18.08.2004 · Gold ist der Sprung über die psychologisch wichtige Marke von 400 Dollar sowie die 200-Tage-Linie gelungen. Gold-Bullen läßt dies hoffen, daß das Edelmetall wie in den Jahren 2001 bis 2003 neuen Glanz versprühen kann.
Zögerlich, aber dafür sehr stetig, ist der Goldpreis dabei, die von Anfang April bis Mitte Mai erlittene Kursscharte wieder auszumerzen. Vom dabei erreichten Zwischentief bei 375 Dollar je Feinunze hat sich die Notiz wieder spürbar gelöst. Zuletzt ist der Preis sogar wieder über die psychologisch bedeutsame Marke von 400 Dollar gestiegen. Und mit aktuell 403,50 Dollar schickt er sich an, das im Juli erreichten Zwischenhoch im Bereich von 406 und 407 Dollar anzuvisieren.
Für die wieder festere Tendenz machen Marktbeobachter gleich mehrere Grunde verantwortlich. Verwiesen wird natürlich auf die erneut als gestiegen eingeschätzten Aussichten auf einen fallenden Dollar. Diese Annahme wiederum beruht auf zuletzt eher enttäuschend ausgefallene Konjunkturdaten in Amerika. Zusammen mit dem riesigen Leistungsbilanzdefizit könne dies die amerikanische Landeswährung stärker unter Druck setzen und traditionell profitiert der Dollar von einem schwachen Dollar.
Anderen Anlageoptionen gehen die Reize aus
Mehr und mehr als förderlich für die Nachfrage nach Gold erweist sich zudem die Erkenntnis, daß sich an den anderen Marktsegmenten, wie etwa dem Anleihe- oder Aktienmärkten, angesichts trendloser Zeit momentan nicht wirklich Geld verdienen läßt. Das läßt die Anlage in Gold, die zunächst keine absehbaren Erträge wie Dividenden oder Zinsen abwirft, im relativen Vergleich lukrativer erscheinen. Zumal das Interesse auch durch die anhaltenden geopolitischen und terroristischen Unsicherheiten hoch gehalten wird.
Trotz dieser Pluspunkte dürfte es dem Goldpreis ohne neue Impulse zunächst etwas schwer fallen, noch weiter zu steigen. Gewinnmitnahmen um die Marke zwischen 405 und 410 Dollar dürften das Potenzial zunächst begrenzen, erklären charttechnisch orientierte Marktteilnehmer. Ein vermutlich weiter steigender Ölpreis und ein wieder schwacher Dollar werden allgemein aber als Garanten für einen nach einer Verschnaufpause wieder steigenden Goldpreis gesehen. „Der Wert des Dollar, der Ölpreis und die geopolitischen Themen bleiben die Schlüsselfaktoren für den Goldhandel“, schreibt dazu ganz allgemein die Standard Bank.
Die Inflation als Kaufargument scheint sich in Luft aufzulösen
In Goldanlagen engagierte Anleger sollte diese Punkte daher stets im Auge behalten und natürlich auch auf die Charttechnik achten. In dieser Hinsicht werteten Charttechniker den zuletzt vollzogenen Sprung über die 200-Tage-Durchschnittslinie als positiv. Robert Lockwood und Stephen Abbriano von der Bank of Nova Scotia erklären dazu: „Wenn sich die Notierungen über der 200-Tage-Linie etablieren können, dann zeigt der Trend nach oben.“
Außerdem dürfen europäische Investoren nie vergessen, daß eventuelle Gewinne über einen steigenden Goldpreis über einen vermutlich dann gleichzeitig fallenden Dollar geschmälert werden, wenn die Devisenposition nicht entsprechend abgesichert wurde.
Langsam zu verflüchtigen droht sich im übrigen das immer wieder von Gold-Bullen angeführte Argument, wonach eine bald deutlich anziehende Inflation die Nachfrage nach dem Edelmetall anheizen werde. Denn in Amerika sind im Juli die Verbraucherpreise erstmals seit acht Monaten wieder gefallen. Das unterstreicht, daß die durch die Globalisierung bedingten deflationären Tendenzen trotz des rekordhohen Ölpreises noch immer am Arbeiten sind. Aber die damit verbundenen volkswirtschaftlichen Risiken kann man mit etwas gutem Willen auch wieder als positiv für das Gold interpretieren, zumindest wenn man das will.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |