19.08.2008 · Die stark gefallenen Preise für Uran haben die Zertifikate, mit denen Anleger indirekt an der Uranpreisentwicklung teilhaben können, erheblich an Wert verlieren lassen. Sie büßten gegenüber ihren Höchstkursen rund die Hälfte ein.
Die stark gefallenen Preise für Uran haben die Zertifikate, mit denen Anleger indirekt an der Uranpreisentwicklung teilhaben können, erheblich an Wert verlieren lassen. Ein englisches Pfund (454 Gramm) Uran kostete im Juli 2007 noch bis zu 140 Dollar. Knapp ein Jahr später sind es nur noch gut 60 Dollar. Auch die Zertifikate büßten gegenüber ihren Höchstkursen rund die Hälfte an Wert ein.
Eine Geldanlage könnte sich daher wieder lohnen, denn die Argumentationskette, die den Uranpreis auf immer neue Rekordstände getrieben hat, ist noch intakt. Der starke wirtschaftliche Aufschwung in China und anderen Schwellenländern hat die Energienachfrage deutlich erhöht und in einigen Ländern zu einer wieder stärkeren Nutzung von Atomkraft geführt, die auf Uran basiert. Alleine in China ist mittlerweile der Neubau von weit mehr als 100 Kernreaktoren geplant. Aber auch in zahlreichen westlichen Industrieländern gibt es konkrete Neubaupläne für Atomkraftwerke. Selbst in Deutschland gewinnen die Befürworter zumindest einer längeren Laufzeit der 17 deutschen Atomkraftwerke in der Debatte um die künftige Energieversorgung zusehends die Oberhand.
Uran ist ein politisch sehr stark reglementierter Rohstoff
Im Jahr 2007 wurden rund 40.000 Tonnen Uran aus Minen gefördert, allerdings 60.000 Tonnen verbraucht. Die Lücke wird seit dem Ende des Kalten Krieges aus den nicht mehr benötigten militärischen Lagerbeständen an Uran geschlossen. Diese reichen nach Ansicht der Rohstoffexperten entgegen ursprünglicher Erwartungen aber nicht mehr aus, um auf lange Sicht die Lücke zwischen einer steigenden Nachfrage und einem relativ konstanten Angebot zu schließen. Folglich sind die Preise in den Jahren von 2001 bis 2007 von 7 auf 140 Dollar je Pfund in die Höhe geschnellt.
Erst in der jüngsten wirtschaftlichen Abschwächung und durch die Aussicht auf eine kurzfristig größere Zuführung an Uran aus Altbeständen ist der Preis deutlich ins Rutschen gekommen. Gleichwohl rechnet die Internationale Atomenergiebehörde bis zum Jahr 2030 mit einer Verdopplung der jährlichen Nachfrage auf rund 120.000 Tonnen. Nur bei stark steigenden Preisen werden die Minengesellschaften die bislang noch nicht genutzten Uran-Ressourcen wirtschaftlich ertragreich abbauen können.
An einem solchen neuerlichen Preisschub können Privatanleger nicht direkt partizipieren. Uran ist ein politisch sehr stark reglementierter Rohstoff, den nicht jedermann einfach so erwerben kann. Einige Banken haben jedoch Körbe aus Aktien von Gesellschaften, die Uran fördern oder weiterverarbeiten, zusammengestellt. Diese haben sich in der Vergangenheit sehr ähnlich wie der Uranpreis entwickelt. Zum Unglück der Anleger der ersten Stunde kamen die Produkte jedoch in der Endphase der starken Uranpreissteigerungen auf den Markt und liegen deshalb allesamt deutlich unter ihren Einstandspreisen.
So kostet das Zertifikat der Société Générale auf den Uranindex Urax (WKN SG0URX) derzeit 73 Euro. Im Dezember 2006 war es zu 100 Euro auf den Markt gekommen und zwischenzeitlich bis auf 135 Euro gestiegen. In dem von Dow Jones berechneten Index befinden sich 10 Aktien. Die Zusammensetzung wird halbjährlich überprüft. Eines der Schwergewichte im Index ist mit dem kanadischen Cameco der mit einem Weltmarktanteil von 20 Prozent größte Uranförderer der Welt. In Kanada wird das meiste Uran gefördert, gefolgt von Australien und Kasachstan. Auch die britisch-australischen Rio Tinto (Weltmarktanteil 17 Prozent) und BHP Billiton (8 Prozent) sind im Index vertreten. Ebenso einige Unternehmen, die in der Weiterverarbeitung des Uran tätig sind.
Zertifikate sind unterschiedlich konstruiert - laufen jedoch einheitlich nach unten
In seiner jüngsten Zertifikateanalyse hat die Ratingagentur Scope Analysis dem Produkt im Gruppenvergleich die beste Bewertung gegeben - wenn auch insgesamt nur eine mittelmäßige Note. „Die Handelsqualität des Zertifikats ist gut. Ebenso ist positiv, dass dem Anleger die Dividenden voll zugute kommen", sagt Sasa Perovic, Zertifikateanalyst von Scope. „Allerdings hat es für die vergleichsweise geringe Anzahl von nur 10 Unternehmen im Index einen Abschlag auf die Bewertung gegeben."
Ebenfalls mit 3 von 5 möglichen Sternen wurde das Zertifikat der DWS Go auf den Uranium Exploration Index (WKN DWS0G8) bewertet. Bei der Auswahl der Unternehmen für den Index wird die Marktkenntnis der Fondsexperten der DWS zurate gezogen. Derzeit sind 21 Unternehmen im Index. Die Uranförderer Energy Resources of Australia und die französische Areva sind die Titel mit dem höchsten Gewicht. Seit der Auflage des Zertifikats im Mai 2007 zu 50 Euro ist der Wert auf nun 21 Euro gefallen. Perovic kritisiert an dem Produkt die jährliche Managementgebühr von 1,75 Prozent als zu hoch.
Das Uran-Basket-Zertifikat der Deutschen Bank (WKN DB6HSQ) bekam nur 2 Sterne, ebenso das Merrill Lynch Uran Zertifikat (WKN ML0BDN). „Bei der Deutschen Bank sind keine regelmäßigen Anpassungen der Indexzusammensetzung vorgesehen und bei dem Zertifikat von Merrill Lynch behält der Emittent die Dividenden komplett ein", bemängelt Perovic. Auch der Wert dieser beiden Anlagen hat sich seit den Höchstkursen im Sommer 2007 mindestens halbiert.
Identisch?
Kurt Michler (Kurt.Michler)
- 19.08.2008, 22:34 Uhr
Scope-Bewertung
Wolfgang Pohler (WPohler)
- 20.08.2008, 12:03 Uhr
Vor allem Uran
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 20.08.2008, 19:30 Uhr
@khaproperty
Kurt Michler (Kurt.Michler)
- 21.08.2008, 16:11 Uhr
@Michler, was soll denn dieser Kommentar?
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 22.08.2008, 21:18 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |