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Rohstoffe Der Goldpreis ist wieder im Aufwind

06.10.2004 ·  Der Goldpreis hat in den vergangenen Wochen zugelegt. Er zog auf mehr als 420 Dollar je Feinunze und damit auf den höchsten Stand seit April an. Mögliche Preistreiber: Der schwache Dollar und ausufernde Staatsschulden.

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Der Goldpreis hat in den vergangenen Wochen einen beachtenswerten Aufschwung erfahren. Er zog auf mehr als 420 Dollar je Feinunze und damit auf den höchsten Stand seit April an. Insgesamt bewegen sich die Notierungen trotz der zurückliegenden, im Rückblick beachtlich geordnet verlaufenen Aufwärtsbewegung aber weiterhin in einem breiten Band. Nach oben hin wird es von dem Anfang April verzeichneten zyklischen und langjährigen Hoch von rund 430 Dollar je Feinunze begrenzt. Nach unten hin gilt der Markt zwischen 375 und 380 Dollar als solide abgesichert.

Beachtenswert ist, daß Gold während der laufenden Aufschwungphase nicht allein stand, sondern zeitweise von Silber mitgezogen wurde. Dies gilt besonders für den Preisschub, der am Dienstag zu beobachten war und in dessen Verlauf der Silberpreis die als psychologisch bedeutsam geltende Marke von 7 Dollar je Feinunze überschritt. Damit erreichte es zusammen mit Gold den höchsten Stand seit Mitte April.

Sorge vor dem schwachen Dollar ...

Während bei Silber auf der fundamentalen Seite seit geraumer Zeit keine nennenswerten Neuigkeiten zu verzeichnen sind, warten die Marktteilnehmer am Goldmarkt auf konkrete Nachrichten über die Pläne jener 15 europäischen Zentralbanken, die ein zweites, seit dem 27. September geltendes Fünfjahresabkommen über Goldverkäufe getroffen haben. Hinter dem Preisanstieg bei Gold könnten nach Darstellung von Analysten auch saisonal bedingte Kräfte stehen. Die Hersteller von Schmuck ergänzten zu dieser Zeit gewöhnlich ihre Goldvorräte, die zuvor wegen des Weihnachtsgeschäfts abgebaut worden seien. Zudem deuteten jahreszeitliche Einflüsse auch auf steigende Nachfrage in Indiens "Hochzeits-Saison" hin, heißt es. Hier handelt es sich aber wohl nur um Argumente, mit denen die Preissteigerungen der vergangenen Wochen im nachhinein begründet werden sollen. Tatsächlich fürchten besonders Produzenten und Händler, daß das in amerikanischen Dollar teurer gewordene Gold das physische Geschäft zum Stillstand bringen könnte.

Als die eigentliche treibende Kraft hinter dem Preisanstieg gilt der tendenziell schwächer gewordene Dollar. Es besteht wieder eine sehr hohe negative Korrelation zwischen dem Goldpreis und dem Dollar, gemessen sowohl am handelsgewichteten Dollar-Index als auch im Verhältnis zum Euro. Das vom schwächeren Dollar freigesetzte Kaufinteresse war fast ausschließlich am Terminmarkt für Gold zu spüren. Daß dahinter wiederum spekulativ orientierte Marktteilnehmer standen, lassen die jüngsten amtlichen Wochenberichte über die Verteilung der offenen Positionen am Terminmarkt für Gold in New York auf die einzelnen Gruppen von Akteuren erkennen. Die Netto-Kaufpositionen vor allem der Fonds sind wieder einmal stark gestiegen. Da diese Engagements irgendwann liquidiert werden müssen, ist das Risiko einer Verkaufswelle beträchtlich gestiegen. Es nimmt in dem Maße weiter zu, wie anregende Nachrichten ausbleiben oder der Dollar wieder anzieht.

... und ausufernden Staatsschulden

Dies sind aber Aspekte, die eher das Tagesgeschehen prägen. Längerfristig denkende Analysten diskutieren inzwischen intensiver über die Frage, wie sich die 15 europäischen Zentralbanken im Rahmen ihres neuen Goldabkommens verhalten. Es erlaubt ihnen bis zum September 2009 den Verkauf von insgesamt 2.500 Tonnen Gold. In einem Zwölfmonatszeitraum sollen nicht mehr als 500 Tonnen abgesetzt werden. In jüngster Zeit sind Vermutungen aufgekommen, nach denen die Notenbanken den neuen Rahmen von 2.500 Tonnen, der um 500 Tonnen höher ist als beim abgelaufenen ersten Abkommen, bei weitem nicht ausschöpfen werden. Dahinter steht vor allem die These, daß die Zentralbanken ihre Goldbestände inzwischen auch als Absicherung (Hedge) ihrer Dollarreserven gegenüber einer wohl unausweichlichen starken Abwertung der amerikanischen Währung verstünden. Doch es gibt auch Stimmen, die auf mittlere bis längere Sicht eine Neuordnung des internationalen Währungssystems für unabdingbar halten. Sie begründen dies besonders mit den willkürlich ausufernden Staatsschulden. Im Rahmen einer solchen Neuordnung könne Gold als "Disziplinierungsinstrument" wieder eine zentrale Rolle einnehmen, heißt es.

Angesichts der Möglichkeit eines solchen Prozesses würde sich jede Notenbank, die zuvor Gold verkaufe, eines Vorteils bei den Verhandlungen und bei der Positionierung innerhalb eines neuen Währungssystems begeben. Wenn diese Argumentation einen realen Kern hat, liegt die Folgerung nahe, daß Notenbanken, die nur über geringe, ihrem wirtschaftlichen Status nicht angemessene Goldbestände verfügen, zum Kaufen geneigt sein könnten. Dies macht jedoch bereits heute für jene Zentralbanken Sinn, die hohe Dollarreserven halten. Daher kursieren denn auch immer wieder Mutmaßungen über Goldkäufe besonders asiatischer Notenbanken, deren Reserven stark dollarlastig sind und die sie in die, wie es heißt, härteste, weil nicht beliebig vermehrbare Währung der Welt, nämlich das Gold, umtauschen.

Quelle: hi., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2004, Nr. 234 / Seite 22
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