie Xstrata, Rio Tinto Group und BHP Billiton von steigenden Kohle- Preisen profitieren. Bei Xstrata gehen die Analysten von Goldman Sachs davon aus, dass der Kurs der Aktie von derzeit rund 27,70 auf 33,65 Pfund steigen werde - dies wäre ein Plus von rund 22 Prozent. Dagegen könnten bei Versorgern wie der deutschen RWE oder Tokyo Electric Power wegen der steigenden Kohlepreise die Gewinne unter Druck kommen, heißt es.
China, das zweimal mehr Kohle abbaut als die Vereinigten Staaten, nutzt den Brennstoff, um 662 Gigawatt Elektrizität zu produzieren. Alleine im vergangenen Jahr wurden in China so viele Kohlekraftwerke gebaut, dass sie den Bedarf von Großbritannien abdecken könnten, heißt es in dem Bloombergbericht. Im Januar übertraf der Import von Kohle erstmals den Export um 1,4 Mill. Tonnen. Nach Angaben der Regierung wird die Nachfrage bis im Jahr 2010 etwa 2,6 Milliarden Tonnen erreichen - dies wären 270 Millionen Tonnen mehr als die Produktion des vergangenen Jahres.
Die wachsende Kohle-Nachfrage aus China wird möglicherweise auch in Europa die Preise antreiben, obwohl hier die Nachfrage kaum zunehmen dürfte. Die Energieunternehmen der Region könnten aus diesem Grund dazu gezwungen werden, mehr als bisher in Russland oder in Südafrika zu kaufen. Der Kohle-Preis stieg in Europa von 52 Dollar Ende des Jahres 2005 auf aktuell rund 70 Dollar. In den Vereinigten Staaten dürften indes die eigenen Bestände die Preise im Griff halten, argumentiert IEA und stimmt in diesem Punkt mit anderen Experten überein.
Insgesamt dürfte es damit für Anleger reizvoll sein, auf jene Unternehmen zu setzen, die von der generell steigenden Nachfrage und von der regionalen Entwicklung profitieren können. Dazu zählen einerseits die Minenausrüster, die Energiehandelsunternehmen und nicht zuletzt die Minenunternehmen in Asien-Pazifikregion.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |